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München: Die Von-Parish-Kostümbibliothek bietet der Mode eine Bühne

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Blick in die Von-Parish-Kostümbibliothek.
Alte Pracht in neuem Glanz: Blick ins Arbeitszimmer von Hermine von Parish. © Florian Holzherr/Münchner Stadtmuseum

Die Von-Parish-Kostümbibliothek in München ist nach mehrjähriger Sanierung wiedereröffnet worden. Die Einrichtung des Münchner Stadtmuseums hat international einen herausragenden Ruf.

Sie ist die Heimat von 1,5 Millionen Kostüm-Bildern: Jetzt wurde nach dreijähriger Schließung die Von-Parish-Kostümbibliothek in München wiedereröffnet. Untergebracht ist sie unweit des Nymphenburger Schlosses in einer Jugendstilvilla, die renoviert und optisch in ihren Urzustand von 1901 zurückversetzt wurde. Rund 750 000 Euro kostete die Sanierung. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Schon von der Straße aus zieht der geschwungene Giebel des Hauses Passanten in seinen Bann.

Die Von-Parish-Kostümbibliothek ist unweit des Nymphenburger Schlosses

Durch die Wiederentdeckung der alten Wandbemalung leuchten die Innenräume jetzt in neuer Farbenpracht, und das Erdgeschoss gleicht regelrecht einem Regenbogen. Von der grün gebeizten Diele aus wandelt man durch einen indigoblau bespannten Speisesaal bis in den kleinen Wintergarten, in dem vom Fensterrahmen bis zu den ledergebundenen Büchern alles in kräftigem Rostrot gehalten ist. Auch die Einrichtung überzeugt durch einen Mix aus Neorenaissance, Neurokoko und Jugendstil. Die zunächst gegensätzlich erscheinenden Stile schaffen ein beeindruckend stimmiges Ensemble. Im Salon steht historistischer Prunk naturalistischer Schlichtheit gegenüber.

Porträt von Hermine von Parish in ihrer Bibliothek.
Sie machte die Sammlung zur internationalen Adresse: Hermine von Parish (1907-1998). © Ernst Jank/Münchner Stadtmuseum

Doch die Villa hat weit mehr zu bieten als ein paar alte Möbel und hübsche Wandfarben: Sie beherbergt die Von-Parish-Kostümbibliothek, eine der weltweit größten und bedeutendsten Sammlungen ihrer Art. Aber was ist eigentlich eine Kostümbibliothek? Die wenigsten Menschen haben wohl eine konkrete Vorstellung, was sich hinter dem etwas sperrigen Begriff verbirgt. Wer eine Ausstellung mit flatternden Kleidern und ausladenden Reifröcken erwartet, liegt jedenfalls falsch. Dafür kann man in unzähligen Abbildungen, Texten und Zeichnungen schwelgen und sich so auf eine Zeitreise durch die Geschichte der Mode begeben.

Mehr als 1,5 Millionen Bücher, Zeitschriften, Grafiken und Fotos

Denn das Haus ist vom Keller bis zum Dach mit mehr als 1,5 Millionen Büchern, Zeitschriften, Grafiken und Fotografien aus allen Erdteilen und Epochen gefüllt. Begründet wurde die Bibliothek von der Kostümhistorikerin Hermine Viktoria von Parish (1881-1966). Nach ihrer Hochzeit mit dem vermögenden Edmund von Parish verfügte sie über die finanziellen Mittel, um auf ihren Reisen durch Europa Modedarstellungen zu erwerben. Im Jahr 1946 gründete sie die „Von Parish Schule für freie und angewandte Kunst“.

Blick in ein Buch in der Von-Parish-Kostümbibliothek
8bb40ad5-7286-4e6c-b89e-f95b6c81b535.jpg © Gunther Adler/Münchner Stadtmuseum

Den Grundstein für die Sammlung legte aber schon ihr Großvater Rudolf Marggraff, seinerzeit Kunsthistoriker und Generalsekretär der königlichen Akademie der Bildenden Künste unter Ludwig I. Durch Hermines gleichnamige Tochter (1907-1998) avancierte die Bibliothek schließlich zu einer international bedeutenden Institution. Für Hermine „Harriet“ von Parish waren „Kostüm und Mode nicht nur Kleidung, sondern Ausdruck der Kultur einer Gesellschaft“, wie sie einmal sagte. Aus diesem Grund schenkte sie die im großen Stil erweiterten Bestände 1970 dem Münchner Stadtmuseum unter der Bedingung, die Sammlung in ihrem Wohnhaus in der Kemnatenstraße 50 zu belassen.

Die Von-Parish-Kostümbibliothek: alle zwei Wochen gibt es Führungen

Die 1900 von der Bau- und Architekturfirma Gebrüder Rank erbaute Villa wurde 1936 von Hermine von Parish der Älteren mit ihrer Tochter und einer bereits damals beträchtlichen Sammlung bezogen. Heute zeugen sowohl das Haus als auch sein Inhalt vom einstigen Glanz Münchens, als Anfang des 20. Jahrhunderts die kreative Szene erstrahlte. Allerdings geht von der Einrichtung nicht nur der Schimmer des Vergangenen aus. Unter der Leitung von Esther Sophia Sünderhauf werden die Exponate kontinuierlich aktualisiert, systematisiert und digitalisiert. Rund 150 Titel kommen pro Jahr dazu. Wer das alles nutzt? Es sind vor allem Designer, Studenten, Kostümbildner und Schriftsteller, die nach Inspiration für eigene Werke suchen. Aber auch Kriminalisten setzen bisweilen Kostümabbildungen ein, um beispielsweise Täterprofile zu erstellen.

Nach der Wiedereröffnung werden nun alle zwei Wochen Führungen angeboten, private Besuche sind nach vorheriger Anmeldung möglich. Die erste Führung findet am 29. September statt. Die Schatzkammer der Modegeschichte bietet dabei nicht nur einen Rundgang durch die historischen Räume, sondern auch spannende Einblicke in das Leben der einstigen Bewohnerinnen. So hält die Von-Parish-Kostümbibliothek ein Stück München aus einem vergangenen Jahrhundert lebendig.

Josephine Goetz

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