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Gut gelaunt in ihrem Lieblingscafé im Münchner Gärtnerplatzviertel: Constanze Lindner.

Interview

Constanze Lindner: „In manchen Dingen bin ich schüchtern“

München - Die Münchner Kabarettistin Constanze Lindner über ihr neues Programm "Jetzt erst mal für immer".

Sie ist ein Energiebündel und eine waschechte Münchnerin: Constanze Lindner ist die neue Gastgeberin der Sendung „Vereinsheim Schwabing“ im Bayerischen Fernsehen (siehe Kasten). Sie tritt zudem in Musicals auf, spielt Theater und hat gerade ihr zweites Solo-Kabarettprogramm „Jetzt erst mal für immer“ fertiggestellt. Wir trafen die quirlige Kabarettistin in ihrem Lieblingscafé Pini im Gärtnerplatzviertel.

Haben Sie bei Ihren vielen Projekten nicht manchmal Angst, sich zu verzetteln?

Ich habe zwar schon noch diese Leichtigkeit vom Anfang, als ich mir nie Gedanken gemacht habe, was kommt. Aber inzwischen ist die Arbeit doch zum Beruf geworden – und da ist es nicht gut, wenn man 16 offene Baustellen hat.

Ihr Schwerpunkt liegt jetzt beim Solo-Kabarett?

Es hat eine Weile gedauert, mich zu entscheiden. Ich bin eigentlich ein Ensembletierchen. Alle sagen immer: „Ja, die Constanze ist super, immer auf die zwölf!“ Aber ich bin in manchen Dingen tatsächlich schüchtern. Meine Figuren sind es aber nicht. Ich stehe nicht alleine auf der Bühne: Da ist die Oma, die Cordula, all die Figuren, die mich seit Jahren begleiten.

Waren Sie bereits als Kind derart bühnenaffin und beredt?

Sie fragen nach der Rampensauqualität? (Lacht.) Klar. Ich bin ein Scheidungskind. Ich war recht frech und habe immer eine große Klappe gehabt, war auch immer der Klassenclown. Wahrscheinlich war es meine Art, die Situation mit der Scheidung zu überspielen. Am Anfang wollte ich Schauspielerin werden, dann kam die Schlagerphase (als Hilde Gard; Anm. d. Red.). Ich hatte schon lustige Jobs. Einmal saß ich acht Stunden als Meerjungfrau auf einem Tisch und habe „Blubb blubb“ gesagt, während um mich herum Leute Austern schlürften.

Sie waren doch auch beim Varieté?

Ja, beim Varieté Spectaculum in der Drehleier. Dort habe ich den Christian Springer kennengelernt, der hat mich dem Helmut Schleich vorgestellt. Da haben sich ein paar Türen geöffnet.

Helmut Schleich macht wie Sie Typenkabarett. Schielt man da auch mal rüber zum Programm des Kollegen?

Nee. Ich denke, jeder macht einfach das, was er am besten kann. Es hat sich halt bei mir herausgestellt, dass ich sehr vielseitig bin im Umsetzen von Figuren.

Wie entstehen diese?

Die Cordula zum Beispiel ist eine ganz liebe Freundin von mir geworden. Die geht eigentlich auf einen ehemaligen Mitarbeiter von mir in einer Boutique zurück. Der war schwul und hatte Liebeskummer. Ganz schrecklich. Ich habe mir eine Brille besorgt und künstliche Zähne und habe Kundin gespielt, um ihn aufzuheitern. So wurde Cordula geboren.

Erschrecken Sie, wenn Sie sehen, wie viel von Ihnen in einer Figur steckt?

Ja, aber ich würde es nie zugeben. (Lacht.)  Es ist auch so, dass die Figuren auf der Bühne ein Eigenleben entwickeln. Da will dann die Oma gar nicht von der Bühne runter. Da denke ich manchmal als Constanze: „Jetzt ist genug, jetzt muss die von der Bühne.“ Das ist schon ein wenig schizophren.

Sie beweisen auch Mut zur Hässlichkeit.

Die Cordula sieht nicht, dass sie für viele schrecklich aussieht. Sie trägt eine Mütze, weil man das jetzt so hat als Erkennungszeichen.

Sind diese Figuren Teil des neuen Programms?

Ja. Einige haben sich ein wenig verändert. Die Wally ist eine Fee, die Marion ist eine Fee mit einem Dreiwünsche- Staatsexamen und zuständig für die Region Oberbayern.

Ohne zu viel zu verraten: Worum geht es dabei?

Es geht um Wünsche. Bei mir ist eine Fee gestrandet, die mir drei Wünsche gegeben hat. Zwei sind schon weg auf dumme Art und Weise. Ein Wunsch ist noch übrig. Ich bin schon sehr gespannt. Ich bin auch wegen der Preise aufgeregt. Ich habe den Thurn-und-Taxis-KabarettPreis und den Bayerischen Kabarettpreis bekommen. Da habe ich ein wenig Sorge, ob ich dem auch gerecht werde.

Sie meinen, Sie könnten vor lauter Erwartungsdruck nicht Sie selbst sein?

Das wäre das Schlimmste, was mir passieren könnte. Wenn ich eines hasse, dann sind es Menschen, die nicht authentisch sind. Da kann ich nicht mit umgehen.

Die Frage ist ja, wie lange man es durchhält, wenn man sich verstellt.

Klar, ich will das ja in zehn Jahren noch machen. Ich habe ein grandioses Team um mich herum. Der Alex Liegl, der Michi Altinger, beide helfen mir beim Schreiben, die Gabi Rothmüller macht Regie. Ich habe mit denen schon so viel zusammen gespielt, dass die mich ganz genau kennen. Ich bin oft zu schnell, dann muss mich Gabi bremsen.

Sind Sie vor Auftritten nervös?

Am Anfang haben mich Kollegen gewarnt, es gäbe schreckliche Abende. Manchmal gehen die Leute, und du hast nach der Pause nur noch ein Drittel des Publikums da. Zum Glück ist es mir bisher nicht passiert. In Augsburg habe ich einen Abend erlebt, da kam die ganze Zeit nichts vom Publikum. Und dann waren sie plötzlich hysterisch, haben getobt.

Da darf man sich wohl nicht aus dem Konzept bringen lassen.

Ich kenne das vom Theaterspiel. Samstags kommt die Ehegattin mit ihrem Mann. Sie will Kultur, er will Fußball schauen, ist schlecht drauf, und wenn es ihr auch nicht gefällt, ist der Abend ohnehin dahin. Das überträgt sich.

Haben Sie eine Lieblingsrolle auf der Theaterbühne?

Ich mag’s, wenn es ein bisschen blöd ist. (Lacht.)  Da fühle ich mich am wohlsten. Ich bin im lustigen Fach zu Hause. Es würde mich aber reizen, mal etwas Ernstes zu spielen. Einfach um zu sehen, wie sich das anfühlt.

Das Gespräch führte Antonio Seidemann.

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