Als wäre das Jahr 1980 nie vergangen: Mireille Mathieu auf der Bühne des Deutschen Theaters in München. Foto: götzfried

Konzertkritik

Am Münchner Montmartre

München - Überschüttet von Blumen und Applaus triumphierte Mireille Mathieu an der Schwanthalerstraße, dem Münchner Montmartre. Die Konzertkritik:

Die Garderobe von Mireille Mathieu im Deutschen Theater muss man sich als eine Filiale von Garten Dehner vorstellen. Unfassbare Mengen an Blumen brachten die Fans ihrem Schatz von Avignon zum ausverkauften Konzert mit – und ein FC-Bayern-Trikot mit der Rückennummer 50, passend zum Bühnenjubiläum, das Madame auf dieser Tour feiert. Überschüttet von Blumen und Applaus triumphierte die Mathieu an der Schwanthalerstraße, dem Münchner Montmartre. Selten einen Star erlebt, der von seinen Fans so geliebt wird.

Dabei bietet Mireille absolut nichts Neues – und gerade das macht den Charme aus. Wo sich Kollegen von Vicky Leandros bis Roland Kaiser immer wieder behutsam neu erfinden, mit dem deutschen Pop flirten, deutet bei der Mathieu nichts darauf hin, dass wir das Jahr 1980 bereits hinter uns gelassen haben. Peter Frankenfeld oder Wim Thoelke könnten jederzeit als Conférencier auf die Bühne kommen.

Doch so muss das sein. Eine modernisierte Mireille Mathieu wäre wahrscheinlich blond, und das geht gar nicht. Sie rollt das „rrrrr“ so dramatisch wie eh und je, „La Paloma, wer wird es je verrrrrrstehen“, amourrrrr toujourrrrrrs. Es geht „Hinter die Kulissen von Paris“, wir verbringen „Einen Sonntag in Avignon“, und wenigstens einen Abend lang hat „Akropolis adieu“ nichts mit Varoufakis zu tun.

Mireille, das alte Zirkuspferdchen, trabt mit ihren 68 diszipliniert wie eh und je durch ihre Manege – wenn auch etwas staksig; sie hat Probleme beim Gehen. Singen kann sie noch ganz wunderbar, nur am Ende einiger Chansons bricht ihr die Stimme. Doch das 60-jährige Bühnenjubiläum 2025 sollte kein Problem sein. Denn sie haben gute Gene, die Mathieus – Mama Marcelle schaut mit ihren rüstigen 93 auch kurz auf der Bühne vorbei. Die Fans stehen für sie, und am Ende liegen sie dem tüchtigen Töchterlein zu Füßen. Fazit: Tarata-Ting, Tarata-Tong, die schönen Stunden waren viel zu schnell vorbei.

Jörg Heinrich

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