Münchner Institution: Porträt zum 80. von Georg Hörtnagel

- "Nach wie vor arbeite ich jeden Tag, doch ich schaff' mich nicht zu Tode. Aber es ist nicht nur die organisatorische Tätigkeit tagsüber im Büro, sondern nach den Konzerten muss ich ja dann immer meine Herrschaften Solisten und Dirigenten betreuen." So saß Georg Hörtnagel, Chef der Münchner Konzertdirektion nach dem Konzert von Mauricio Pollini im Herkulessaal mit dem Starpianisten und ein paar Freunden bis morgens um zwei in einem italienischen Restaurant zusammen und feierte seinen heutigen 80. Geburtstag ein wenig vor.

Vom Bauernbub zum internationalen Musikagenten

"Das ist natürlich oft schön, nicht nur weil man freundschaftlich zusammensitzt, sondern weil man auch über zukünftige Programme und Pläne spricht; und solange es mich gibt, wird Pollini jedes Jahr bei mir spielen", lacht der Jubilar. Der Starpianist und Georg Hörtnagel kennen sich mittlerweile über dreißig Jahre. Zwischen beiden besteht ein sehr persönlicher Kontakt.

Auch mit dem Pianisten Arturo Benedetti Michelangeli verband ihn eine enge Freundschaft, und Martha Argerich gehört bis heute zu seinen Künstlerfreunden. Genau das ist es, worauf es Hörtnagel in seiner langen Karriere als Konzertveranstalter immer wieder ankam. Viele Künstler, die Agenten eher zurückhaltend gegenüberstehen, schätzen den studierten Kontrabassisten auch als Musiker. "Ich bin in der Branche eigentlich ein Outsider, weil ich bis heute Musiker geblieben bin."

In München geborenen und im Allgäu zwischen Kuhstall, Viehweiden und Orgelempore als Bauernbub aufgewachsen, war der Vater mit dem Berufswunsch des jungen Georg überhaupt nicht einverstanden, doch der widersetzte sich, brannte mit 18 Jahren durch. Ludwig Thoma hätte daraus eine schöne Bauerngeschichte gemacht, so Hörtnagel. Der Kontrabass wurde zu seinem Schicksalsinstrument. Wegen seiner "Bauernpratzen" empfahlen ihm die Professoren das sperrige und unpopuläre Instrument.

Das Studium verdiente er sich mit Tanz- und Jazzmusik. Anschließend wurde er als Bassist mit 21 Jahren das jüngste Mitglied im Bayerischen Staatsorchester, avancierte dort schnell zum Ersten Bassisten, bekam eine Lehrstelle an der Hochschule.

Wäre nicht eine Handerkrankung dazwischen gekommen, Hörtnagel wäre wohl geblieben. Doch er musste als Vater von drei kleinen Kindern schnell umdenken und baute aus dem Nichts heraus eine weltweit renommierte Konzertagentur auf. Anfangs musste er viel Lehrgeld zahlen, weil er kein Kaufmann war.

Ohne seine erste Frau, die hart mit anpackte - vor 27 Jahren starb sie -, hätte er diese zweite Karriere nicht geschafft, bekennt er. Es sieht so aus, dass die Agentur in der Familie weitergeführt wird, aber Georg Hörtnagel bleibt, so lange es geht. Er hat immer versucht, ein hohes Niveau zu halten; er hat vor allem auch junge Musiker gefördert und mit Künstlern wie Sviatoslav Richter, Mstislav Rostropowitsch, Gidon Kremer, Natalia Gutman, Oleg Kagan oder dem Moskauer Kammerorchester viel für den deutsch-russischen Musikaustausch getan.

In der TV-Reihe "Lebenslinien" des BR, heute,12.03.2007, 19.30 Uhr, ist das Porträt "Der Mann mit dem Kontrabass" zu sehen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Fans fassungslos: Jamie-Lee hat eine Mitteilung, die alles verändern wird
Sie wurde Letzte beim ESC 2016. Doch trotzdem machte sie weiter. Doch jetzt sind die Fans fassungslos: Jamie-Lee hat eine Mitteilung, die alles verändern wird.
Fans fassungslos: Jamie-Lee hat eine Mitteilung, die alles verändern wird
Maler Karl Otto Götz ist tot
Er galt als Pionier der abstrakten Kunst der Nachkriegszeit: Karl Götz. Der Maler ist im Alter von 103 Jahren gestorben.
Maler Karl Otto Götz ist tot
Zum Tod von Jerry Lewis: Amerikas trauriger Clown
Zeit seines Lebens hat Jerry Lewis die Menschen zum Lachen gebracht. Diese Fähigkeit schien ihm angeboren zu sein. Dabei durchlebt auch der Komiker schwarze Stunden.
Zum Tod von Jerry Lewis: Amerikas trauriger Clown
Albträume im La-Le-Lulu-Land
Die griechische Filmemacherin Athina Rachel Tsangari hat zum ersten Mal am Theater gearbeitet und für die Salzburger Festspiele in Hallein Frank Wedekinds „Lulu“ …
Albträume im La-Le-Lulu-Land

Kommentare