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Noch werden einzelne Werke auf die Praterinsel gebracht – wenn heute Abend die Kunstmesse Stroke eröffnet wird, ist alles fertig. Bis zu 20 000 Besucher erwartet Marco Schwalbe , der die Veranstaltung mit seinem Bruder organisiert.

Auf der Münchner Praterinsel

Kunstmesse Stroke: Jung und unkonventionell

München - Auf der Münchner Praterinsel öffnet die Kunstmesse Stroke ihre Tore und widmet sich Zeitgenössischem von Design über Comic bis Graffiti. 

Vor zwei Jahren schlenderte Marco Schwalbe über die Art Cologne. Mit Strohhut auf dem Kopf, in etwas abgewetzter Hose und Pulli. Kein ungewöhnlicher Kleidungsstil auf einer Kunstmesse, sollte man meinen. Das sah ein Galerist anders – und stellte sich ihm in den Weg. Nach dem Motto: In meine Ausstellungsbox kommst du so nicht rein. Schwalbe erinnert sich heute lachend daran.

Es ist ein bedauerndes Lachen, das sagen will: wie albern, Leute. „Wenn du auf große Messen gehst, wirst du bei vielen Galerien erst einmal beäugt. Nach dem Motto: Bist du es überhaupt wert, dass man sich mit dir beschäftigt? Das gibt es bei uns nicht“, sagt er. Mit „uns“ meint er die Münchner Kunstmesse Stroke, die er vor einigen Jahren mit seinem Bruder Raiko ins Leben gerufen hat. Zum sechsten Mal findet sie heuer statt. Bis Sonntag geht’s auf der Praterinsel wieder so kunterbunt zu wie auf einem Wimmelbild von Ali Mitgutsch. Ganz ohne „Etepetete-Atmosphäre“, wie es Schwalbe nennt. „Die Galeristen, die hier sind, sind alle noch sehr jung und engagiert. Und haben Spaß, sich mit den Gästen auszutauschen. Weil die Leute hier noch den Spirit leben und die Leidenschaft dabei ist, das macht den Unterschied aus.“

Anspruch: Junge Künstler fördern

Obwohl die Stroke mit über 20.000 Besuchern längst zu den beliebten Veranstaltungen im deutschen Kunstbetrieb zählt, gilt nach wie vor der Anspruch, junge Künstler zu fördern. Während eine Galerie auf einer der üblichen Messen zwischen 6000 und 8000 Euro Teilnahmegebühr zahlt, liegen die höchsten Preise hier bei 1600 Euro.

Entsprechend günstig können die Besucher auf dem Gelände der ehemaligen Schnapsfabrik auch Kunst erwerben. Einfache Poster gibt es schon ab 20 Euro. Bei Kunstdrucken, meist limitiert und signiert, geht es bei etwa 100 Euro los. „Es wird ein oder zwei Ausreißer nach oben geben, aber in der Regel liegen die Preise ansonsten bei uns um die 1000 bis 3000 Euro“, so Schwalbe.

Am Anfangen waren Street-Art, Urban Art und Graffiti

Begonnen hat die Stroke einst mit Street-Art, Urban Art, Graffiti. Mittlerweile nennen die Schwalbe-Brüder das Angebot schlicht „zeitgenössische Kunst“. „Denn immer mehr kreative Felder vermischen sich in der Kunst. Da gibt es Grafikdesign, Comic, auch Einflüsse aus Mode und Musik werden in der Kunst verarbeitet und umgekehrt. All das gibt es hier zu sehen.“

Fotografie, Skulpturen, Gemälde können die Besucher auf dem bereits seit November vergangenen Jahres für die nächsten Tage komplett ausgebuchten Areal an der Isar bestaunen. Alle Besucher sind zudem herzlich eingeladen, sich Gedanken über die Ausstellungsstücke zu machen. Dazu stehen in den kommenden Tagen vier Kalligrafie-Künstler bereit, die die Assoziationen und Eindrücke der Zuschauer auf im Innenhof aufgebauten Hauskonstruktionen notieren: in kunstvoller Schrift. Das ist eine von mehreren Performances dieser jungen, etwas unkonventionellen Kunstmesse.

Die Kunstmesse Stroke

wird heute um 19 Uhr auf der Münchner Praterinsel eröffnet und läuft bis einschließlich Sonntag. Weitere Informationen gibt es unter www.stroke-artfair.com.

Katja Kraft

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