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Die Ehe ist besiegelt: Oberbürgermeister Christian Ude (li.) und Valery Gergiev, ab 2015 Chefdirigent der Münchner Philharmoniker, unterzeichnen im Kleinen Sitzungssaal des Rathauses die Verträge.

Auf der goldenen Münchner Linie

Er ist der Neue der Münchner Philharmoniker

München - Nur zwei Unterschriften fehlten noch, am Freitag wurde es rechtskräftig: Valery Gergiev übernimmt im Herbst 2015 die Münchner Philharmoniker. Offenbar eine Liebesheirat.

Über eines darf sich die Stadt schon mal freuen: Lästerliches in Sachen Philharmonie-Akustik wird von Valery Gergiev nicht zu hören sein. Beim Thema mögliche Sanierung des Saales machen also die Philharmoniker mutmaßlich (noch) weniger Druck. „Es ist dumm, dauernd zu sagen, die Akustik sei schlecht“, sagte der künftige Chefdirigent. Man solle lieber darüber reden, wie man mit ihr umgehen könne. Der Gasteig sei zwar etwas zu groß und zu breit, liefere indes „sehr gute Ergebnisse“, das will der russische Star bislang festgestellt haben.

Triumph, Vorfreude, Dankbarkeit, auch ein bisschen Häme über Kritiker, das alles schwang mit bei diesem Vertragstermin im Kleinen Sitzungssaal des Rathauses. 13 Stunden nach seinem Konzert mit den Philharmonikern (siehe unten) gab Gergiev den Charmeur, humorvoll, ironisch, auch ein wenig pathetisch. Was die Kulturpolitik betreffe, nehme Deutschland mindestens in Europa eine Führungsrolle ein, lobte der 59-Jährige. Sollte sich hier etwas ändern, werde es zum Domino-Effekt kommen. Erstmals habe er im Jahre 1975 die Münchner Philharmoniker live hören dürfen, im damaligen Leningrad mit Rudolf Kempe am Pult und Bruckners fünfter Symphonie. Gergiev versprach, die „goldene Linie zwischen Vergangenheit und Zukunft“ nicht zu unterbrechen. Er habe das Gefühl, dass die Atmosphäre im Orchester „entspannt und seriös“ sei.

Was genau er mit den Philharmonikern ab Herbst 2015 vorhat, dazu wollte Gergiev nichts Detailliertes sagen. Nur so viel: Es kommt wohl zu einem Strawinsky-Zyklus, konzertante Oper ist in Planung, überhaupt werde ein Orchester besser, je vielfältiger das Repertoire sei. „Ich habe französische Musik in Frankreich, italienische in Italien, russische in Russland und deutsche in Deutschland dirigiert, jetzt ist die Zeit gekommen, das zu kombinieren.“

Vor drei Jahren begannen die Gespräche über seinen Münchner Posten, wie Gergiev durchblicken ließ. Und vorgenommen hat er sich wohl auch einen kleinen Lebenswandel. Als junger Mann habe er 40 Orchester dirigiert und gedacht, dies sei gut so. „Konzentration ist wichtig“, habe er mittlerweile festgestellt. Auch deshalb sei er in München Chefdirigent und nicht Generalmusikdirektor mit umfassenden Aufgaben und Pflichten.

Gergievs internationale Verpflichtungen sieht Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) nicht als Hindernis für die Orchesterarbeit, sondern sogar als Chance: „Der Stellenwert der Münchner Philharmoniker ist für eine vorhersehbare Zukunft gesichert.“ Es sei der „Idealfall“, dass ein Chefdirigent auch der Wunschkandidat der Musiker sei. Von einem „musikalischen Kraftfeld“ schwärmte Kulturreferent Hans-Georg Küppers, seien doch demnächst Kirill Petrenko (Staatsoper), Mariss Jansons (BR) und Valery Gergiev (Philharmoniker) parallel zu erleben. Nach all dem Pathos kündigte der Philharmoniker-Intendant Paul Müller an, man werde sich nun dem Alltagsgeschäft und den Planungen zuwenden. „Zurück in die Küche“ lautete seine Devise. Ob dort Frischprodukte oder Fertigkost entsteht, das wird in den Jahren zwischen 2015 und 2020 zu erleben sein.

Markus Thiel

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