Ausstellung: Münchner G’schichten

München - Ein Subjektiver Blick auf die Heimat: Elf Studenten beleuchten die Landeshauptstadt bis Mai in einer temporären Ausstellung im Stadtmusem auf ganz eigene Art: 13 Interventionen, Eingriffe also, finden sich zwischen all den traditionellen Exponaten.

Nein, im Stadtmuseum München hat nicht etwa eine Dame ihre Stricksachen vergessen. Der wollene Schal, der sich um den Basilisken schlingt, der im Erdgeschoss mit dem Putto von der Mariensäule kämpft, gehört zu der temporären Ausstellung „Mein München“. Sie wurde gestern eröffnet.

„Mein München“ ist die Sammlung von Kunstwerken, gestaltet von elf Studenten der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), Lehrstuhl für Volkskunde/Europäische Ethnologie, unter der Leitung von Professor Johannes Moser. In Kooperation mit dem Stadtmuseum präsentieren die jungen Forscher so ihre persönliche Sicht auf München. 13 Interventionen verteilen sich über drei Stockwerke auf die Dauerausstellung „Typisch München!“.

Ja, es ist eine Intervention, wenn ein pinkfarbener Strickpanzer zwischen den Ritterrüstungen liegt oder ein abgebrochenes Schwert mit grauer Wolle verlängert wird. Es ist aber auch Kunst, denn wie Moser erklärt, gehöre Stricken mittlerweile zum Genre der Street Art, Kunst, die man auf der Straße findet. So ist das „Handwerk“ unserer Großmütter eine besondere Art von Kultur. Auch dürfen Graffiti da nicht fehlen. Den Sprayern Z-Rok und Flin kann man kommende Woche noch dabei über die Schulter schauen, wie sie nicht nur die Wände im Museum besprühen.

„Mein München“ ist Kunst aus dem Blickwinkel der jüngeren Generation, zukunftsorientiert, was aber nicht bedeutet, dass es nicht in das Stadtmuseum passt. Im Gegenteil, denn hier wird nicht nur interveniert, sondern auch integriert. Das Projekt „Schall und Raum“ beispielsweise erweitert das große Modell Münchens im Eingangsbereich um viele Geräusche. Über Kopfhörer kann man sich auf einen Audio-Stadtrundgang machen. Ein Lichtspot zeigt an, wo man sich gerade befindet, ob bei der Blaskapelle am Chinesischen Turm oder beim Glockenspiel auf dem Marienplatz.

Aber es gibt noch viele Aspekte mehr. Die Isar wird nicht nur idyllisch und als Austragungsort von Floßfahrten gezeigt. Ein Bade- und Grilltag, wie ihn tausende Münchner im Sommer oft genießen, wird in einem kleinen Film gezeigt – aber auch das Müllproblem wird nicht außer Acht gelassen. Als Stadtchronik der vergangenen 30 Jahre fungiert ein Klingelbrett. Auf Knopfdruck erzählen verschiedene Menschen ihre ganz persönlichen „Münchner G’schichten“.

Gut platziert zwischen Flügeln des Friedensengels und einem Bild aus dem Ersten Weltkrieg sind auch die Exponate „Nicht in unserem Namen“. Die Studentin hatte selbst an den Demonstrationen gegen die Münchner Sicherheitskonferenz teilgenommen und eindrucksvolle Ausstellungsstücke gesammelt. Höhepunkt ihrer Intervention ist das „Hochzeitspaar des Jahres“, bei dem der Tod im Brautkleid ein Maschinengewehr heiratet.

Die sogenannte Glokalisierung, Mischung aus Globalisierung und Lokalismus, wird durch „Kickflip unterm Maibaum“ illustriert: Skateboards anstelle von Zunfttaferln schmücken den traditionellen Baum.

„Die schöne Münchnerin“ mal anders: Mit „Rosa München“ wird auf die homosexuelle Bewegung in München hingewiesen. Vorgestellt wird der Münchner Löwenclub, der erste Schwulenclub. Eine Schärpe in Regenbogenfarben an der Julia-Statue am Alten Rathaus versinnbildlicht die lesbische Szene in München.

Auch Moser und Ursula Eymold vom Stadtmuseum haben ihren Teil zur Präsentation beigetragen. Und so tanzen zwischen Schäfflern und Moriskentänzern junge Menschen auf Leinwänden. „Live on stage“ zeigt das Münchner Nachtleben, wie es noch in den 1980er-Jahren undenkbar gewesen wäre.

Andrea Steiler

Bis 12. Mai 2013

St.-Jakobs-Platz 1, Di.-So. 10- 18 Uhr, Telefonnummer 089/ 233 223 70; Katalog (Utz Verlag): 15 Euro.

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