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Sie „meermanzipiert“ sich in einem charmant-berührenden Solo in der „Blauen Grotte“: Antonia Münchow als Meerjungfrau.

Bayerisches Staatsschauspiel bietet Theaterparcours für vier Zuschauer

Lebenszeichen im Residenztheater

  • Michael Schleicher
    vonMichael Schleicher
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Das Münchner Residenztheater startet nach der Corona-Zwangspause mit einem liebevollen Parcours durchs Haus. 

Wird einem Theater attestiert, es sei museal, kommt das normalerweise einer verbalen Vernichtung gleich. Schließlich sollen auf der Bühne alte Texte aktuell befragt oder zeitgenössische vorgestellt werden. Hier will der Zuseher ungewöhnliche Zugriffe erleben, unbekannte Ästhetiken kennenlernen. Kurz: Man will „neue Formen“ entdecken, wie es beim – zugegeben – nicht mehr ganz frischen Tschechow heißt. Doch was ist schon normal in Zeiten des Virus?

Ist hier ein „Ort für Unreales?“, fragt Noah Saavedra gleich zu Beginn im Foyer.

Das Münchner Residenztheater hat sich am Samstag aus der Corona-Zwangspause zurückgemeldet mit einem Museumsrundgang durchs Haus. Ausgestellt werden an sechs Stationen szenische Miniaturen, vor allem aus der aktuellen Spielzeit, aus der Intendanz von Martin Kušej haben Juliane Köhler und Pauline Fusban „Für immer schön“ von Noah Haidle herübergerettet, zudem gibt es literarische Entdeckungen der Schauspielerinnen und Schauspieler. So stellt Sibylle Canonica etwa eine traumhafte Passage aus Tomas Espedals „Gehen: Oder die Kunst, ein wildes und poetisches Leben zu führen“ vor. Präsentiert wird auf dem gut 60 Minuten langen, bestens organisierten Parcours in zwei unterschiedlichen Routen aber auch das Haus selbst. Zudem variieren an jedem Halt die Szenen, sodass es sogar für Mehrfachbesucher kaum Dopplungen gibt.

Der Schmuckhof ist die einzige Station unter freiem Himmel. Doch das bisschen Regen stört Simon Zagermann (re.) und Michael Wächter nicht bei ihrem Streit aus „Vor Sonnenaufgang“.

Daniela Kranz, Leiterin von „Resi für alle“, und Hausregisseurin Nora Schlocker haben dieses theatrale Lebenszeichen eingerichtet – es ist kurzweilig, poetisch, rätselhaft, verzückend selbstbewusst (Antonia Münchows „Meermanzipiert“) und saukomisch: etwa die „Romeo und Julia“-Versionen von Cathrin Störmer und Camill Jammal – von „Hollywood“ über „Performance“ und „Krimi“ bis „Laientheater“. Wie gespielt wird, entscheidet das Glücksrad! Vier Zuschauer erleben zusammen einen Durchgang; Start ist an den Wochenenden alle zehn Minuten zwischen 16 und 19 Uhr. Und trotz Maskenpflicht und Abstandsregeln bietet der Parcours eine besondere Erfahrung von Nähe – natürlich zu den Künstlerinnen und Künstlern, aber auch zu den drei anderen in der Gruppe. Distanz sorgt hier tatsächlich für Intensität. Es grenzt an verschwenderischen Luxus, das Ensemble, sein Können, seine kreative Energie derart unmittelbar und exklusiv erleben zu dürfen. Zugleich stimmt es wehmütig und traurig. Denn im Herzen wünscht man ihnen allen ein volles Haus.

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