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Ed Ruscha

Münchner Haus zeigt "Ed Ruscha - 50 Jahre Malerei"

München - Das Müncher Haus zeigt noch bis Mai eine Ausstellung mit dem Titel "Ed Ruscha - 50 Jahre Malerei".

E. HA RUSC – und am C hängt ein verhuschter Pfeil, der sich nach oben schwingt. 1959 entstand dieses Ölgemälde von Ed Ruscha, der mit dem Buchstaben-Selbstporträt valentinesken Humor bewies.Im Münchner Haus der Kunst beweist er darüber hinaus, dass er ein exzellenter Maler ist. Es richtet ihm und seinen Gemälden – ohne Grafik, Foto, Zeichnung – eine umfassende Retrospektive auf das Œuvre von 1958 bis 2007 aus (Organisation: Hayward Gallery, London). Immer wieder verblüfft er uns, und immer wieder tratzt er uns auf eine still verschmitzte Art. Im ersten Saal wird sofort klar: Der Künstler, der 1937 in Nebraska geboren wurde und in Los Angeles lebt, hatte früh das Herzstück seines Schaffens gefunden: Buchstaben, die sich zum Wort fügen. Etwa zu Logos/Markenzeichen wie „Boss“ oder „20th Century Fox“ oder Namen aus Comics wie „Annie“ (aus „Little Orphan Annie“). Aber auch zu so vieldeutigen Kombinationen wie „War“ oben auf der Bildfläche und darunter „Surplus“ – „Krieg“ und „Überschuss“. Beides in fröhlichem Gelb auf leuchtendem Blau. Da ist es wieder, das Hinterkünftige bei Ruscha. Naturgemäß hat sich ihm mit der Wahl von Buchstaben als Motiv ein weites optisches Feld eröffnet: ob die weich gerundete „Annie“ in Rot auf Gelb auf einer Fläche von Blau oder „20th Century Fox“ (Mattrot, Sonnenblumengelb, Nachtblau), die als verwegen dynamischer Baukörper geradewegs ins Bild hineinzischt.

Außerdem reflektiert der junge Ruscha, das zeigt dieser Saal wunderbar, alles, was er draufhat an Malerei. Mühelos springt er von einer locker hingeworfenen gestischen Malerei zu präzisen Farb-Feldern oder zum strikten Konstruktivismus. Er knetet mal die Farbe, mal trägt er sie hauchfein auf. Erst in einigen Räumen weiter hinten sieht man, dass er genauso gut das Trompe l’œil, also das Augentratzen, beherrscht: Da ist die Bibel zum Angreifen realistisch – aber daneben wird sie durchsichtig. Da werden Buchstaben-Teile zu Stoffbahnen, die von Schraubzwingen gerafft werden. Oder Stangen biegen ein Gemälde derart, dass sich der Bildrand nach außen wölbt. Ed Ruscha genießt diese schöpferischen Spiele, die nicht nur viel von seinem Wesen erzählen – er hat sogar mit Mal-Materialien von Eidotter bis Vaseline experimentiert –, sondern generell von der Lust der Menschheit an den unerschöpflichen Möglichkeiten des Bildes – und des Wortes.

Wort und Bild gehören Jedermann

Der US-Amerikaner greift mit heiterem Ernst, mit lockerer Weisheit diese Größen auf, die den Menschen erst zum Menschen machen. Und er erklärt in seinen Werken zugleich – weil sie meist banale Objekte aus unserem Alltag benutzen –, dass Wort und Bild nicht allein dem Künstler, dem Intellektuellen gehören, sie gehören jedermann: dem Kinogänger und dem Philosophen, dem Autofahrer und dem Moralisten. Ruscha nimmt Themen aus deren Welten heraus, doch lässt er es sich nicht entgehen, die Leute ein bissl zu ärgern: Tankstellen gehen in Flammen auf. Die Hollywood-Lettern stehen klein und verschreckt im Farbrausch des Sonnenuntergangs, verräterisch „The Back of Hollywood“ genannt. Und über „Sin“ („Sünde“) erscheint eine verheißungsvolle Strahlengloriole. Wer so sicher in seinem Handwerk ist, kann auf Knalleffekte verzichten – und auf die geliebten Worte.

Die sogenannten Silhouetten-Bilder bleiben in Schwarz-Weiß-Grau-Abstufungen, und alle Umrisse sind diffus. Visuelle Symbole des USA-Mythos’, die vor allem der Film schuf, tauchen im bedeutungsschwangeren Dämmern auf: die Windjammer, der Treck nach Westen, der heulende Kojote oder die bescheidenen Farmhäuser. Diese Stereotypen sind so klischeebeladen, dass Ruscha, so filmexpressionistisch edel er sie inszeniert, ihnen (fast) kein Wort gönnt. Weiße Leerstellen-Balken markieren stattdessen ihre Position. Der Vergänglichkeit ist Ed Ruscha immer wieder auf der Spur, etwa in dem Zifferblatt-Gemälde. Die beiden jüngsten Werke in der Schau, „Azteca“ und „Azteca in Decline“ (2007), werden noch deutlicher. Das mexikanische Wandgemälde, das er „kopiert“ hat – ein abstraktes Strahlen-Gebilde –, ist im zweiten Bild schlapp wie ein altes Zirkuszelt. Wieder Ernst, Ironie – und schöne Bilder.

Von Simone Dattenberger

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