Münchner Opernfestspiele: Schach spielen auf dem Parkett

München - Julian Göthes Ausstellung "Stimmen aus dem Off" in der Staatsoper und in der Pinakothek der Moderne.

Die goldene Büste des Nationaltheater-Architekten Karl von Fischer wehrt sich nicht. Sie steht im Königssaal und schaut zu ihrem Glück nicht auf die falschen 60er-Jahre-Geländer in den flankierenden Ionischen Sälen. Doch nun haben sich rings um sie, wo sonst in den Opernpausen die Besucher flanieren, schwarz glänzende Holzriesen aufgebaut.

Die wirken einerseits wie plumpe Störenfriede und scheinen sich doch andererseits mit ihren wulstigen Körpern und scharfkantigen, stern- oder kassettenförmigen Gliedern in den Neo-Prunk der drei Säle sensibel einzupassen. Sie gehen auf Zehenspitzen und spielen Schach auf dem Parkett. Und einer, genannt "Exit", leuchtet dem Besucher mit sieben Schreibtischlampententakeln in ein unbekanntes Off.

"Stimmen aus dem Off" - so nennt der Berliner Künstler Julian Göthe seine Skulpturen, die er extra für das Nationaltheater und die Pinakothek der Moderne entwickelt hat. Für Festspiel+, den musikalisch-bildnerischen Austausch, den Oper und Museum begleitend zu den Opernfestspielen kreieren. Mit seinen abstrakten Figuren und kulissenhaften Gittern knüpft Göthe an die Eröffnungspremiere der Festspiele an: Ferruccio Busonis "Doktor Faust".

Logisch, aber schade, dass sich diese Arbeit nur dem Opernbesucher zeigt. Doch in der Rotunde der Pinakothek der Moderne setzt sie sich als Wandmalerei aus Metall und Kordel fort: Die Räume werden tiefer und theatraler, den Figuren wachsen angesichts des Kuppelbaus Fledermausflügel. Und wo bleibt die Musik? In fünf exquisiten experimentellen "Visuellen Konzerten" (7.-11. Juli, 21 Uhr) trifft hier - kuratiert vom Pariser Komponist und Akustikforscher Jean-Baptiste Barrière - Gegenwartskomposition auf elektronische Klangvision. Ein Erlebnis im Off?

Bis 31. Juli.

Nationaltheater bei Opernbesuchen; Pinakothek: Di.-So. 10-18 Uhr, Do. 10-20 Uhr.

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