Stadtrat einig: TSV 1860 darf zurück ins Grünwalder Stadion

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Chef-Einkäufer der Staatsoper: Pal Moe bescherte München schon einige Sänger-Entdeckungen.

Münchens Talentjäger

München - Pal Moe, einer der einflussreichsten Stimmenkenner, fahndet für die Bayerische Staatsoper nach Sängern. Im Merkur-Interview spricht er über die Talentsuche, große Karrieren und die Rolle der Optik.

Wenn er in der Vorstellung sitzt, bricht beim einen der Angstschweiß aus, beim anderen die Vorfreude: Pal Moe ist die meiste Zeit seines Berufslebens unterwegs, um neue Sänger zu entdecken. Der gebürtige Norweger gilt als einer der einflussreichsten und besten Stimmenkenner weltweit. Früher war Moe bei der Norwegischen Nationaloper, an der Pariser Oper und bei der Deutschen Grammophon tätig. Seine derzeitigen Arbeitgeber sind das Festival von Glyndebourne, die Oper von Lille – und die Bayerische Staatsoper. Um Solisten „einzukaufen“, wird Moe von ihr auf Reisen geschickt. Mit großem Erfolg, wie einige Besetzungsüberraschungen gerade in jüngerer Zeit bewiesen.

Wie wichtig ist noch das klassische Vorsingen? Oder sind Vorstellungen, die Sie an anderen Häusern besuchen, entscheidender?

Ein Vorsingen ist nur die halbe Wahrheit. Wenn man die Sänger in einer Vorstellung erlebt, dann gewinnt man viel mehr Erkenntnisse. Manche haben ja extreme Probleme mit der künstlichen Vorsing-Situation. Und wer ein gutes Vorsingen absolviert, muss nicht zwangsläufig eine gute Vorstellung singen. Mein Vorteil im Vergleich zu einem Festangestellten ist: Ich kann eben sehr viel herumreisen. 1A-Besetzungen im Stile von Netrebko und Calleja brauche ich dabei weniger. Es dreht sich ja um den vielversprechenden Neuling.

Welche Rollen lassen sich schwer besetzen? Kann man derzeit überhaupt eine adäquate „Aida“ oder „Elektra“ bieten?

„Elektra“ ist das beste Beispiel: Sie wird gerade an der Bayerischen Staatsoper nicht gespielt. Allgemein gesagt: Die großen, dramatischen Partien sind schwer zu besetzen, vor allem bei Verdi und Wagner. Dagegen war die Lage bei Barock, Mozart und Rossini noch nie so gut wie jetzt.

Weil sich die Stimmen durch die Barock-Renaissance dahin entwickelten?

Das ist ein Aspekt. Es gibt gerade beim Barock immer mehr Spezialisten. Andererseits sind die Stimmen insgesamt gesehen ein bisschen kleiner geworden. Man weiß nicht so recht warum. Es hat vielleicht damit zu tun, dass sich die Karrieren immer schneller entwickeln. Die Leute haben nicht mehr die Zeit, eine große Stimme heranwachsen zu lassen. Ich will eigentlich einen jungen Sänger nicht zu schnell in große Partien drängen.

Welche Rolle spielt denn das Aussehen?

Das ist kein Vergleich mehr zur Zeit vor dreißig Jahren. Heutzutage kann man keine Partie mehr besetzen, ohne dass man sich fragt: Wie sieht er oder sie auf der Bühne aus? Passt das Alter? Ist das körperlich überzeugend? Selbstverständlich werden Kompromisse gemacht – meist, je größer das Fach ist.

Ein bekannter Sänger-Agent meinte einmal: Montserrat Caballé oder Luciano Pavarotti hätten heute keine Chance.

Ich weiß nicht. Wenn die so gut singen, dann haben sie eine. Johan Botha macht auch eine sehr schöne Karriere.

Ist unter den Sänger-Scouts ein Wettbewerb um den Nachwuchs entbrannt?

Absolut. Jeder will der Erste sein. Allerdings ist es eine freundliche Konkurrenz. Es dreht sich schließlich um Kunst und nicht um Wirtschaft. Ich hatte mal ein Vorsingen in New York, da hat mich eine Kollegin eines anderen Hauses gefragt, ob sie mitkommen darf. Nach einer Woche rief ich an, weil ich einen Sänger engagieren wollte. Da bekam ich zu hören: Nein, der ist schon bei Ihrer Kollegin. Man muss also schnell reagieren. Zu schnell vielleicht.

Sind heute überhaupt noch 40-jährige Karrieren wie bei Domingo und Gruberova möglich?

Man vergisst: Es gab immer nur wenige Sänger, die sehr große Karrieren machen konnten. Zugegeben, Burn-out ist vor allem in unserer Zeit ein Phänomen – und das in allen Bereichen.

Die Einstellung zum Beruf ändert sich allerdings. Die Sänger ordnen sich doch ein Stück weit „normaler“ als früher ein.

Ja. Die Vorstellung vom Künstler hat sich geändert, er steht nicht mehr auf dem Podest. Es gibt kaum mehr Diven oder Divos. Andererseits hat das Publikum weiterhin die Vorstellung: Der oder die auf der Bühne bringt mich in eine andere Welt. Künstler bleiben also Verzauberer.

Ist es an einem großen Haus überhaupt noch möglich, dass sich dort ein junger Sänger über sechs, sieben Jahre entwickelt?

Vielleicht nicht langfristig. Wir haben ja das Opernstudio, in dem man Talente testen kann. Manche übernehmen wir ins Ensemble für zwei, drei Jahre. Da kann man schon Karrieren entwickeln. Aber wenn ein Sänger sehr begabt ist, hat er selbst die Tendenz, schnell wegzugehen. Man kann eine Zwischenlösung finden und sagen: Du bekommst viel Urlaub für Gastspiele, bleibst jedoch bei uns. Riesentalente sprechen sich allerdings schnell herum.

Es gab in München eine Zeit unter Wolfgang Sawallisch, da konnte man etwa „Così fan tutte“ aus dem Ensemble besetzen. Führt die Entwicklung wieder dahin? Weg vom Star-System?

In den englischsprachigen Ländern, auch in Spanien und Italien gibt es eigentlich kein Ensemblesystem. Das ist eine deutsche Tradition. Wir könnten derzeit auch eine „Così“ fast aus unserem Ensemble besetzen. Unsere Philosophie geht aber in eine andere Richtung. Wir wollen auch neue Namen präsentieren und versuchen, eine Balance zwischen Ensemblemitgliedern und Gästen zu finden.

Ist das nicht risikoreich? Es scheint, dass das Publikum in München große Namen braucht.

Das Publikum ist hier sehr treu dem Haus gegenüber. Und wenn wir komplett unbekannte Sänger gebracht haben, die gut waren, dann kamen die auch bei den Leuten an. Es ist ein kundiges, sehr offenes Publikum. Weniger snobistisch als in Wien, wo man denkt, dass die Oper dort erfunden wurde. (Lacht.)

Müssen Sie Stars bringen? Welchen Einfluss haben CD-Firmen mit ihrer Karrierepolitik?

Das war früher anders. Der CD-Markt ist nicht mehr so wichtig.

Aber Sie als Experte müssen sich doch wundern, welche Solisten da mittels Arien-CDs als neue Stars angepriesen werden.

Ich war fünf Jahre lang bei der Deutschen Grammophon. Und ich kenne die Politik der Firmen. Man braucht die großen Namen. Und es gibt Labels, die nehmen zehn, zwölf junge Solisten, werfen die auf den Markt und sehen sich das dann an, wie das funktioniert.

Das Gespräch führte Markus Thiel.

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