U2 und U7: Zugausfälle, Unterbrechungen und Verzögerungen

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Münchner Erstaufführung des Musicals „Grand Hotel“

München - Multitalent Hardy Rudolz choreographiert die Münchner Erstaufführung des Musicals „Grand Hotel“ am Gärtnerplatz. Für Schriftstellerin Vicki Baum bedeutete der Roman „Menschen im Hotel“ den internationalen Durchbruch.

Und der Oscar-gekrönte Film mit Greta Garbo gilt heute als Klassiker. Kein Wunder also, dass sich auch der Broadway der anrührenden Geschichte aus dem mondänen Berlin der Zwanzigerjahre nicht verschließen konnte und 1989 eine Musical-Version vom Stapel ließ, die morgen am Gärtnerplatztheater ihre Münchner Erstaufführung erlebt.

Bereits 1958 hatte sich das Duo Robert Wright und George Forrest am Stoff versucht. Doch wurde damals so viel verändert, dass man dem Stück jeden Charme austrieb und noch in den Voraufführungen scheiterte. Entmutigen ließ man sich dadurch allerdings nicht, war doch selbst Puccinis „Madama Butterfly“ in ihrer ersten Fassung einst kläglich untergegangen. Und so gab es drei Jahrzehnte später nochmals einen Versuch, für den nun Komponist Maury Yeston mit ins Boot geholt wurde - und den man allerdings nach der aktuellen Verfilmung seines Musicals „Nine“ hoffentlich wieder mehr auf der Rechnung hat.

Schon bei „Grand Hotel“ zahlte sich die Hartnäckigkeit des Broadway-Profis aus. Yeston ging zurück zu den Wurzeln der Story und machte den ehemaligen Flop durch seine Bearbeitung und einige neue Songs zum Hit. Fast drei Jahre lang lief das Stück in New York vor vollem Haus und legte unter anderem den Grundstein für die Karriere des späteren Ally-McBeal-Stars Jane Krakowski, die als Sekretärin Flämmchen über die Bühne fegte.

Dass „Grand Hotel“ mit etwas Glück auch in München zum Erfolg werden könnte, davon ist Hardy Rudolz fest überzeugt. Er ist nicht nur als finsterer Generaldirektor Preysing zu erleben, sondern präsentiert sich erstmals am Gärtnerplatz auch als Choreograph. Der vielseitige Künstler selbst sieht das als ganz natürliche Entwicklung. In Schubladen hat er sich nie gerne pressen lassen. Schon während des ersten Schauspiel-Engagements in Würzburg verstärkte er in seiner freien Zeit den Chor des dortigen Stadttheaters. Und das Tanzen? „Das hat für mich immer dazugehört. Im Musical muss man einfach alle drei Dinge können.“ Dies, obwohl es bei uns offenbar immer noch als Manko ausgelegt wird, wenn man sich nicht auf eine Sparte konzentriert. „Es gab Leute, die mich tatsächlich gefragt haben: ,Du machst Musical? Aber Du hast schon eine richtige Schauspielausbildung, oder?‘ Da weiß man doch nicht mehr, was man sagen soll.“

Gerade diese dreifache Begabung machte Hardy Rudolz zum idealen Kandidaten für die Erstaufführung von „Cats“, die 1986 den deutschen Musical-Boom ins Rollen brachte. Und auch bei der Hamburger Premiere von „Phantom der Oper“, wo er alternierend mit Peter Hofmann die Titelrolle verkörperte, konnte und wollte man nicht auf ihn verzichten. Absoluter Höhepunkt seiner Karriere war jedoch die Zeit in London, wo er mit dem Javert in „Les Misérables“ als einer der ersten Deutschen überhaupt eine Hauptrolle verkörperte. „Es hat zwar eine Weile gedauert, bis ,Herman the German‘ von allen akzeptiert wurde, aber ich habe dort echte Freunde fürs Leben gefunden, mit denen ich bis heute Kontakt habe.“

Eine andere künstlerische Heimat war für Hardy Rudolz lange das legendäre Ensemble am Theater des Westens, das in Berlin bis in die Neunzigerjahre hinein den Musicalhorizont erweiterte. Die Erstaufführung von „Grand Hotel“ hat Rudolz damals aber nur als Zuschauer erlebt. Weshalb es ihn umso mehr freut, dass sich jetzt eine zweite Chance bietet. „Natürlich hätte ich gerne den Baron gespielt. Aber für den Liebhaber bin ich inzwischen wohl etwas zu alt. Außerdem bin ich mit der Choreographie schon gut ausgelastet. Im Gegensatz zur eher nüchternen Originalproduktion in New York und Berlin haben Regisseur Pavel Fieber und ich nämlich einige Szenen ganz schön aufgeblasen. Da ist jetzt richtig was los.“

Voll des Lobes ist Rudolz vor allem für die jungen Darsteller, die man aus Münchens Musicalschulen rekrutiert hat und die nun als tanzendes Ensemble die Bühne bevölkern. „Das ist kein stramm einstudiertes Ballett, das sind lauter eigenständige Charaktere. Eben genau jene Menschen im Hotel, die der Roman beschreibt. Und wie die von der ersten Minute an mitgegangen sind, war eine Freude. Obwohl viele die Standardtänze, die ich verlange, erst von Grund auf lernen mussten.“

Im Vergleich zu den anderen Münchner Rollen von Hardy Rudolz in „La cage aux folles“ oder „My Fair Lady“ geht es diesmal zwar deutlich ernster zu. Doch sind es gerade die Extreme, die das Stück für Rudolz so interessant machen. „Es gibt natürlich sehr viele traurige Momente, aber da kommt dann eben der Tanz ins Spiel. Und der sagt uns: Egal, was kommt, das Leben geht weiter.“

Tobias Hell

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