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Ihr Herz klopft für Musik: Ben Gebert und Nini Fabi sind seit ihrer Jugend ein Paar – und machen genauso lange zusammen Musik. Am 5. Oktober erscheint ihr neues Album „New Compassion“.

Münchner Band Haerts startet weltweit durch:

So klingt Freiheit

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Die Münchner Ben Gebert und Nini Fabi leben in New York mit ihrer Band Haerts den Traum vom Musikmachen. Am 5. Oktober erscheint ihr neues Album „New Compassion“.

Mai 2014, Brooklyn, New York. Ein Aufnahmestudio wie im Klischee: urgemütliches Sofa, halb volle Wasserflaschen, Verstärker, Instrumente, Gitarren-Plektren – und wo kommt dieser Plastikkreisel her? Hier leben Nini Fabi und Ben Gebert aus München den Traum. Den Traum von New York, vom Musikmachen, vom Bandleben. Die Sommerluft riecht trotz Sandwich- und Coca-Cola-Note vor allem nach einem: nach Freiheit.

„Musiker zu sein, in New York zu leben – stimmt, das wirkt wie eine sehr romantische Idee“, sagt Nini Fabi und ihr nachdenkliches Lächeln verrät, dass es ganz so einfach nicht ist. „Da gibt es die tägliche Realität, die mit viel, viel Arbeit verbunden ist. Ich bin sehr glücklich, diese Arbeit tun zu können. Aber es ist nicht einfach ein Traum, der wahr geworden ist, wir haben auch sehr hart gekämpft, dass es so ist, wie es ist.“

Deutschen Künstler beginnen ihre Karriere hier und erobern dann die Welt - Haerts machen es umgekehrt

Vor dem Kampf stand die Liebe. Sie hält bis heute. September 2018. Gerade sind sie in München, ein Stopp auf ihrer Promotion-Tour durch Europa, für ihr neues Album. Hier haben sie sich einst kennengelernt, damals im Schwimmteam, seitdem sind sie ein Paar. In ihrer bayerischen Heimatstadt hört man sie schon seit Jahren auf den Playlists der Geschäfte, die internationale Musik spielen. Und ab jetzt auch deutschlandweit im Radio. Die meisten deutschen Künstler beginnen ihre Karriere hier und erobern dann die Welt. Haerts machen es genau umgekehrt.

Ihr Bandname ist ein Spiel mit den englischen Wörtern „Heart“ und „Hertz“. Denn das Herz, das klopft in all ihren Songs mit, in höchster Frequenz. Treibender Indie-Pop – und darüber Fabis charakteristische Stimme, die keine Worte braucht, um Geschichten zu erzählen, die berühren. Weil sie noch dazu eine leidenschaftliche Texterin ist – ihre Kladde mit handschriftlichen Notizen immer dabei –, klingt jedes Lied wie ein Gedicht. Die 33-Jährigen sind Perfektionisten. Aber solche, die bei aller Perfektion nie den Zugang zu dem, was sie antreibt, verlieren. Was das ist? „Es sind diese Momente, in denen man auf der Bühne steht und die Verbindung zum Publikum spürt. Wenn uns etwas bewegt und daraus Musik entsteht. Wenn es gelingt, etwas zum Ausdruck zu bringen, was mit Worten allein nicht artikuliert werden kann. Ein süchtig machendes Gefühl, obwohl es nicht immer leicht ist. Aber die wichtigsten Dinge sind eben oft nicht leicht“, sagt Fabi.

Das haben sie selbst ausgerechnet nach ihren ersten großen Erfolgen gespürt. Das erste Album beim renommierten Label Columbia, ein Auftritt in Seth Meyers „Saturday Night Live Show“, Teil des Soundtracks in Filmen wie „Cake“ mit Jennifer Aniston oder Serien wie „Pretty little Liars“. Die „Elle“ feierte ihre Single „All the Days“ 2013 als das Lied des Sommers. Doch für die beiden, die stets bemüht sind, sich treu zu bleiben, fühlte es sich nicht mehr stimmig an. Deshalb wagten sie den Schritt heraus aus der Stadt. Sie zogen für eine Zeit nach Upstate New York, um auf dem Land ein neues Album zu schreiben und selbst zu produzieren.

Die Musik trägt die Liebe, die Liebe trägt die Musik

Am 5. Oktober kommt es heraus, der Titel: „New Compassion“. Die Single „Your Love“ ist einprägsamer Hit der Netflix-Serie „13 Reasons why“. „Das neue Album geht um uns und um die vergangenen Jahre“, erzählt Gebert. Lange haben die beiden öffentlich nicht thematisiert, dass sie ein Paar, seit 2011 verheiratet sind. Obwohl sie zuerst noch als Duo unterwegs waren, sich „Nini & Ben“ nannten. „Aber der Grund, Musik zu machen, war nie unsere Liebe, sondern der Respekt, den wir füreinander als Musiker hatten. Wir konnten schon immer gut miteinander schreiben, uns gegenseitig fordern. Benny als Songwriter, Pianist und Gitarrist und ich als Sängerin und Songwriterin“, sagt Fabi. Und ihre Liebe, die steckt ja in der Musik. Seit sie sich kennen, war sie im Mittelpunkt. „Für mich war die Musik immer eine Art, die Welt zu verstehen, zu verarbeiten – und ein Weg, dann etwas nach außen zu kommunizieren, in die Welt zu tragen“, sagt Fabi. „Ich kann mir nicht vorstellen, mit jemandem zusammen zu sein, der dieses Gefühl nicht kennt.“

In der Jugend seine große Liebe treffen und zusammenbleiben – noch so eine romantische Idee, die sie tatsächlich leben. Hilft ihnen ihre gemeinsame Leidenschaft über alle Höhen und Tiefen hinweg? Beide nicken. Und dann sagt Nini Fabi den schönen Satz: „Es gibt Zeiten, in denen die Musik die Liebe trägt und Zeiten, in denen die Liebe die Musik trägt.“

Zurück ins Jahr 2014. Langsam sinkt die Sonne in den East River, in den letzten Strahlen tanzen die Staubflocken im Probenraum. Der Duft nach Freiheit kribbelt noch immer in der Nase. Und wie würde das schmecken, dieses Leben, das sich so viele erhoffen, für das sie selbst jeden Morgen aufstehen? Nini und Ben schmunzeln. „Wie es schmecken würde? Es schmeckt jeden Tag anders. Es ist immer ein anderes Gericht – jeder Song, jedes Album, jede Show. Aber vielleicht so: Nach einer Kombination aus Abschiedsessen und erstem Date.“ Köstlich!

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