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Der Philharmonische Chor mit seinem Leiter Andreas Herrmann.

KONZERTKRITIK

Münchner Philharmoniker und Chor mit Mozart-Messe: Auferstehung aus zweiter Hand

Man muss Mozarts c-Moll-Messe nicht vervollständigen - ein Konzert bei den Münchner Philharmonikern führt das vor Ohren.

München - Ein Jucken lösen diese Unvollendeten aus, sei es im Fall von Schuberts Siebter, Bruckners Neunter oder bei Mozarts liturgischen Hinterlassenschaften. Einfach den Torso akzeptieren, das geht schon und wird meist auch so praktiziert. Doch komplett wär’s schöner, denkt sich wohl die Musikwissenschaft. Wie die Sache bei Mozarts c-Moll-Messe ausgehen kann, das demonstrierten gerade die Münchner Philharmoniker mit Dirigent Andrew Manze im Gasteig.

Benjamin-Gunnar Cohrs stückelte 2013 die nicht vertonten Teile hinzu, immerhin aus Material des Meisters. Die Fassung hat ihre Tücken. Beim neuen Agnus Dei, eine monumentalisierte, um Gesangsstimmen ergänzte Version von Mozarts „Maurerischer Trauermusik“, passen Struktur und Inhalt, Manze führt das im großen Aufriss eindrucksvoll vor. Doch bei der Ummodelung einer Sopran-Arie aus Mozarts „Davide Penitente“ fürs Et resurrexit hakt es. Der Duktus beißt sich mit dem Auferstehungsjubel, bremst das Geschehen aus. Und der Ringschluss im Finale, der fürs Dona nobis pacem das eröffnende Kyrie zitiert (und sich damit an die Komplettierung von Mozarts Requiem anlehnt), wirkt bemüht, erst recht, wenn in den letzten Takten alles zwecks tröstlichen Ausgangs ins Dur gezwungen wird.

Starke Stunde des Philharmonischen Chores

Sei’s drum: Das ambitionierte Programm ehrt die Philharmoniker. Manze richtet es sich nicht gemütlich in der Partitur ein. Der Grundcharakter ist vital, das Tempo zügig, manches wie im Gloria zackt preußisch, anderes – etwa im „Qui tollis“ mit weiten Chor-Phrasen über schroffen Orchestergesten – lebt vom Kontrast. Der Philharmonische Chor hat eine starke Stunde. Alles klingt klar, entschlackt, energiereich, ohne zu überreizen. Julian Prégardien (Tenor), vor allem Liang Li (Bass) sind partiturgemäß fast nur Stichwortgeber. Jacquelin Wagner (Sopran 1) singt ausgeglichen, auch monochrom. Um Julia Lezhneva (Sopran 2) sorgt man sich: Barock tut ihr wohler als Mozart, wo sie ihre Stimme künstlich vergrößern und verfärben muss.

In der Messe wie auch in Haydns 104. Symphonie gibt Manze den freundlichen, historisch informierten Animateur. Seine Schlagtechnik suggeriert mehr, als wirklich dabei herauskommt. Kleine Verstörungen sind die Folge – obwohl doch das Orchester dank Chef Gergiev eigentlich Irritierendes gewöhnt ist.

Markus Thiel

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