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„Die Wunderübung“ feiert in München Premiere: Eine Komödie über den Stellungskrieg zwischen Mann und Frau

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Von: Cornelia Schramm

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Im Krisenmodus: Joana (Petra Wintersteller) und Valentin (Bernd Berleb).
Krisenmodus: Joana (Petra Wintersteller) und Valentin (Bernd Berleb). © Volker Derlath

Das Theater und so fort zeigt derzeit Daniel Glattauers Komödie „Die Wunderübung“: Nach 14 Ehejahren führen Joana und Valentin Dorek eher eine Kampf- als Liebesbeziehung. Ein Therapeut solls richten.

24 Walnussschalen, gefüllt mit selbst gedichteten Liebesbotschaften: So einen schnulzigen Adventskalender hat Valentin seiner Joana einmal gebastelt. Heute, 17 Jahre später, ist bei den Doreks aber schon lange Schluss mit süßen Aufmerksamkeiten. Bei zwei Kindern und Alltagsstress hat das Paar verlernt zu kommunizieren, ja auch zu lieben. Ein Therapeut soll das in Daniel Glattauers „Die Wunderübung“ richten. 2015 in Wien uraufgeführt, feierte die Komödie nun am Donnerstagabend (16. Dezember 2021) im Theater ... und so fort in München Premiere.

„Warum ich mich in ihn verliebt habe? Keine Ahnung! Ich war wohl verrückt!“, erklärt Joana Dorek, gespielt von Petra Wintersteller, ihrem Therapeuten (Heiko Dietz). Mit gekonnt geschürzten Lippen (irre komisch!). Und der kann auch Herrn Dorek, gespielt von Bernd Berleb, kein gutes Wort über seine Frau entlocken. Die Fronten sind verhärtet. So sehr, dass „im Beratungszimmer“ – ganz in Erdtönen gehalten, die wohl eigentlich beruhigend auf das Paar wirken sollen – die Fetzen so richtig fliegen.

Theater... und so fort bringt mit Glattauers „Die Wunderübung“ pointiertes Gezanke auf die Bühne

Die Wehwehchen der Ehepartner? Pure Klischees! Sie eine nörgelnde Hausfrau, die sich Anerkennung und Unterstützung wünscht. Er ein Workaholic in der Midlife-Crisis, dessen Arschloch-Haltung Berleb gut steht. Das Gezanke ist zwar pointiert, der Humor kommt aber stereotyp daher, was am Glattauer-Stück, nicht an René Oltmanns Regie liegt. Wem das schmeckt, der kann lachen. Der Rest schmunzelt genüsslich darüber, wie sich Wintersteller und Berleb auf den Stühlen winden und die Doreks süffisant ihre emotionalen Grenzen überwinden lassen.

Keine Liebes- eher eine Kampfbeziehung führt das Ehepaar Dorek laut ihrem Therapeuten (Heiko Dietz). Die Fronten sind verhärtet.
Keine Liebes- eher eine Kampfbeziehung führt das Ehepaar Dorek laut ihrem Therapeuten (Heiko Dietz). Die Fronten sind verhärtet. © Volker Derlath

Just als der Zuschauer den lauten, karikierten Ehe-Streit (oder -Kampf?) schon fast nicht mehr erträgt, lässt Dietz den analytischen Therapeuten mit virtuos irrem Blick aus der Rolle fallen. Dank einer verblüffenden Wendung steckt die zweite Hälfte des Abends dann wieder voller Überraschungen.

Die Wunderübung läuft bis bis 16. Januar 2022 im Theater... und so fort. Karten gibt es unter www.undsofort.de.

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