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Max Wagner soll 2017 Geschäftsführer der Gasteig München GmbH werden, wie der Münchner Merkur erfahren hat. 

Deutschlands größtes Kulturzentrum

Münchner Gasteig bekommt neuen Chef

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München - Der Münchner Gasteig, Deutschlands größtes Kulturzentrum, bekommt einen neuen Chef. Max Wagner löst Brigitte von Welser ab. Das hat unsere Zeitung erfahren.

Mit Umbauten kennt er sich bestens aus. In diesen Monaten hat Max Wagner als Geschäftsführender Direktor des Gärtnerplatztheaters alle Hände voll zu tun, um die Renovierung von Münchens zweitem Opernhaus zu koordinieren. Vielleicht auch aus diesem Grund kommt er der Stadt München und ihrer Gasteig-GmbH gerade recht: Nach Informationen unserer Zeitung soll Wagner im März 2017 an die Spitze dieser Organisation rücken. Er würde als Gasteig-Boss Chef einer der größten internationalen Kulturinstitutionen. Und die soll bekanntlich ab 2020 umfassend saniert werden. Offiziell bestätigt werden soll die Personalie offenbar heute.

Für das Gärtnerplatztheater wäre dieser Wechsel ein enormer Aderlass. Wagner, ein gebürtiger Münchner, gilt dort als ruhiger, höchst effektiver Steuermann im Hintergrund. Seit November 2012 hält er dem Intendanten Josef E. Köpplinger als eine Art Finanz- und Innenminister den Rücken frei, gerade was die derzeitige, komplizierte Sanierung und das damit verbundene Ausweichen auf Ersatzspielstätten betrifft.

All das kommt Wagner in seiner neuen Aufgabe am Gasteig zugute – nicht nur für die Münchner Philharmoniker, auch für die Bibliothek und die Musikhochschule muss demnächst ein Exil gefunden werden.

Max Wagner studierte in München und Paris Jura, anschließend in Dresden Gesang. Nach seinen Ausbildungen führte er ein berufliches Doppelleben: Neben seiner Tätigkeit als Rechtsanwalt trat er als Solist in Opernaufführungen, Liederabenden und Konzerten auf. Seinen ersten Posten als Kulturmanager trat er in Stuttgart an, von 2005 bis 2011 war er Geschäftsführender Intendant des dortigen Kammerorchesters. Wenig überraschend also, dass man Wagner als Besucher nicht nur in den Gärtnerplatz-Vorstellungen antrifft, sondern immer wieder auch in den hiesigen Konzertsälen und Theatern – ein Kenner der Münchner Kulturszene also.

Auch das könnte ihn dafür qualifiziert haben, die Nachfolge von Brigitte von Welser anzutreten. Die steht dem Kulturzentrum seit 16 Jahren vor – und das mit großer Überzeugung. „Es war eine gute Idee, nicht nur ein Konzerthaus zu bauen, sondern ein Kulturzentrum“, hat sie einmal über ihren Gasteig gesagt. Viele der Einrichtungen, die sich heute auf dem 23 000-Quadratmeter-Areal des ehemaligen Gasteig-Spitals tummeln, seien zuvor „miserabel untergebracht“ gewesen, sagte sie.

In der Stadt hat Welser sich den Ruf erworben, stets selbstbewusst für eine umfangreiche Gasteig-Sanierung gekämpft zu haben. Ob der Stadtrat bereit ist für eine große Gasteig-Sanierung – das ist nicht sicher. Im Zuge der aktuellen Haushaltskrise mag manchner in der Stadt-Politik bei der Kultur sparen. Auf Max Wagner wartet auch viel Lobby-Arbeit für den Gasteig im Rathaus – und, wenn saniert wird, eine riesige logistische Aufgabe.

Der Gasteig: Geschichte

Eröffnet 1985 hat sich der Gasteig in seiner 30-jährigen Geschichte zu einem Zentrum des kulturellen Lebens in München entwickelt. Jedes Jahr finden in dem Komplex über 1800 Kultur- und Bildungsveranstaltungen statt. Und die kommen bei den Münchnern gut an: Über 6000 Besucher hat der Gasteig jeden Tag. Fest angesiedelt sind im Gasteig unter anderem die Münchner Volkshochschule und die Stadtbibliothek. Auch die Hochschule für Musik und Theater nutzt die Räume des Kulturinstituts, das auch den Münchner Philharmonikern eine Heimat bietet. Ihren Namen verdankt die Kultureinrichtung übrigens ihrer Lage: Gasteig leitet sich ab von am "gachen Steig", und bezieht sich auf das rechte Hochufer der Isar.

Bilder: Max Wagner als Gasteig-Chef vorgestellt

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