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Sarah Kronsbein, Leiterin der Galerie, vor "Toxic Mary" (auf Karton).

Ausstellungseröffnung

Banksy in München: Gegen das Böse ansprühen

  • Katja Kraft
    vonKatja Kraft
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München - Die Galerie Kronsbein zeigt die erste umfangreiche Präsentation von Banksy-Werken in Deutschland.

Superhelden mag jeder. Wer ist schon für die Bösen? Eben. Bestimmt funktioniert das Phänomen Banksy deshalb so gut. Er kann mit jeder Figur aus dem Marvel-Universum mithalten.

Aussehen, bürgerlicher Name, Wohnort – unbekannt. In einer Welt, in der sogar Wellensittiche von ihren Besitzern eigene Facebook-Auftritte bekommen, ist es ihm gelungen, anonym zu bleiben. Seine Superkraft: die Schablonenkunst. Banksy schlägt zu, wenn keiner hinschaut. Und hinterlässt, was jeder sehen möchte: den nächsten gesellschaftskritischen Kommentar, eine weitere witzige Verhohnepipelung menschlicher Eigenarten, ein erneutes politisches Statement. Das alles so plakativ, dass es jeder versteht. Und irgendwie auch jeder mag. Wie macht er das?

Sarah Kronsbein lässt ihren Blick durch den Ausstellungsraum der väterlichen Galerie schweifen. Hier hängt ab heute die Antwort. In der ersten umfangreichen Präsentation in Deutschland zeigt die Schau „Banksy – King of Urban Art“ 45 echte Banksys. Mal schwarz-weiß, mal Pop-Art-bunt. Im Zentrum stets bekannte Symbole. „Ich glaube, hier liegt das Geheimnis“, sagt die Galerieleiterin. „Er nutzt vertraute Motive, mit denen man etwas Positives verbindet. Das ist ein Öffner, der den Betrachter sofort anspricht.“ Da lässt man sich die kritische Botschaft gefallen.

Den erhobenen Zeigefinger will niemand sehen. Banksy formt ihn zu einem Herz, um ihn im zweiten Schritt dann doch auszustrecken. „Napalm“ ist ein Beispiel dafür. Darauf zu sehen: Ronald McDonald und – wie süß! – Mickey Mouse, die – wie schrecklich! – das nackte Mädchen an den Händen halten, dessen Foto als Symbol für den Vietnamkrieg um die Welt ging. Die USA, stellvertretend für die westliche Welt, bekommen immer wieder einen drauf von Banksy, dem Friedenskämpfer.

Mittlerweile spielen von ihm gefertigte Auftragsarbeiten Beträge in schwindelerregenden Höhen ein. Das, was der Künstler verdient, nutzt er für den guten Zweck, für Reisen in den Gazastreifen etwa, wo er ebenfalls seine mit der Dose gesprühten Spuren der Liebe hinterließ. Die Bilder, die nun in München zu sehen sind, werden allerdings nicht verkauft. Galeriebesitzer Dirk Kronsbein und seine Tochter stellen die private Sammlung aus, um ihre Faszination für den Meister der Urban Art weiterzugeben. Wobei Sarah Kronsbein bezweifelt, dass sich hinter Banksy wirklich nur ein Mann verbirgt. Sie vermutet, dass er mittlerweile ein ganzes Team hinter sich weiß. „Und bestimmt auch Frauen. Die Herzen, die Farben – da stecken sicher nicht nur Männer dahinter“, sagt sie lächelnd. Gemeinsam ist man stark. Wie das eben so ist, in der Superhelden-Welt.

Bis 10. September

Galerie Kronsbein, Wurzererstraße 12, Di.–Fr., 11–18 Uhr, Sa. 11–15 Uhr.

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