„Lass den Mond am Himmel steh'n“ in der ARD

Erschütternder Tatort aus München: Gefühllosigkeit, Doppelmoral und ein ungesühnter Mord

  • Anna-Katharina Ahnefeld
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Erschütternder Tatort aus München (ARD): In „Lass den Mond am Himmel stehn“ bleibt der Mord an einem Teenager ungesühnt. Gefühllosigkeit und Doppelmoral machen fassungslos.

  • Beim München-Tatort (ARD): "Lass den Mond am Himmel steh'n" verschwindet ein Teenager und wird darauf tot aufgefunden
  • Die Kommissare Batic und Leitmayr ermitteln
  • Am Sonntag, 07.06.2020, um 20.15 Uhr in der ARD

Update vom 07.06.2020, 21.46 Uhr: Die Gleichgültigkeit, mit der der 13-jährige Basti (Tim Offerhaus) im Tatort aus München (ARD) „Lass den Mond am Himmel stehn“ seinen Freund Emil (Ben Lehmann) erschlug, war erschütternd. Auch für die erfahrenen Ermittler Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl). 

Tatort aus München (ARD): Erschütternd Mord an einem Teenager

Die Besetzung des Tatort aus München (ARD) von Christopher Schier (Regie) und den Drehbuchautoren Stefan Hafner und Thomas Weingartner transportierte die menschlichen Tiefen hervorragend. Erschütternd auch, wie Bastis Eltern mit der Tat umgingen – welches Leid sie mit dem bleiernen Schweigen Emils Mutter zusätzlich zufügten. Aber auch, wie sie vertuschten, dass ihr Sohn ein Psychopath war. 

Erschreckend die Gleichgültigkeit, mit der Basti, gespielt von Tim Offerhaus, seinen Freund Emil erschlug.

Emils Tod blieb ungesühnt, da Basti nicht strafmündig war. Auch die Eltern konnten nicht belangt werden. Die Tat selbst konnte man nicht begreifen, Basti hatte keine Wahrnehmung der Konsequenzen seines Handelns, war gefühlskalt, berechnend – ein Junge mit einer schweren antisozialen Persönlichtskeitstörung.

Tatort aus München (ARD): Doppelmoral macht Fassungslos

Die Doppelmoral der Schellenbergs ließ die Zuschauer beim Tatort aus München (ARD) fassungslos zurück, so wurde Tochter Hannah (Lea Zoe Voss) für ihre Affäre mit Emils Stiefvater gewaltsam zur Rede gestellt. Dass der Sohn ein Mörder war, dazu wurde geschwiegen. 

„Ich bin jetzt das brave Kind hier“, sagte dieser zu seiner Schwester. Gemeinsam mit Hannah, die ihre Tasche packte und das Haus und die Familie verließ, wollte der Zuschauende einfach nur weg. Der Krimi blickte hinter die Fassade einer innerlich verrohten Familie – nicht strafrechtlich belangt und dennoch in ihrem eigenen Gefängnis zurückbleibend.

Erstmeldung vom 07.06.2020: Kassel - Stille. Eine schrecklich laute Stille herrscht zwischen den befreundeten Familien Schellenberg und Kovacic nach dem Mord an dem 13-jährigen Emil Kovacic (Ben Lehmann). Christopher Schiers Tatort aus München (ARD): „Lass den Mond am Himmel stehn“ seziert das Schweigen – bis das Skalpell zur Wahrheit vordringt. Der letzte „Tatort“ in der ARD vor der Sommerpause spielt in der Peripherie Münchens, in der die Familien in ihren schicken Anwesen leben.

Der Beginn des Tatorts aus München (ARD) erinnert an die erfolgreiche britische Serie „Broadchurch“. Ein Teenager – fast noch ein Kind – verschwindet, nur um kurz darauf ermordet aufgefunden zu werden. Die einzig Integere ist die Mutter, die, als sie das leere Bett ihres Sohnes sieht, ahnt, dass etwas Schlimmes passiert ist – alle anderen werden zu Verdächtigen. Hat das Treiben auf einem Sexparkplatz etwas mit Emils Tod zu tun? Hat er etwas beobachtet und musste deswegen sterben?

Tatort aus München (ARD): Eine Villa voller Eidechsen

Der beste Freund des ermordeten Emil war Basti Schellenberg (Tim Offerhaus). Als die Tatort-Kommissare Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) zur Befragung bei der Familie eintreffen, sind sie erst einmal verdutzt. Durch die scheinbar perfekte Villa spazieren Eidechsen. „Die fallen vom Dach“, sagt Mutter Antonia (Victoria Mayer) zu den Kommissaren. Das Haus sieht aus wie aus einem Hochglanzmagazin, doch die Eidechsen werden ignoriert?

Nein, hier stimmt etwas nicht. Scheinbar haben die Schellenbergs alles unter Kontrolle, doch so wirkt es, als müssten sie ihre gesamte Kraft für etwas anderes aufwenden. Ein Haus wie ein Gefängnis – in dem die verzweifelte Mutter von Emil, hervorragend gespielt von Laura Tonke, bei einem Besuch keinen Platz mehr hat. Trauer schreckt ab, dringt in die brüchige Fassade, ekelt beinahe an.

Tatort aus München (ARD): Keine Zeit für Trauer

Emils Stiefvater hat seine Arbeit als Mediziner im Kopf – und darüber hinaus eigene Geheimnisse. Emils Vater ist vor Jahren gestorben. Und so sieht man als Zuschauer das Leiden dieser Frau, die dieses mit niemandem teilen kann. Denn auch Emils Kumpel Basti wirkt seltsam unbeteiligt, ja gar gefühllos.

Mittendrin das zweite Kind der Schellenbergs, Hannah, gespielt von Leo Zoe Voss, die bereits mit der Webserie „Druck“ zeigte, dass sie eine der großen deutschen Schauspielerinnen werden könnte. Sie ist die Einzige der Familie in diesem Tatort aus München (ARD), die reagiert, wie man eigentlich reagieren sollte auf den Tod des Jungen: betroffen.

Tatort aus München (ARD): Voltaire im Verhörraum

„Den Lebenden schulden wir Respekt. Den Toten die Wahrheit“, zitiert Tatort-Hauptkommissar Ivo Batic am Ende im Verhörraum Voltaire. Wobei er der Meinung sei, dass auch die Lebenden die Wahrheit verdienen würden. 

Kollege Franz Leitmayr vermittelt nebenan dieselbe Botschaft: Die Strafverfolgung sei das eine, das andere, dass die Familie Kovacic ein Recht darauf hat, zu erfahren, wer ihren Sohn umgebracht hat.

Beim dritten Göttingen-„Tatort“ in der ARD ermittelten Lindholm und Schmitz nach dem Tod einer rechtsnationale Bloggerin. Vor allem die Widersprüche machten den Reiz aus. Eine Kritik.

Tatort aus Weimar: In „Der letzte Schrey“ müssen die Tatort-Ermittler im Fall einer Entführung ermitteln. Die Kommissare Dorn und Lessing sorgen auch für Lachen. Ein spannender Tatort.

Rubriklistenbild: © Bavaria Fiction GmbH / BR / Hendrik Heiden

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