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Quo vadis, Kammerspiele? Auf Intendant Matthias Lilienthal wartet ein Berg voll Arbeit.

Harte Kritik an Intendant Lilienthal

Nach Abschied von Hobmeier: Kammerspiele am Scheideweg

München - Wie geht‘s weiter mit den Kammerspielen? Das fragen sich viele Theaterfreunde. Der neue Intendant Matthias Lilienthal muss sich unangenehme Fragen gefallen lassen.

Ganze Arbeit: In knapp einer Spielzeit hat der 56-jährige Matthias Lilienthal die Münchner Kammerspiele pulverisiert. Wildfremde Leute sprechen einen auf der Straße an: „Ich kenn Sie doch von den Kammerspielen - was ist aus ­diesem Haus geworden?!“ Und Freunde, im unbegründeten Zweifel, ob sie wohl noch Karten kriegen für eine Premiere, bekommen dann drei ganze Reihen zum Liegen angeboten. Das Publikum versammelt sich in der Pause in der „Kulisse“, trinkt einen Absacker und geht nach Hause. Aber ­Intendant Lilienthal präsentiert - wie eigentlich? - ganz nette Besucherzahlen.

Die Herren vor mir in der unglückseligen Figaros Hochzeit-Collage klatschten nach jeder Nummer so grundlos exzessiv, dass man sich fragt, ob man hier wieder zu der bewährten Claque gegriffen hat.

Kammerspiele haben einen weltweiten Ruf

Publikum und Schauspieler sind verzweifelt. Schließlich haben die Kammerspiele einen weltweiten Ruf - nicht nur bei Ewig-Gestrigen. Es gibt, zum Teufel ­nochmal, Menschen von heute, die mit ­einem Hamlet, einem Tschechow, einem Ödipus, genau durchdacht und sauber ­gespielt, etwas anfangen können und das auch erwarten in einem ersten Haus.

Fast durchgehend Fehlanzeige. Dafür seltsame Performances, irgendwelche Gruppenunternehmungen aus der Unkunstschmiede Gießen, und immer englische Übertitel. Alles ziemlich ungeeignet für das Münchner Publikum …

Erst gefremdelt, dann Blut geleckt

Klar ist, dass ein Intendantenwechsel Veränderungen, Kündigungen, auch ­Geschmacks-Varianten mitbringt. Auch bei Frank Baumbauers Othello haben die Leute zuerst gefremdelt. Dann aber Blut geleckt. Die Schreiberin dieser Zeilen war viermal drin. Weil hier modernes Theater gemacht wurde mit den legitimen Mitteln des Theaters: mit erstklassigen Schauspielern in einem durchdachten Konzept.

Was Matthias Lilienthal will, hat mit klassischem Theater nichts zu tun. Kunst ist ein Hasswort für ihn. Aber dann gehört dieser Mann nicht in ein solches Haus. Soll er doch in Hallen und Schuppen seine Performances vorstellen und seine schrägen Gastspiele (­bezahlt übrigens aus der Kammerspiele-Kasse) herzeigen. Er bietet sich doch jetzt schon an als Geschäftsführer des Kreativquartiers, das Kulturreferent Hans-Georg Küppers (er war am Freitag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen) bis 2020 fertig haben will

Wenn aber ein solches Kraftpaket wie Brigitte Hobmeier kündigt, sich schlecht behandelt fühlt und doch kurz zuvor mit einer kalten Sprechnummer brilliert, die überhaupt nicht auf ihrer Linie liegt, wenn ein Stück nicht zur Premiere kommt (­Unterwerfung nach Houllebecqs Roman), Unmut unter den Schauspielern herrscht, die schon aus finanziellen Gründen (Schulkinder) nicht so ohne weiteres das Handtuch werfen können, wenn sie ganz allgemein das schlechte menschliche Klima im Haus beklagen, dann haben nicht sie den Schwarzen Peter. Sondern Matthias Lilienthal.

Beate Kayser

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