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Heubisch: „Kein Konzertsaal im Marstall“

München - Der Münchner Marstall ist nach einem neuen Gutachten nicht geeignet als Standort für einen neuen Konzertsaal von Weltrang.

Der Traum vom Marstall-Konzertsaal ist geplatzt. Das findet zumindest das Bayerische Kunstministerium, das gestern von dem Projekt abgerückt ist und sich dabei auf ein Gutachten des japanischen Star-Akustikers Yasuhisa Toyota beruft. „Das Ergebnis ist eindeutig“, teilte Minister Wolfgang Heubisch (FDP) mit. „Ein Konzertsaal, der höchsten Anforderungen entspricht, lässt sich im oder am Marstallgebäude nicht realisieren.“

Heubisch, der dem Marstall-Projekt schon immer skeptisch gegenüberstand, sieht sich damit bestätigt. Toyota, so das Ministerium, habe vor allem konstatiert, dass das Raumvolumen allenfalls einen Saal mit 1200 Plätzen zulasse. Überdies sei weder Platz für eine Hinterbühne noch für eine Eingangshalle. Auch ein neues Gebäude neben dem Marstall sei zu klein für einen 1800-Sitze-Saal.

In die Politik des Kunstministers passt dieses Gutachten perfekt. Zumal es Anzeichen dafür gibt, dass man sich umorientiert. Von den Annäherungsbestrebungen des Freistaats an die Stadt wird berichtet. Von Überlegungen, ob man nicht doch das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, das sich den Marstall als Heimat wünscht, und die Münchner Philharmoniker unter einem Dach unterbringen könnte. Das mögliche Ergebnis: eine nun doch umfangreich sanierte Philharmonie mit finanzieller Beteiligung des Freistaats. Oder eine ganz andere Lösung: ein völlig neuer Platz für einen Saal. Heubisch deutet das selbst an, als er von einer „modernen Konzerthalle“ schreibt, die „dem neuesten akustischen Standard“ entspricht: „In München wäre dies aber nur an einem anderen Standort realisierbar.“

Dass Heubisch damit den Gasteig meint, glaubt Andreas Marschik, Orchestervorstand des BR-Ensembles, nicht. „Die Äußerung des Ministers zeigt ja eher, dass es sinnvoll ist, einen neuen Saal zu bauen.“ Vom „absoluten Nein“ Toyotas zeigte sich Marschik allerdings überrascht – zumal sein Orchester selbst schon Gespräche mit dem Akustiker geführt hat.

Markus Thiel

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