Münchner Filmfest - Realität als Schwerpunkt

München - Das Münchner Filmfest bietet Kino-Fans vom 25. Juni bis 3. Juli mehr als 200 Filme aus der ganzen Welt. Bei der Vorstellung des Programms wird klar: Den Regisseuren geht es um Realismus. Hier ein Überblick.

Es geht um starke Gefühle, ergreifende Schicksale und wütende Regisseure: Vom 25. Juni bis 3. Juli zeigt das Münchner Filmfest mehr als 200 Filme aus der ganzen Welt. Werke, „die berühren, neue Erfahrungen bringen und lange nachwirken“, sagte Festivalleiter Andreas Ströhl gestern bei der Vorstellung des Programms.

Sowohl bei den internationalen als auch bei den deutschen Filmen haben die Verantwortlichen, die das Programm zusammengestellt haben, einen Trend ausgemacht: Den Regisseuren geht es um Realismus. Sie wollen die Welt in ihren Filmen so authentisch wie möglich darstellen, also hart an der Realität sein.

In der Reihe Neue Deutsche Kinofilme läuft zum Beispiel der Beitrag „Unter dir die Stadt“. Hier geht es um gefühlskalte Topmanager, die sich nur selbst spüren können, wenn sie das Elend der anderen sehen. „Der letzte Angestellte“ dreht sich um einen arbeitslosen Juristen, der eingestellt wird, um andere zu entlassen, und selbst im Wahn endet.

Im Internationalen Programm werden Schicksale wie das eines US-Soldaten gezeigt, der beim Einsatz in Afghanistan verschwindet („Brothers“). In „Russian Lessons“ rechnet Andrej Nekrasov mit den „Medienlügen“ in Wladimir Putins Russland ab.

Neben politischen Themen gibt es auch wieder viele Filme, die sich mit Musik beschäftigen. „Wahrscheinlich hat das was mit uns zu tun“, sagte Ströhl mit einem Schmunzeln und meint damit die Vorlieben seines Teams, das die Filme ausgesucht hat. Es werden Musikbeiträge über die Rolling Stones („Stones in Exile“) und über Kent Nagano („Montréal Symphonie“) zu sehen sein. Mit als einer der Höhepunkte gilt dieses Jahr das Porträt eines burmesischen Komikers, der wegen politischer Satire zu 35 Jahren Haft verurteilt wurde. Der Film wurde vom deutschen Comedian Michael Mittermeier koproduziert. Er wird den Streifen mit Regisseur Rex Bloomstein bei der Weltpremiere auf dem Filmfest persönlich vorstellen.

Neben weiteren Filmen aus Frankreich, USA, Lateinamerika und Fernost bildet Indien einen Schwerpunkt des Festivals. „Es sind aber keine Bollywoodfilme“, betonte Ströhl. Mit einer Ausnahme: „Luck By Chance“ setzt sich mit diesem Genre auf komödiantische Weise auseinander. Die Retrospektive des Festivals umfasst das Gesamtwerk des österreichischen Filmemachers Ulrich Seidl. Ein „Special“ widmet sich den prägenden Regisseuren des Neuen Deutschen Films wie Rainer Werner Fassbinder. Sein Werk „Ich will doch nur, dass ihr mich liebt“ wird als Uraufführung in einer restaurierten Fassung mit besserer Bildqualität gezeigt.

Die Preisträger des CineMerit Award, einem von Audi gesponserten Ehrenpreis, sind in diesem Jahr der dänische Schauspieler Mads Mikkelsen und der iranische Regisseur Abbas Kiarostami.

Mieke Meimbresse

Rubriklistenbild: © dpa

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