Vier Tage vor Anschlag: Attentäter flog von Düsseldorf nach Manchester

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„Kunst ist ein Weg, die erlebte Gegenwart zu verstehen“: Ingvild Goetz zwischen den Werken ihrer Jubiläumsausstellung, hier Ei-Formen aus Gips von Mária Bartuszová, hinten Bilder von Anselm Kiefer.

Die Münchner Sammlung Goetz feiert 20. Geburtstag

Ingvild Goetz: „Ich bin wie ein Jäger“

München - Es war – und ist – der berühmteste Geheimtipp in Sachen Kunst in München: die Sammlung Goetz in der Oberföhringer Straße. Jetzt feiert das moderne Museum 20-jähriges Bestehen.

Als Ingvild Goetz vor 20 Jahren den Auftrag für ihre Vision, ein „Contemporary Monastery“, ein Kloster für zeitgenössische Kunst zu bauen, vergab, war die Nachbarschaft nicht begeistert. Ausgerechnet die damals ebenso jungen wie unbekannten Architekten Herzog & de Meuron konzipierten das radikal moderne Museum. Heute ist es eine Pilgerstätte für Architektur- und Kunstfreunde.

Als das Haus 2004 um die Medienräume erweitert wurde, bewies Ingvild Goetz erneut einen sicheren Instinkt für Entwicklungen und eilte der Zeit und den Münchner Institutionen voraus. Heute sind rund 5000 Werke in der Sammlung, es existieren Museumskooperationen von Bozen bis Nürnberg und auch mit dem Münchner Haus der Kunst. Erst kürzlich hat Goetz ihre Schätze dem Freistaat Bayern geschenkt. Ihre Bedingung: Das Haus soll weiterhin mit Gegenwartskunst bespielt werden. Ihr Traum: dass es im Kunstareal zusätzlich einen ganz großen Raum für Medienpräsentation gibt. „Ich habe das aber nicht an die Schenkung gekoppelt. Man wird darauf kommen, wie wichtig das ist.“

Ingvild Goetz hat für die Kunst, aber auch für sich selbst stets einen scharfen Blick gehabt: „Eigentlich wollte ich Malerin werden, merkte aber früh, dass mir das Talent dazu fehlte.“ Also gründete sie 1969 den Grafikverlag „edition art in progress“ in Konstanz, aus dem 1972 die Züricher Galerie „art in progress“ hervorging. Die Eröffnung mit Peter Vostell sorgte für einen Skandal – und für den Entzug der Schweizer Arbeitsgenehmigung. Ingvild Goetz führte die Galerie in Düsseldorf und München noch zwölf Jahre weiter. Rückblickend meint sie: „Ich war eine schlechte Verkäuferin, denn am liebsten hätte ich alles selbst behalten.“ Deshalb hat sie sich ab 1984 voll aufs Sammeln konzentriert: Kunst ist für sie nicht nur eine Leidenschaft, sondern auch „ein Weg, die erlebte Gegenwart zu verstehen und sich für sie zu sensibilisieren“.

„Ich bin wie ein Jäger, schaue mir alle Galeristen an und setzt sie dann auf mein Thema an“, sagt Ingvild Goetz über sich. Zuletzt rückte wieder die „arte povera“ in ihr Blickfeld, die sie schon in den 60er- und 70er-Jahren entdeckt hatte. „Mich haben die Außenseiter interessiert. Die Popkunst war mir zu glatt. Auch das Reduzierte fand ich viel spannender.“ Auf ihrer ersten New-York-Reise wollte sie mit dem Telefonbuch in der Hand die aktuelle Kunst kennenlernen. Vor diesem „völlig naiven“ Unterfangen rettet sie Harald Szeemann und stellte wichtige Kontakte her.

Bis heute ist Goetz mit vielen Künstlern ihrer Sammlung befreundet und gestaltete lieber Künstlerräume als thematische Präsentationen. Als sie kürzlich in Italien auf den Spuren der „arte povera“ wandelte, hat ihr das kaum neue Kunst, „aber ganz viel Wissen“ eingebracht – das irgendwann auch noch in Buchform, eventuell einer Autobiografie, erscheinen wird. Bis dahin sondiert sie weiterhin das kreative Geschehen: „Zeitgenössische Kunst ist im Augenblick ganz schwierig. Viele Künstler passen sich dem Markt stark an.“ Mode war nie ihr Ding, Entdeckungen schon viel eher: Dazu gehören in der Jubiläumsschau die Positionen, die lange hinter dem „Eisernen Vorhang“ versteckt waren.

Freia Oliv 

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