Max von Thun lächelt seinen Sohn an, der mit einem falschen Bart und Hut verkleidet ist
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Autor und Ideengeber: Max von Thun (li.) und Remedio von Stein

Hörbuch im Wohnzimmer aufgenommen

Die von Thuns - eine lustige Familienbande

  • Johannes Löhr
    vonJohannes Löhr
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Schauspieler Max von Thun (43) hat seit einigen Jahren ein zweites Standbein. Er schreibt Kinderbücher – aber nicht allein. Stichwortgeber für die „Sternenmann“-Geschichten ist sein siebenjähriger Sohn Leo. Die Corona-bedingte Flaute haben die beiden dazu genutzt, gemeinsam daheim ein Hörbuch aufzunehmen.

Das Beste, erzählt Max von Thun, kam wie so oft zum Schluss. „Leo sagte irgendwann: Jetzt brauchen wir noch ein Sternenmann-Lied.“ Und das klingt so: Von Thun tippt auf sein Smartphone, schaut spitzbübisch – dann singt seine Stimme aus dem Gerät: „Ich bin der Sternenmann, ich knips’ die Lichter an.“ Eine Spieldosenmelodie. Doch dann kratzt eine Schallplattennadel, die Bubenstimme von Söhnchen Leo kräht: „Eins! Zwei! Drei! Vier!“ Und jetzt geht’s ab, mit Punk-Gitarren und Schlagzeug. Vater und Sohn rocken im Duett, es ist der fulminante Abschluss zweier lustiger, spannender, rührender CDs unter dem Titel „Der Sternenmann und das große Abenteuer“.

Leos Opa Friedrich von Thun hat eine Gastrolle als Mondmann

Man kann sich ungefähr vorstellen, was für eine Gaudi die Aufnahme war. Max von Thun, barfuß, lässiger Pulli und Schiebermütze, legt mit dem ihm eigenen Gentleman-Gangster-Lächeln das Handy zurück auf den heimischen Esstisch. Dass er und sein Bub ein Hörbuch fabrizieren würden, sei gar nicht beabsichtigt gewesen. „Zuerst war es nur ein schöner Zeitvertreib, als es im Frühjahr Corona-bedingt hieß: Seid vorsichtig, bleibt zu Hause“, sagt er. Schon der erste Lockdown war ja nicht zuletzt für die Kulturbranche eine Katastrophe. Als Filmschauspieler hatte von Thun es da vergleichsweise leicht – vor allem aber tritt er schon seit vier Jahren etwas kürzer, um mehr Zeit für Leo zu haben. „Es ist so eine prägende Zeit für ihn, da möchte ich, dass er so viel wie möglich von mir hat.“

Im Heimstudio: Max von Thun

Im Grunde ist deshalb vor drei Jahren auch der „Sternenmann“ entstanden. Ein kleiner Kerl, der jeden Abend aufs Neue die Sterne am Firmament verteilt und anzündet. Er habe sich einfach ein paar Geschichten für seinen Sohn ausgedacht, erzählt der Autor. Bald zeigte ein Verlag Interesse – Leo hatte sich da schon längst als wichtiger Stichwortgeber entpuppt. „Wenn ich nicht weiterweiß, frage ich ihn“, sagt der Papa.

Die von Thunsche Wohnung lädt dazu ein, die Gedanken fliegen zu lassen

Der Sohnemann findet eine Lösung, mit kindlicher Fantasie. Beim aktuellen Buch zum Beispiel: Wie sollten der Sternenmann und Prinzessin Luna in deren Heimatgalaxie zurückgelangen, um ihrem verzauberten Vater zu helfen? Für Leo war klar: durch ein schwarzes Loch. Aber wie sollte das aussehen? Da hilft es ungemein, dass die von Thun’sche Wohnung in der Isarvorstadt dazu einlädt, die Gedanken fliegen zu lassen – andauernd streift der Blick was Interessantes: Da hängen allerlei Instrumente an der Wand. Ein Bild von Frankenstein-Darsteller Boris Karloff überm Klo. Das Schienbein einer echten Giraffe in der Küche. Und über dem Esstisch eben auch ein Bärenkopf mit Strohhut, den Leos Opa Friedrich von Thun seiner Frau vor 50 Jahren schenkte. „Leo sagte: Das schwarze Loch schaut aus wie der Bärenkopf“, erinnert sich Vater Max. „Und ich: Okay, warum nicht?“

