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Johan Simons leitet die Geschicke der Münchner Kammerspiele seit der Spielzeit 2010/11. Jetzt hat der Intendant seinen neuen Spielplan 2012/13 vorgestellt. Im Oktober feiert die städtische Bühne ihr 100-jähriges Bestehen, unter anderem mit einem viertägigen Festival.

Johan Simons: "Uns selbst offen und verletzbar zeigen"

München - Am 11. Oktober werden die Münchner Kammerspiele 100 Jahre alt. Intendant Simons will in der nächsten Spielzeit Stücke spielen, die für die Geschichte des Hauses an der Maximilianstraße wichtig waren: Wedekind, Kroetz – und Shakespeares „Lear“.

Sein Haus sei bereits Risiken eingegangen, erklärt Johan Simons bei der Vorstellung seines dritten Spielplans als Intendant der Münchner Kammerspiele: etwa mit Sarah Kanes „Gesäubert/ Gier / 4.48 Psychose“, die Inszenierung hat gerade das Berliner Theatertreffen eröffnet (wir berichteten). „Und ich möchte weiter Risiken eingehen.“ Wie ernst es ihm damit ist, zeigt sich auch daran, dass Simons Shakespeares „König Lear“ neu inszenieren will. Jenes Stück also, mit dem sein Vorvorgänger Dieter Dorn zwischen der Premiere 1992 und der letzten Vorstellung 1999 schier unglaubliche Triumphe an den Kammerspielen feierte. „Diese legendäre Inszenierung spukt permanent in diesen Räumen“, sagt Dramaturgin Julia Lochte. Und Simons, der Dorns Arbeit nicht kennt, meint: „Ich habe jetzt das Alter, Shakespeare neu zu betrachten.“ Es wird das dritte Mal sein, dass der 1946 in den Niederlanden geborene Theatermacher ein Drama des Briten auf die Bühne bringt. Außerdem wird sich das Münchner Theater mit drei anderen Autoren beschäftigen, die eine wichtige Rolle in seiner 100-jährigen Geschichte spielten: Frank Wedekinds „Franziska“ wurde hier 1912 uraufgeführt und nun von Andreas Kriegenburg neu eingerichtet. Zudem steht „Fegefeuer in Ingolstadt“ von Marieluise Fleißer und Franz Xaver Kroetz’ „Bauern sterben“ auf dem Spielplan.

Seinen 100. Geburtstag feiert das Haus auch von 11. Oktober an mit einem viertägigen Festival. Dabei soll das Publikum im Mittelpunkt stehen. Zum Auftakt gibt es im Schauspielhaus „Erzählungen aus dem Zuschauerraum und von der Hinterbühne“, zum Abschluss lädt das Theater am 14. Oktober zum „Bürgergipfel zur Zukunft der Stadtgesellschaft“ in die Maximilianstraße, die an diesem Tag vollständig für den Verkehr gesperrt werden soll.

Mit der Prachtstraße wird sich auch Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek in einem neuen, noch titellosen Stück beschäftigen, das sie im Auftrag der Kammerspiele schreibt: „Ich habe mit ihr besprochen, dass sie ein Stück schreibt über die Maximilianstraße und Mode“, berichtet Simons. „Aber das weiß man bei Jelinek natürlich nie. Es kann den Anfang haben in der Mode und dann auf dem Mont Blanc enden.“

Mit Sandra Hüller, Marie Jung, Hans Kremer und Max Simonischek begrüßt der Intendant vier Schauspieler neu im Ensemble, die hier teilweise bereits zu sehen waren. Verlassen werden das Haus: Katharina Hackhausen, Lena Lauzemis und Nico Holonics.

Zufrieden ist Simons mit der Auslastung, die aktuell bei 76,5 Prozent liege. Der neue Spielplan, erklärt der Intendant, „ist unser Versuch, uns selbst offen und verletzbar gegenüber der Welt zu zeigen".

Michael Schleicher

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