Bayern-Schock: Müller verpasst wohl Leipzig-Doppelpack

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Ein pedantischer Künstler: Lautpoet Ernst Jandl

Münchner Literaturhaus widmet sich Ernst Jandl

Mit „Schtzngrmm“ im Labyrinth

München - In der Galerie des Münchner Literaturhauses brummt es, dröhnt, zischt und scheppert es. Dort ist „Die Ernst Jandl Show“ zu Gast - eine Huldigung an den berühmten Wiener Lautpoeten.

Es brummt, dröhnt, zischt und scheppert. Klar, dass man bei dieser Rundumbeschallung schon mal „lechts und rinks velwechsern“ kann in der Galerie des Münchner Literaturhauses, die zudem mit verwirrend labyrinthischen Kojen vollgestellt wurde. Dort ist nämlich „Die Ernst Jandl Show“ zu Gast, eine Literatur- Ausstellung, die dem berühmten Wiener Lautpoeten passenderweise vor allem akustisch huldigt.

Öffnungszeiten:

Bis 1. Mai, Di. bis Fr. 11 bis 19 Uhr, Sa., So., Feiertage 10 bis 18 Uhr.

Der Klangnebel, in den der Besucher da eintaucht, wird von Jandl (1925-2000) selbst erzeugt: Es ist seine markante „krächzende Stimme“ (wie er selbst sagte), die aus Lautsprechern tönt, um uns was von „Ottos Mops“ zu erzählen oder akustisch die Atmosphäre im „Schtzngrmm“ erfahrbar zu machen. All diese populären Klassiker aus Jandls OEuvre, die längst zu Lesebuch-Ehren kamen, sind in der Intonation ihres Schöpfers zu hören. Und einer der Höhepunkte der Multimedia-Ausstellung ist eine Filmaufnahme seines Auftritts in der Londoner Royal Albert Hall, wo der bieder wirkende Österreicher mit seiner Laut-Artistik 7000 begeisterte Zuhörer zum Toben brachte wie ein Popstar – und damit angeblich sogar dem Beat- Poeten Alan Ginsberg die Schau stahl.

Weil’s bei allem Wiener Akustik-Schmäh aber schon ein bisserl seriös zugehen soll, werden in der Ausstellung natürlich auch Dokumente aus dem umfangreichen Jandl- Nachlass präsentiert: Fotos, Manuskripte, Schulhefte, Zeichnungen oder der Schachcomputer des Dichters. Einblicke in die Schallplattensammlung des Jazzfanswiederum zeigen einen Geschmack, der von Duke Ellington über Patti Smith bis Frank Sinatra reichte. Gut erhaltene Billets aus dem Jahr 1941 belegen zudem, dass der sechzehnjährige Gymnasiast von „Fidelio“ bis zu Wagners „Ring“ alles anschaute, was die Wiener Staatsoper zu bieten hatte.

Amüsant ist aber vor allem der Kontrast zwischen der anarchischen Kräh- und Stotterpoesie Jandls und seinem sehr bürgerlichen Verhalten: Der kahlköpfige Herr im Sakko übte den Vortrag seiner Texte mit Metronom – und war ein geradezu pedantischer Listenschreiber. Genau notierte er, an wen er von Tirol aus Postkarten verschickt hatte, schrieb Listen mit „Geschenkideen“ oder Wäschelisten („fünf Unterhosen kurz, eine Unterhose lang“). Und nachdem der Dichter als gelernter Pädagoge schon immer dafür war, dass das Publikum sich in Jandl-Imitationen versucht, dürfen auch die Ausstellungsbesucher selbst ein wenig „jandeln“: Stifte liegen bereit, und die beschriebenen Zettel soll man anschließend an die Wand kleben. Ob „lechts“ oder „rinks“ ist dabei allerdings egal...

von Alexander Altmann

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