Kunst in der Bank: Sonja Lechner (Mi.) zeigt Sandra Bindler (re.), Vorstandsvorsitzende der Münchner Bank, und Redakteurin Katja Kraft ein Werk von Sebastian Maas.
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Kunst in der Bank: Sonja Lechner (Mi.) zeigt Sandra Bindler (re.), Vorstandsvorsitzende der Münchner Bank, und Redakteurin Katja Kraft ein Werk von Sebastian Maas.

Bilder unserer Zeit: Die Münchner Bank präsentiert Werke von Meisterschülern der Akademie

Münchner Bank: Hier können Sie jetzt große Kunst aus München erleben

  • Katja Kraft
    vonKatja Kraft
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Die Museen und Ausstellungshäuser müssen zurzeit coronabedingt schließen. Weil die Banken aber „systemrelevant“ sind, dürfen sie weiter öffnen. Die Münchner Bank zeigt in ihren Geschäftsräumen nun Werke von Nachwuchskünstlern der Akademie der Bildenden Künste. Sehenswert!

  • Die Münchner Bank veranstaltet zwei Mal im Jahr eine Vernissage
  • Die Verkaufserlöse der Bilder gehen zu 100 Prozent an die Künstler
  • Zwei Meisterschüler von Karin Kneffel, selbst einst Schülerin bei Gerhard Richter, sind diesmal im Fokus

Nicht alles war früher besser. Aber die magischen Momente damals im Fotogeschäft, die waren schon groß. Wenn man zum ersten Mal den Umschlag öffnete, gefüllt mit 36 Abzügen. Jedes verwackelte Motiv ein Stich ins Herz, doch dazwischen vier, fünf, manchmal mehr, mal weniger Bilder, die die Stimmung des Augenblicks genau eingefangen hatten. Vanilleeis in der verklebten Hand; Wassermelone-Reste um den Mund; das Lächeln echt. Und im Hintergrund die untergehende Sonne, die einen perfekten Tag an der italienischen Küste beschließt. Fotos wie gemacht für Instagram. Gab’s damals aber noch nicht.

An all das erinnert man sich, wenn man Janka Zöllers Ölbild der zwei Grazien am Strand betrachtet. „At the Beach 1“ heißt es und verdient, von vielen Menschen gesehen zu werden. Nicht nur digital, wie es Corona-bedingt gerade den meisten Kunstwerken ergeht. Analog, mit allen Sinnen. Glück im Unglück also, dass die Münchner Bank erstens „systemrelevant“ ist und deshalb geöffnet haben darf und sie zweitens seit zwei Jahren im Stammhaus am Frauenplatz ihr Kunstforum betreibt. Denn so können Zöllers und die Werke eines weiteren Künstlers, Sebastian Maas nämlich, auch während des Lockdown der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Ein Zeitdokument in fröhlichen Farben – doch unverkennbar kritisch setzt sich Janka Zöller in „At the Beach 1“ mit der digitalen Selbstinszenierung auseinander.

Beide sind Absolventen der Akademie der Bildenden Künste in München. Und beide haben mit ihren Arbeiten das Herz von Kunstberaterin Sonja Lechner höherschlagen lassen. Sie berät die Bank bei ihren zwei Mal im Jahr stattfindenden Ausstellungen, schlägt je zwei Künstler vor – und traf damit bisher immer ins Schwarze. „Sonja Lechner wählt Künstler und Bilder aus, wir stellen die Fläche“, erklärt Sandra Bindler, Vorstandsvorsitzende der Bank. Einmal im Frühjahr und einmal im Herbst wird neu gehängt. Auf Kosten des Hauses. „Schon bei den Vernissagen werden viele Werke verkauft. Der Erlös geht zu 100 Prozent an die Künstler“, betont Bindler. Die Preise der aktuellen Bilder liegen zwischen 280 und 7200 Euro. Denn das Ziel ist ja nicht nur, aus schnöden Fluren leuchtende Räume voller Leben zu machen – den Nachwuchs möchte die Geschäftsleitung fördern. Deshalb kauft sie auch stets je zwei Werke pro Schau selbst an, für die Mitarbeiterbüros.

In Collagen verbindet Sebastian Maas Vergangenes und das Heute.

Wer durch die Räume läuft, sieht die ungeheure Vielfalt, mit der sich der Nachwuchs auszudrücken weiß. Fotografien, Siebdrucke, Skulpturen, Aquatinta. „Als Besucher erhält man so viele unterschiedliche Interpretationen des Zeitgeschehens“, sagt Sonja Lechner. „Janka Zöller dokumentiert mit ihren Bildern, in denen immer ein Smartphone vorkommt, die unglaubliche Zäsur, die durch Social Media das Foto zur Ikone erhoben hat. Sebastian Maas dagegen bezieht sich auf das Zuvor.“ In seinen Collagen verbindet er Meisterwerke der Vergangenheit mit unserer Gegenwart. „Er vermengt eine kunsthistorische Tradition mit dem, was jetzt ist. Und zeigt, dass kein Künstler, und scheint sein Stil auch noch so neu, im luftleeren Raum schafft. Immer reagiert er – ob bewusst oder unbewusst – auf das, was er an Bildern aufgesogen hat.“

Warum baden die Mädels am Strand eigentlich nicht? Warum spielen sie nicht Federball oder bauen Sandburgen? Warum sind sie einzig mit der Inszenierung ihrer selbst beschäftigt? Das fragt man sich umso mehr, sieht man die Bilder in Kontrast zu denen von Sebastian Maas, die das festhalten, was auch nach Jahren noch Bestand hat. Was bleibt? Im besten Falle: die Erinnerung an magische Momente.

Die Vernissage
ist am 10. November auf www.dr-sonja-lechner.de. Die Werke sind ab 11. November in der Münchner Bank, Frauenplatz 2, zu sehen.

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