Kammerorchester: "Was wir brauchen, ist ein Zuhause"

München - Das Münchener Kammerorchester stellt seine Pläne für 2012/13 vor und sucht immer noch nach passenden Räumen.

Noch zehn Tage. Bis Ende Juni hat der Freistaat Zeit, den Mietvertrag mit dem „Bayerisch-Amerikanischen Zentrum“ (BAZ) für das Amerika-Haus zu kündigen und dieses zum 1. Januar 2013 vor die Tür zu setzen. An der Frage, ob die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (acatech) dann an den Karolinenplatz zieht, hängen längst nicht nur die direkt betroffenen Institutionen, sondern auch das Münchener Kammerorchester (MKO). Sollte der von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) favorisierte Plan – BAZ raus, acatech rein – umgesetzt werden, droht es, Anfang 2013 ohne festen Probenraum dazustehen.

„Das ist für uns ein existenzielles Problem“, sagte die Vorstandsvorsitzende des MKO-Vereins, Ruth Petersen, gestern bei der Jahrespressekonferenz des Kammerorchesters. Es geht dabei nicht mal so sehr um die Proben an sich, gibt es doch Räume, die das MKO anmieten kann, die Bavaria Studios etwa oder die Reaktorhalle. Das aber kostet, und dort fehlt jeweils ein Raum, in dem die Musiker zum Beispiel ihre Instrumente unterbringen können. Kurzum: „Was wir brauchen, ist ein Zuhause“, sagte Alexander Liebreich, der Künstlerische Leiter und Chefdirigent. Zuhause ist das Orchester seit 1957 in der Siemens-Zentrale am Wittelsbacherplatz. Noch. Der Konzern hat dem MKO dort Platz kostenlos zur Verfügung gestellt, doch nun plant das Unternehmen einen Neubau, sodass das Orchester zum Sommer seine Räume aufgeben wird. Im Veranstaltungsraum des Amerika-Hauses dachte das MKO, eine dauerhafte Lösung gefunden zu haben – bis die politischen Querelen um die Zukunft der Institution begannen. Seitdem ist das MKO wieder auf der Suche.

Siemens, so viel steht fest, wird im Neubau keinen Platz mehr haben, spendet aus alter Verbundenheit aber zwei Jahre lang einen fünfstelligen Betrag für die Anmietung von Räumen. Ein Gespräch zwischen Liebreich und OB Christian Ude (SPD) verlief im Sande, und der Freistaat hält an den Plänen fest, das Amerika-Haus in andere Hände zu geben. Das MKO hat es über Immobilienmakler versucht, ohne Erfolg. Nun, so heißt es in einer ausgesprochen defensiven Pressemitteilung, „muss das Orchester die öffentlichen Förderer aufrufen, gemeinsam größte Anstrengungen zu unternehmen, um die Existenz des Orchesters langfristig zu sichern“. In der Zwischenzeit sucht man weiter, „intensiv und mit viel Geduld“, sagt Petersen. Und man rüstet sich für den Notfall. Geschäftsführer Florian Ganslmeier: „Das Orchester ist bereit, für die Übergangsphase in jeden saueren Apfel zu beißen. Wir sind nicht wählerisch, wir brauchen nur adäquate Probenräume."

Von Thierry Backes

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