Münchner Mozart-Erlebnis

- Musik versetzt Chick Corea so in Rausch, dass er nach einem gelungenen Konzert oft stundenlang allein weiterspielt. Heute wird Chick (eigentlich Armando Anthony) Corea 65 Jahre alt. Im nächsten Monat kommt der Musiker nach Deutschland: Am 10. Juli nimmt er den Preis des Klavier-Festivals Ruhr entgegen, und am 21. Juli wird er in der Münchner Philharmonie erwartet. Dort will er außer Mozarts Klavierkonzert KV 491 sein eigenes Klavierkonzert Nr. 2 vorstellen, das er eigens zu diesem Anlass komponiert hat.

Als Sohn eines Trompeters und Bassisten in Chelsea (US-Bundesstaat Massachusetts) geboren, ist Coreas musikalische Heimat zwar der Jazz. Als er aber 1982 beim Münchner Klaviersommer den Pianisten Friedrich Gulda traf, fühlte er sich von dessen Mozart-Interpretation wie verwandelt, voller Inspiration. Er war der Beginn einer Liebe, die Corea und den großen Gulda immer wieder zu Klavierkonzerten für vier Hände zusammenbrachte.

Der kleine Chick wuchs zwischen den Schallplatten von Dizzy Gillespie und Sarah Vaughan auf. Schon mit vier Jahren klimperte er auf dem Klavier, ab dem achten Lebensjahr kam Schlagzeug hinzu. Bei Salvatore Sullo, einem Bostoner Konzertpianisten, nahm er klassischen Klavierunterricht. 18-jährig ging er nach New York und stand schon bald mit Größen wie Blue Mitchell auf der Bühne. Im Laufe seiner fast 50-jährigen Karriere übte er sich dann mit Miles Davis im Free Jazz, spielte Bebop und trat an der Seite seiner Kinderidole Vaughan, Gillespie und Roy Haynes auf. Außerdem war er maßgeblich an einigen der Aufsehen erregendsten Aufzeichnungen von Latino-Jazz der 60er-Jahre beteiligt.

Seit einiger Zeit übt er sich auf einem neuen Instrument, der Marimba, oder experimentiert mit dem ägyptischen Drummer Hossam Ramzy. Als Bandleader und Solist hat Corea bis zum Jahr 2000 mehr als 80 Alben herausgebracht. Viele seiner Kompositionen, darunter "Spain", "La Fiesta", "What Games Shall We Play Today" und "Spanish Song" wurden ins gängige Jazz-Repertoire aufgenommen. In Deutschland macht Corea seit den 1990er-Jahren auch durch seine Zugehörigkeit zu der Church of Scientology-Sekte Schlagzeilen.

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