Friedrich von Thun hat im Hörbuch natürlich auch eine Gastrolle, als Mondmann. Eine echte Familienproduktion also – wobei Max von Thun betont, er wolle nicht forcieren, dass der Sohn in seine Fußstapfen tritt. „Ich will ihn nicht in die Öffentlichkeit zerren. Ich sehe das oft bei Filmkindern. Beim ersten Mal sind sie noch total unschuldig. Aber wenn bei den Dreharbeiten andauernd 40 Leute um die herumhüpfen, versaut das irgendwann den Charakter.“

Also sieht man Leo auf unserem Foto – und auch auf den Buchdeckeln und im Beiheft der CD – nur mit Bart und Sonnenbrille verkleidet. Und er ist zwar als Co-Autor genannt, hat sich aber ein Pseudonym ausgedacht: Romedio von Stein. Der Vorname stammt wie die Familie aus Südtirol, es ist in der Geschichte der von Thuns Tradition, dass er bei den Männern irgendwo als dritter oder vierter Vorname auftaucht. Und der Nachname leitet sich vom kompletten Adelsnamen derer von Thun und Hohenstein ab.

Inspiration an der Wand: Der Bärenkopf fand seinen Weg in das Hörbuch der von Thuns.

Bei aller Zurückhaltung lässt sich allerdings ein gehöriges Nachwuchstalent nicht leugnen. Und gemeinsame Vorlieben: So ist der Sternenmann-Song ganz klar ein Erbe der Schrottplatz-Rock’n’Roller „Motörhead“, die Vater und Sohn mögen. Außerdem erinnert sich Max schmunzelnd: „Leo wollte, dass der Sternenmann Ähnlichkeit mit Luke Skywalker hat. Da habe ich ihm gesagt, dass es aber noch kindgerecht sein muss.“

Am Ende darf der Sohnemann alle Aufnahmen absegnen

Ansonsten gab es keine Grenzen. Leo durfte mitmachen, wenn er Lust hatte – es sollte nur nicht in Arbeit ausarten. Der Papa erzählt: „Das lief dann ungefähr so ab: Ich saß im Wohnzimmer und rief ihm zu: Ich bräuchte in Kapitel zehn noch einen Rülpser!“ Alles, was der Vater in seinem kleinen Heimstudio am Computer zusammenschnitt, musste der Sohn am Ende absegnen. „Einmal sagte er: Ja, das ist gut, das gefällt der Zielgruppe!“, erinnert sich Max von Thun lachend. „Mir sind alle Gesichtszüge entgleist. Die Zielgruppe bist du!“

Dabei ist aus dem privaten Zeitvertreib ja wirklich etwas entstanden, das ein breites Publikum anspricht. Mittlerweile wurden die drei „Sternenmann“-Bücher sogar ins Koreanische übersetzt. „Es ist schon abgefahren, dass etwas, das man zum Spaß begonnen hat, um die Welt geht“, sagt der Autor. Ein bisschen stolz sei er ja schon darauf, dass sein Sohn und er „ein gemeinsames Baby“ hätten. Peinlich werde man seinem Kind als Vater ohnehin früh genug. Jetzt sei das noch ganz anders: „Leo findet das ziemlich gut, dass in der Berufsbezeichnung seines Papas das Wort ,spielen‘ vorkommt.“

Max von Thun & Remedio von Stein: „Der Sternenmann und das große Abenteuer“

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