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Wohnen auf der Maximilianstraße? Oder zumindest in den Parkbuchten? Denn „wie nutzen wir den Parkraum in der Auto-losen Zukunft?“, fragt sich der Architekt und Querdenker Benjamin Foerster-Baldenius.

Kreative Architektur-Ideen

München wohnt bald in Parkbuchten

München - Schluss mit der schrecklichen Wohnungsnot: Die Kammerspiele suchen kreative Architektur-Ideen für München. Wie wäre es mit Parkbuchten?

Frisch in München, erste Party, neue Leute, bisschen plaudern – wie gut, dass es da die Wohnungsnot gibt. Perfektes Gesprächsthema für alle, die in der Landeshauptstadt Anschluss suchen. Verbrüderungseffekt hoch zehn. Denn jeder, der nicht gerade hier geboren und das Elternhaus nie mit Umzugskartons verlassen hat, kennt irgendeine absurde Wie-finde-ich-in-dieser-Single-überfüllten-Stadt-’ne-Bude-Geschichte. Damit endet dann auch schon das Gute an der vermaledeiten Raumsituation. Ansonsten gilt: Neuen Wohnraum braucht die Stadt.

Das weiß auch Matthias Lilienthal, künftiger Intendant der Münchner Kammerspiele. Noch bevor er mit der Saison 2015/16 die Münchner im Schauspielhaus aufmischt, nimmt er sich die ganze Stadt vor. Mit dem Projekt „ShabbyShabby Apartments“, einem Wettbewerb für Architektur- und Designgruppen. Seit 27. Januar läuft die weltweite Ausschreibung für diese Kunstaktion. Noch bis 30. März können kreative Köpfe ihre Entwürfe für innovative Wohnraum-Ideen einreichen.

„Wir stellen mit diesem Projekt die Frage, wie das Wohnen in der Stadt in Zukunft aussehen könnte“, sagt Benjamin Foerster-Baldenius vom „raumlaborberlin“, einem Team von Städtebauern, das stets versucht, zeitgenössische Kunst mit dem Thema Stadtplanung zu verknüpfen. Der Berliner kennt Lilienthal schon lange, gemeinsam haben sie bereits in Mannheim einen ähnlichen Architektur-Wettbewerb ausgeschrieben. „Damals ging es um Hotelzimmer, die Mannheim braucht. Dieses Problem hat München ja nicht“, weiß Foerster-Baldenius, der sich intensiv mit der Stadt auseinandergesetzt hat.

Das Besondere: Die Siegerentwürfe, die die sieben Juroren, darunter Münchens Kulturreferent Hans-Georg Küppers, Cecilie Andersson, Rektorin der Bergen School of Architecture, und der Stadtsoziologe Peter Arlt, auswählen, werden tatsächlich gebaut. Zwischen dem Haus der Kunst und dem Candidplatz sollen sie mehrere Wochen lang stehen – und bewohnt werden. „Anders als bei Musterwohnungen, die man sich anschaut und schnell sieht: ,Huch, sind ja nur Papp-Bücher, hier ist ja gar nichts echt!‘ kann man bei uns das Leben in den Wohnungen ausprobieren“, erzählt Foerster-Baldenius begeistert. Am liebsten wäre es ihm, wenn die Objekte auch über die angesetzte Zeit hinaus noch bewohnbar blieben. „Wenn die Stadt die gebauten Wohnungen so liebgewinnt, dass sie sagt: Die möchten wir behalten, sehr gern“, betont er lächelnd.

Schon jetzt haben sie Teilnehmer-Anfragen aus aller Welt. Die Gewinner kommen vom 3. bis 11. September nach München und realisieren ihre Ideen. Die Materialien – bewusst niedrig gesetztes Budget: 250 Euro – werden gestellt, die Entwickler können die Werkstätten der Kammerspiele nutzen.

Einer der ausgewählten Standorte sind die Parkbuchten an der Maximilianstraße – „mein persönlicher Favorit“, sagt Foerster-Baldenius. Denn man müsse sich die Frage stellen, was eigentlich mit Straßen, Parkhäusern und -plätzen geschieht, wenn es mal keine Autos mehr gibt. Schließlich seien „irgendwann auch die letzten Benzin-Ressourcen verbraucht“.

Der Berliner Querdenker setzt auf eine „interessante Ästhetik“, damit auch die Nachbarschaft Freude daran findet. Und: Die Bewerber sollen versuchen, sich in das einzuklinken, was die Stadt bereits bietet. „Wenn es keine Heizung gibt, dann vielleicht eine Lüftung von einer U-Bahn, die man irgendwie umleiten kann. In Mannheim hatten wir ein Hotelzimmer, das wurde um eine Straßenlaterne herumgebaut. Da hatte man dann die Nachttischlampe gleich drin“, erzählt er. Einziges Problem: die Lampe auszumachen. „Dafür haben sie sich ein Möbelstück ausgedacht, das man darüber stülpen konnte.“ Mit etwas Kreativität löst sich alles. Vielleicht sogar Münchens Wohnungsnot.

Katja Kraft

Informationen

Mitmachen: Bewerber können ihre Entwürfe noch bis 30. März einreichen. Alle Informationen unter http://raumlabor.net/shabbyshabby-apartments

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