Panamas Ex-Diktator Manuel Noriega ist tot

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Münchner Rokoko-Traum

- 1754, am 3. November - vor 250 Jahren also - trat bei der Churfürstlichen Porcelain-Fabrique im Jagdschlösschen Neudeck in der Au ein Neuer an. Der Figurist Franz Anton Bustelli, dessen Geburtsjahr man nicht kennt, sollte die Manufaktur der bayerischen Herrscher weltberühmt machen. Er ist nicht nur als der wichtigste Porzellanmodelleur, sondern durchaus auch als bemerkenswerter Plastiker zu betrachten. Sein Werk gehört neben dem von Johann Baptist Straub und Ignaz Günther zu den herausragenden Leistungen des Münchner Rokoko.

<P>Das Bayerische Nationalmuseum feiert mit der Ausstellung "Franz Anton Bustelli - Nymphenburger Porzellanfiguren des Rokoko" diesen Meister der kleinen Form, der bis heute bezaubert und mit seiner Genialität "unsere" Porzellan-Skulptürchen über alle anderen des 18. Jahrhunderts hinaushob. Er entwickelte für die Manufaktur, die 1761 wegen Platzmangels nach Nymphenburg umzog (wo sie noch immer existiert), bis zu seinem Tod am 18. April 1763 fast 150 Modelle. Diese nutzte man weiterhin, arrangierte sie zum Teil anders, um "Neues" bieten zu können. Als das Rokoko aus der Mode kam, wurden Bustellis Negativ-Formen zerschlagen. Erst im 20. Jahrhundert wurde er wiederentdeckt; man machte Abgüsse - durchs Brennen sind sie aber ein Siebtel kleiner als die Originale - und versuchte sich an Nachmodellierungen. So können noch heutzutage nicht nur die beliebten bayerischen Löwen verschenkt werden, sondern Film-, Theater- und Literaturpreisträger dürfen sich über ihre Porzellan-Trophäen freuen. Stammen die doch aus Bustellis berühmtestem Figuren-Reigen: aus dem der Commedia dell'Arte.<BR><BR>Pantalone und Isabella, Capitano Spavento und der Dottore, Mezzetino und Lalage, Colombine und Scaramuz begrüßen als Erste den Besucher der Schau. Sie ist in blendendem Weiß gehalten, dem Weiß des Rokoko; schön lichtdurchflutet - wobei die Discokugeln an der Decke überflüssig sind (Architekten Hild und K). Jene Fahrensleute des Theaters, Jahrmarktschreier der Bühne, diese frechen, vitalen, bisweilen derben Schauspieler hat Bustelli höfisch überhöht (Comé die italienne). Er verschaffte ihnen so viel Grazie und so viel Bewegung, als hätte er eine raffinierte, sehr tänzerische Inszenierung plötzlich angehalten. Körper, Arme, Finger, Köpfe, Augen und sogar die Münder sind in Aktion; drehen sich zierlich um die Achse der Person. Was typisch Bustelli-stilisierte Lebendigkeit ist, hat aber auch ganz praktische Gründe. Die Figurengruppen dienten während des höfischen Service à` la franç¸aise beim Dessert-Gang als Tischdekoration, mussten also nach allen Seiten hin wirken. <BR><BR>So ein Aufbau wurde im Bayerischen Nationalmuseum zusammengestellt: ein Miniaturhofgarten mit Buchs-Rabatten, Kiesweg und Skulpturenschmuck. An den Damen und Galanen, die zum Teil vom Manufaktur-Vorgänger Joseph Ponhauser stammen, sieht man sehr schön, welch völlig andere Qualität an Gestaltung mit Bustelli plötzlich auftauchte. Er intensivierte auch den Dialog der Figuren. Gerade die Paare führen stets ein kleines Dramolett auf. Da sind zum Beispiel die einst äußerst beliebten "Fürwiz"-Gruppen, bei denen es heftig um Eros geht. Stürmische Kavaliere überraschen badende Schöne, oder Eifersuchts-Kerle nerven das Fräulein. Natürlich schuf Bustelli auch alles andere, was das Rokoko-Herz begehrte: Putten als antike Götter, Leute aus exotischen Gegenden von China bis Afrika, Allegorien und Tiere.<BR><BR>Ergänzt wird dieser Oeuvre-Überblick durch zwei Räume, die über die Porzellanherstellung, über Neudeck (sogar mit alten Rechnungsbüchern) und die heutige Manufaktur informieren. Das Beeindruckendste aber sind die Kruzifixe und der Hausaltar: Hier wird die Lebens-Tiefe hinter der verspielten Rocaille sichtbar.</P><P>Bis 13. März, Tel. 089/ 21 12 42 16; Katalog, C. H. Beck Verlag: 29,90 Euro.<BR></P>

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