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Der „Apostelabschied“ (Nürnberger Schule, um 1490) wird in der Ausstellung „Der frühe Dürer“ zu sehen sein.

Münchner Leihgaben an Nürnberg

München - Der Tag nach der Entscheidung, Albrecht Dürers „Selbstbildnis im Pelzrock“ in der Alten Pinakothek in München zu belassen und nicht nach Nürnberg auszuleihen, bietet Gelegenheit, die Causa – endlich wieder – aus fachlicher Perspektive zu betrachten.

Fachleute aus München haben sich und vom Germanischen Nationalmuseum mit ihren Bedenken gegen die Politik durchgesetzt und gegen einen Transport des weltberühmten Kunstwerks votiert. Die Nürnberger selbst zogen ihre Leihanfrage zurück, da sie der „Erhaltung des kulturellen Erbes größtmögliches Gewicht“ einräumen würden.

Man mag sich nicht vorstellen, was es für ein Museum von Weltrang wie die Alte Pinakothek bedeutet hätte, wäre das „Selbstbildnis im Pelzrock“ beim Transport beschädigt worden. Ohne Zweifel hätte eine solche Katastrophe auch den Ruf aller bayerischen Museen in der internationalen Fachwelt schwer beeinträchtigt. Denn wer würde noch seine Schätze nach Bayern ausleihen, wenn die Museen im Freistaat nicht einmal mit ihren eigenen Kostbarkeiten sorgsam umgehen? Außerdem: Wäre das Bild gegen den Rat der Experten ausgeliehen und dabei beschädigt worden, würde sich wohl keine Versicherung finden, die für eine Restaurierung zahlen würde. Vorausgesetzt natürlich, das auf einen dreistelligen Millionenbetrag geschätzte Gemälde könnte überhaupt restauriert werden.

Wenn am 24. Mai in Nürnberg „Der frühe Dürer“, nach Angaben der Macher die größte Dürer-Schau in Deutschland seit 40 Jahren, eröffnet wird, können die Besucher im Germanischen Nationalmuseum dagegen vier andere Werke aus München bestaunen: Bei Dürers „Bildnistriptychon des Oswolt Krel“ (1499) und beim „Apostelabschied“ (Nürnberger Schule, um 1490) haben die Experten keine Transport-Bedenken.

Weitere Kunstwerke aus München werden nicht nach Nürnberg reisen. CSU-Fraktionsvize Karl Freller hatte nach der Entscheidung zwar vorgeschlagen, dass die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen neben den bereits zugesagten Leihgaben weitere Gemälde nach Nürnberg schicken sollen. Daran hat man in der Frankenmetropole aber kein Interesse: Die Ausstellung, die sich mit dem frühen Werk Dürers und den Lebensumständen des jungen Malers beschäftigen wird, sei Ergebnis einer dreijährigen Forschungsarbeit, heißt es beim Germanischen Nationalmuseum auf Anfrage unserer Zeitung. Da könne man nicht „willkürlich“ andere Gemälde integrieren, erklärte eine Sprecherin des Hauses.

Übrigens: Wer die Nürnberger Ausstellung besucht, hat mit seinem Ticket bis 3. November (Ende der Herbstferien) zudem freien Eintritt in der Alten Pinakothek.

Michael Schleicher

„Der frühe Dürer“ ist vom 24. Mai bis zum 2. September im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg zu sehen. Weitere Infos unter www.gnm.de. Dürers „Selbstbildnis im Pelzrock“ kann täglich außer montags zwischen 10 und 18 Uhr (dienstags bis 20 Uhr) in der Alten Pinakothek in München besucht werden.

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