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Zwei Laufbänder, auf denen sich die Schauspieler permanent bewegen müssen, stehen im Zentrum der „Räuber“-Inszenierung am Residenztheater. 

Das Residenztheater ist zum Berliner Theatertreffen eingeladen

Münchens schillernde Linie

Berlin/München - 377 Inszenierungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz hat sich die Jury des Berliner Theatertreffens angeschaut und die „zehn bemerkenswertesten“ zum 54. Theatertreffen eingeladen. Das gehört das Münchner Residenztheater mit Schillers „Die Räuber“. 

Was verbindet Friedrich Schiller und das Münchner Residenztheater? Der Wille zu Rebellion und Revolte? Jedenfalls ist festzuhalten: Wann immer hier „Die Räuber“ auf den Spielplan gesetzt wird, ist Erfolg angesagt. Die Kritikerjury des Berliner Theatertreffens reist an – und wenn der Intendant Glück hat, im aktuellen Fall Martin Kušej, sagt sie sich: „Dem Mann kann geholfen werden“ – und spricht eine Einladung nach Berlin aus. So geschehen gestern.

Im Mai gastiert die Produktion in Berlin

„Die Räuber“, inszeniert von Ulrich Rasche, gehört zu jenen zehn ausgewählten Inszenierungen, die die Rezensenten zu den bemerkenswertesten Produktionen der vergangenen Saison kürten. Im Mai also werden sich Franz Pätzold und Valerie Tscheplanowa als Karl und Franz Moor und mit ihnen das ganze „Räuber“-Ensemble dem Publikum von Berlin stellen. „Wo ein Brutus lebt, muss Cäsar sterben“: So krass wie Karl es bei Schiller zur Laute singt, wird’s beim Theatertreffen nicht zugehen. Aber man möchte doch schon gute Figur machen und sich auch irgendwie in der Tradition behaupten.

„Die Räuber“ und das Residenztheater - eine lange Tradition

1969 brachte Hans Lietzau das Drama auf den aktuellen Stand der rebellierenden 68er-Jugend. Martin Benrath, Helmut Griem, Gisela Stein – Schauspielerlegenden alle – erspielten sich die Teilnahme am Berliner Theatertreffen. Ein Triumph. Zum Triumph gerieten auch 1989 „Die Räuber“ im Ausweichquartier Prinzregententheater. Hier ließ sie Andras Fricsay als wilde Punk-Gang halsbrecherisch über die Bühne rutschen. Und ein Star war geboren: Rufus Beck als Franz, eine grandiose Canaille. Klassiker-Entertainment der besonderen Art. „Es ist ein Schauspiel, das Tränen lockt, wenn es dein Zwerchfell zum Gelächter kitzelt“: So ist es. Ganz im Sinne Karl Moors reiht sich nun die Inszenierung von 2016 ein in die schillernde Linie der rebellischen „Räuber“-Versuche des Hauses. 

Lesen Sie hier unsere Premierenkritik zu den „Räubern“ 

Sabine Dultz

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