Auf dem Marstallplatz

Festspiel-Konzert: Ein Münchner Sommernachtstraum

München - The same procedure as every year – das gilt nicht nur fürs Silvester-Dinner, sondern auch fürs seit 20 Jahren beliebte „Oper für alle“-Konzert auf dem Marstallplatz.

Heuer rückten rund 9000 musikbegeisterte Münchner bei freiem Eintritt an und füllten den Platz hinter dem Nationaltheater bereits eine gute Stunde vor Konzertbeginn: Manche speisten, andere gönnten sich einen Vor-Konzert-Schlummer oder checkten nochmal die Mails bei einem frisch gezapften Bier oder einem Sekt im langstieligen Plastikglas. Stimmung super, Wetter prächtig…

Wenn dazu noch Musik von Wagner bis Ravel den Platz flutet, dann kommen Sitzende, Liegende und diesmal auch viele (in den „Sperrbezirken“) Stehende voll auf ihre Kosten. Das Jugendorchester Attacca – seit zehn Jahren dabei – wagte sich sogar an Wagner und ließ unter Allan Bergius’ Leitung eine getragene, klangoffensive „Rienzi“-Ouvertüre hören, die den vorüberfliegenden Hubschrauber glatt übertönte. Das Bayerische Staatsorchester, vom Pariser Bertrand de Billy dirigiert, bot in der lauen Sommernacht viel Französisches gemischt mit Italienischem, was bestens zur Freiluft-Stimmung passte: Auf Berlioz’ fetzigen ungarischen Marsch aus „La damnation de Faust“ folgten zwei Arien, mit denen Opernpublikumsliebling Pavol Breslik sicher viele neue Fans dazugewann. Als Gounods Romeo („L’amour! Oui, son ardeur a troublé tout mon être!“) wie als Bizets Perlenfischer („Je crois entendre encore“) bewies er sicheres Stilgefühl, punktete mit geschmeidigem, auch in der Höhe glänzendem Tenor, mit feiner Phrasierung, bruchlosen Registerwechseln und anrührender Gestaltung. In der Arie des Ferdinand aus Verdis „Luisa Miller“ schlug Breslik heldischere Töne an und mit dem einfühlsam intonierten „Liebestrank“-Hit „Una furtiva lacrima“ feuerte er die „Bravo“-Rufer an.

Sängerschonend meldete sich zwischendurch das Staatsorchester und servierte einen spritzigen, leichten Tanz der Stunden aus Ponchiellis „La Gioconda“ und ein gefühlvolles Intermezzo aus „Cavalleria rusticana“. Dass sowohl Ravels Suite „Daphnis et Chloé“ wie sein „Bolero“ zum Tanzen animieren, bewies die hellwache eineinhalbjährige Veronika, die nicht nur mit Mama und Papa, sondern auch mit den umstehenden Fremden tanzte.

Mit zwei fetzigen, italienischen Canzonen schickten Sänger, Dirigent und Orchester das begeisterte Publikum in die Sommernacht, in deren Himmel Hunderte von Luftballons davonschwebten. Auf ein Neues im Juli 2017? Aber klar! Das versprachen Münchens BMW-Chef Peter Mey und Staatsopern-Intendant Nikolaus Bachler.

Gabriele Luster

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