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München: So geht es am Deutschen Theater weiter

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Von: Michael Schleicher

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Blick ins Deutsche Theater München mit den langjährigen Geschäftsführern Werner Steer und Carmen Bayer.
Sie standen seit 2007 an der Spitze des Deutschen Theaters München: Carmen Bayer und Werner Steer. © Marcus Schlaf

Das Deutsche Theater in München braucht eine neue Chefin oder einen neuen Chef. Wie berichtet, hat der Aufsichtsrat der städtischen Bühne die bisherigen Geschäftsführer Werner Steer und Carmen Bayer zum 1. Februar 2022 abberufen. Nun äußert sich Werner Steer erstmals zu der Entscheidung.

Bei einem Jukebox-Musical folgt Hit auf Hit, Zeit für eine kurze Pause bleibt da kaum. Dagegen war die Sitzung des Aufsichtsrats des Deutschen Theaters am Freitag, 21. Januar 2022, wohl eine echte Marathon-Produktion und nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig. Mehr als fünf Stunden tagte das Gremium – das Ergebnis, das Katrin Habenschaden (Grüne), Münchens zweite Bürgermeisterin und Vorsitzende des Aufsichtsrats, dann am späten Abend mitteilte: Die Geschäftsführer des städtischen Hauses, Werner Steer und Carmen Bayer, werden zum 1. Februar von ihren Posten abberufen. Grund sind nicht erfolgte Auszahlungen von Zulagen an die Beschäftigten der Musical-Bühne.

Steer und Bayer leiteten das Deutsche Theater seit 2007

Das Duo stand seit 2007 an der Spitze des Deutschen Theaters, nachdem beide in den Jahren davor bereits in anderen Positionen fürs Haus tätig waren. Vor zwei Jahren wurden die Geschäftsführer-Verträge für Bayer und Steer bis Ende 2025 verlängert. Nun fällt der Vorhang hier für sie zum Monatsende. Gerüchte über eine bevorstehende Abberufung machten bereits bei der „Flashdance“-Premiere am 12. Januar unter den Gästen die Runde. (Lesen Sie hier unsere Kritik zur Premiere von „Flashdance“ am Deutschen Theater München)

Sondersitzung des Aufsichtsrats bereits kurz vor Weihnachten

Wie berichtet, war im vergangenen Dezember bekannt geworden, dass das Deutsche Theater 130 000 Euro für die München-Zulage und das Job-Ticket nicht an die Mitarbeitenden weitergegeben haben soll. Die Stadt leitete daraufhin eine externe juristische Prüfung der Vorwürfe ein – auch das Kulturreferat selbst prüfte. Nach Informationen des „Münchner Merkur“ kam der Aufsichtsrat bereits kurz vor Weihnachten zu einer ersten Sondersitzung zusammen, um die Zwischenergebnisse der Untersuchungen zu besprechen. Am Freitag war dann erneut eine Sondersitzung anberaumt – aus dem Umfeld des Aufsichtsrats, in dem neben Habenschaden auch Münchens Kulturreferent Anton Biebl und Vertreter der großen Stadtratsfraktionen sitzen, ist zu hören, dass das Votum zur Abberufung von Bayer/Steer sehr deutlich ausgefallen sei.

Steer: „Das Deutsche Theater war für mich immer weit mehr als nur ein Job“

Werner Steer äußerte sich am Sonntag schriftlich zu der Entscheidung: „Der Vorwurf, dass die Geschäftsführung die Gelder für die München-Zulage/Job-Ticket anderweitig beziehungsweise zweckwidrig verwendet hat, ist nicht richtig“, heißt es in seiner Mitteilung. „Der von der Landeshauptstadt überwiesene Zuschuss ist in voller Höhe auf den Konten der Betriebs GmbH vorhanden, und es bestand zu keiner Zeit die Absicht, diese Gelder zweckwidrig zu verwenden.“

Deutsches Theater: Interimslösung ab 1. Februar 2022

Im Haus sei „noch nie“ eine München-Zulage oder ein Job-Ticket an die Belegschaft gezahlt worden, da die Gesellschaft nicht tarifgebunden sei und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter außertariflich bezahlt werden würden. „Da nach Beginn der Pandemie und der Einführung der Kurzarbeit unklar war, ob die München-Zulage/Job-Ticket überhaupt an die Mitarbeiter des Theaters ausbezahlt werden dürfen, dies vor dem Hintergrund des Besserstellungsverbotes gegenüber den tariflich angestellten Mitarbeitern der Landeshauptstadt, wurde die Auszahlung der Zulage einstweilen zurückgestellt“, schreibt Steer: „Weder Carmen Bayer noch ich hatten durch dieses Vorgehen auch nur den geringsten Vorteil, sondern wir handelten, wie wir es als unsere Pflicht angesehen haben im Sinne des Unternehmens und der gesetzlichen Vorgaben.“ Über Abberufung und Freistellung sei er „mehr als unglücklich, da das Deutsche Theater für mich immer weit mehr war als nur ein Job“.

Die Stadt sucht nun nach einer Interimslösung für die Theater-Spitze, idealerweise ab 1. Februar. Für 3. Februar steht mit „Jekyll & Hyde“ bereits die nächste Musical-Premiere auf dem Spielplan. Spätestens zum Jahresende soll feststehen, wer neue Chefin oder neuer Chef an der Schwanthalerstraße wird.

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