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Durfte am „Babylon Berlin“-Set fotografieren, was immer er mochte: Bilder-Künstler Joachim Gern.

„Babylon Berlin“-Ausstellung in München:

Zurück in die Zwanziger

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Die Münchner Galerie Ingo Seufert zeigt Fotokunst vom Set der Fernsehserie „Babylon Berlin“.

200 Statisten wuseln durch die Kulisse, doch das Fernsehpublikum sieht nur Hauptdarsteller Volker Bruch; alle anderen unscharf im Hintergrund. Es ist der Moment für Joachim Gern. Er stellt seine Fotokamera ein – und einen der vielen Unbekannten in den Fokus. 15 Minuten Ruhm. Die soll jeder Mensch laut Pop-Art-Ikone Andy Warhol einmal im Leben genießen dürfen. Auf den Bildern des Fotokünstlers Gern bekommen sie auch diejenigen, die in der Welt des Films sonst nicht gesehen werden.

Von morgen an zeigt die Münchner Galerie Seufert 38 der Fine Art Prints, die der Berliner während der Dreharbeiten zu der TV-Serie „Babylon Berlin“ gemacht hat. Nicht als Standfotograf, sondern als unabhängiger Beobachter. Von Mai bis Dezember 2016 hatte er Narrenfreiheit am Set. „Ich glaube, manche haben sich gefragt, was der komische Vogel da immer mit seiner Kamera macht“, erzählt Gern lachend.

Was er machte? Starke Porträts der Hauptdarsteller Liv Lisa Fries, Peter Kurth, Lars Eidinger und Co.; wie historische Originalaufnahmen anmutende Bilder der Straßenzüge, Häuser, Wohnungen, die in der Serie vorkommen; Stillleben der aufwendigen Ausstattung. Ein Tisch mit nicht beendeter Brotzeit zum Beispiel, Zeitung aus den Zwanzigern neben dem Teller. „Schauen Sie sich an, wie detailgenau die Ausstatter gearbeitet haben! Und all das verschwindet einfach, wenn die Szene abgedreht ist“, erzählt Gern. Er ist jetzt Experte für die Welt des Films, hat auch den Dreh der dritten Staffel wieder fotografisch begleitet. Weil er das, was da so kosten-, personal- und zeitintensiv inszeniert wurde, auch über den Drehzeitraum hinaus bewahren möchte? „Wertschätzen. Erinnern Sie sich an die Szene, in der im Keller des teuren Restaurants Fische zerschlagen werden? Die wurden extra rangeschafft für diese eine Sequenz. Oder hier“ – Gern deutet auf ein Foto von Petra Marie Cammin in der Rolle der „Mutti“, einer Prostituierten der derben Art. „Sie hatte im Prinzip nur einen halben Drehtag, doch für diese kurze Szene wurde ihr eine komplette Wohnung eingerichtet, in der sie einen ganzen Spielfilm drehen könnten. Davon erzählen meine Bilder.“

Christian Friedel als Polizeifotograf Gräf.

Die rund 100 Drehtage sind eng getaktet, alles muss schnell gehen. Wie haben die Schauspieler auf seine Fotobitten in dem Gewusel reagiert? „Die allermeisten gelassen. Viele kannte ich schon von vorherigen Projekten. Da war ein Grundvertrauen da, durch das sie sich mir gegenüber geöffnet haben.“ Christian Friedel beispielsweise begrüßte ihn jedes Mal mit den hübschen Worten: „Ah, mein Lieblingsfotograf!“ – was er natürlich mit „Ah, mein Lieblingsschauspieler!“ erwiderte.

Nur zwei Mal wurde der Dreh extra für Gern unterbrochen. Eines der dabei entstandenen Bilder hängt nun in der Galerie. Die Familie von Hauptfigur Charlotte (Liv Lisa Fries) im Porträt. Eine Aufnahme, wie sie im Film nicht vorkommt. Genau das könnten die Fotos – die Geschichte weitererzählen. „Sie setzen da an, wo der Film aufhört“, sagt Galerist Ingo Seufert. Deshalb wollte er, bekennender Fan von „Babylon Berlin“, die Bilder unbedingt bei sich ausstellen. „Wenn ich so etwas sehe, werde ich zum Tiger. Die muss ich dann haben“, sagt er grinsend. Weil sie genau zu dem Anspruch seiner Galerie passten: junge, unverbrauchte Fotografie zu zeigen, die staunen macht – zu haben für 500 bis 2500 Euro pro Bild. Zeitreise in die Goldenen Zwanziger inklusive.

Bis 20. Juli
Mo.-Fr. 14-19 Uhr, Sa. 11-15 Uhr; Schleißheimer Straße 44.

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