Blick auf die Münchner Filmhochschule
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Hier studiert der deutsche Filmnachwuchs: Und im Innenhof der Münchner HFF startet am 1. Juli das Pop-up-Sommerkino.

Am 1. Juli startet im Innenhof der Münchner Filmhochschule ein Open-Air-Kino

Neues Open-Air-Kino für München: Film ab unter freiem Himmel

  • Katja Kraft
    vonKatja Kraft
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München bekommt ein neues Open-Air-Kino: Ab 1. Juli heißt es im Innenhof der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film (HFF): Film ab beim „Pop-up-Sommerkino powered by M-net“!

Man könnte fluchen und weinen und sich ärgern darüber, dass in den vergangenen Monaten Pandemie-bedingt so vieles nicht möglich war. Oder man macht’s wie Veronika Faistbauer und Simon Pirron und – handelt. Kreativ sein statt verzweifeln. Die beiden Absolventen der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) haben im vergangenen Jahr angesichts der Kinoschließungen kurzerhand ein Autokino auf dem großen Parkplatz der Zenith-Halle in Freimann organisiert. 10 000 Besucher kamen insgesamt unter Einhaltung strenger Hygieneregelungen – mitten im ersten Corona-Lockdown. Bei so viel Erfolg liegt die Frage nahe: Gibt es heuer eine zweite Auflage?

Das Pop-up-Sommerkino startet am 1. Juli

„Nicht ganz“, sagt Pirron, als wir ihn am Telefon erwischen, um mal nachzuhorchen, ob man auch in diesem Jahr wieder vor dem Zenith zum Kinospaß anrollen kann. Dann verrät Pirron, der sonst als Producer und Filmproduzent tätig ist, was er und Faistbauer stattdessen ausgeheckt haben. Die Antwort macht vorfreudig: Ein Kino-Open-Air im Innenhof ihrer Alma Mater wollen sie ab 1. Juli veranstalten.

„Mit dem Auftakt des Filmfests Münchens eröffnen wir an der HFF vom 1. Juli an das Pop-up-Sommerkino powered by M-net.“ Betrieben wird das Freiluftkino von der Junique Productions GmbH, die Simon Pirron mit seiner damaligen HFF-Kommilitonin Jette Volland noch während des Studiums gegründet hat und mit Sitz in München und Berlin führt.

Sechs Wochen lang laufen Filme beim Pop-up-Sommerkino

Das Besondere: Im Austausch mit der HFF und den Verantwortlichen der Filmfestivals entstand die Idee, einen Ort zu schaffen, an dem sich die Festivals der Stadt verbinden und gemeinsam durchstarten. „Wir haben uns gedacht: Open-Air können wir ja eigentlich ganz gut“, erzählt Faistbauer und schmunzelt selbst angesichts dieser Tiefstapelei. Im Hochschul-Innenhof habe sie schon während ihres Studiums so manche schöne Stunde erlebt.

So initiierten die beiden engagierten Optimisten erstmals einen Zusammenschluss von verschiedenen Münchner Kinofesten. Neben dem Filmfest sind unter anderem das Seriencamp und die Filmstadt München mit dem DOK.fest, das Queer Film Festival und Kino Asyl vertreten, zentral gebündelt an dem Platz, wo der cineastische Nachwuchs ausgebildet wird.

Es gibt Liegestühle, Speisen und Getränke

Insgesamt sechs Wochen lang können sich die Gäste auf einen Mix aus den Programmen der teilnehmenden Festivals freuen. Spiel- und Dokumentarfilme, Serien, Kurzfilme der HFF-Studierenden, Experimentelles. „Wer weiß, was da noch kommt“, sagt Pirron. „Ein paar Tage im August haben wir noch frei. Wir denken klar auch an weitere kulturelle Veranstaltungen wie kleine Konzerte.“ Sechs Wochen – das klingt nach Sommerferien. Und genau so soll es sich anfühlen: Liegestühle stehen bereit, es gibt Speisen und Getränke. Und fantastische Geschichten unterm Sternenhimmel.

Sie laden das Publikum zum Sommerkino ein: Veronika Faistbauer und Simon Pirron.

„Wir haben das Programm so locker angelegt, dass wir auch immer wieder Lücken haben – wenn es mal stürmt, haben wir Puffer für regenfreie Ausweichtermine“, erklärt Faistbauer. Denn das haben die beiden Autodidakt-Eventplaner im vergangenen Jahr gelernt: Das Wetter sollte man nie unterschätzen. Bei so einigen Autokino-Abenden 2020 mussten sie wegen Gewittern umplanen. Ganz schön stressig, das alles. Warum tun sie sich das überhaupt an? Denn Geld verdienen sie nicht mit all dem, hoffen aber, am Ende auch in diesem Jahr bei Null herauszukommen. Die Ticketpreise richten sich je nach Festivalprogramm und variieren von freiem Eintritt bis zu regulären Kinokarten. „Dank unserer Sponsoren und allen voran M-net können wir es stemmen“, meint der 31 Jahre alte Pirron. „Wir hätten allerdings auch noch Platz auf der Sponsorentafel ...“, sagt er grinsend. Und tun es – weil? Faistbauer, ebenfalls 31, überlegt nicht lange: „Das klingt jetzt vielleicht abgedroschen, aber es stimmt: Als wir vergangenes Jahr gesehen haben, wie glücklich die Leute zu uns auf das Gelände gekommen sind und wie sie mit glänzenden Augen euphorisiert nach Hause fuhren, da vergisst man den ganzen Stress, das gibt einem unheimlich viel zurück.“

Beim Pop-up-Sommerkino könnten auch Konzerte stattfinden

Pirron ergänzt: „Kulturelle Veranstaltungen und insbesondere Kinokultur befindet sich bereits im zweiten Jahr in einer absoluten Ausnahmesituation. Gemeinsam mit unseren Partnern wollen wir Mut machen und zeigen, wie zukunftsträchtig und vielseitig Kino als Eventkonzept sein kann.“

Ihr Wunsch wäre, dass aus dem Pop-up-Fest eine dauerhafte Institution wird. Dass es vielleicht sogar andere HFF-Alumni gibt, die es weiterführen. „Wenn sich Generation für Generation etwas weiterspinnen würde, wenn sich auch die Studierenden mit einbringen könnten und das zu einem festen Projekt wird, das wäre schon toll.“

Aber nun, sagen sie und müssen lachen, weil sie ihrer Zeit schon wieder gedanklich voraus sind – nun wollen sie erst einmal mit diesem Fest anfangen. Wer weiß, was im nächsten Jahr ist. Hört man den beiden zu, dann ahnt man: Irgendwas ist immer.

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