Münchner Satire

- Cornelia Albrecht, vom Kulturausschuss abgesegnet, nun doch designierte Dance 2004-Kuratorin. Ein Wunder? Nein, eine zynische Realsatire - verfasst von Lydia Hartl: Münchens Kulturreferentin wollte (was sonst?) Cornelia Albrecht, die Dance 2002 kuratiert hatte, abgelöst wissen. Ihr gutes Recht. Aber statt es der in existenziellem Schwebezustand Bangenden offiziell mitzuteilen, lässt sie Albrecht in der Warteschleife verhungern: von Mitte Januar 2002 bis Anfang Juli 2003 keine Brief-, Fax- oder mündliche Reaktion auf die wiederholten Anfragen von Albrecht, die immerhin noch Dance-2004/06-Optionen von Hartls Vorgänger Nida-Rümelin hatte. Und auch allmählich die Programmierung in Angriff nehmen musste.

<P>Stattdessen trägt Lydia Hartl dem Joint-Adventures-Chef Walter Heun Dance 2004 an. Und der, um seiner künftigen Arbeitgeberin wohl die unangenehme Mühe zu ersparen, benachrichtigt am 25. Mai 2003 die Verliererin. Die in Akademikerkreisen zwecks Problem-Selbsterledigung praktizierte Verschleppungstaktik und die Hintenherum-Mauschelei produzieren die Über-Farce.</P><P>Aber warum hat Heun, dessen Tanzwerkstatt Europa man seit 1991 schätzt, sich doch noch als Kandidat aus dem Feld gezogen? Spekulationen: Ungelenk-naiv hatte er jüngst als Stipendien-Kurator ein Kunst-Tanzprojekt mit seiner Frau Sabine Glenz empfohlen. Ein Stolperstein? Oder hätten Albrechts Optionen die Stadt einen Batzen Geld gekostet? Oder hat Heun kurz vor 12 noch kapiert, dass man als eigenständiger Impresario hundertmal besser dran ist, denn als leicht abzuschießender Zuarbeiter des Kulturreferats, wenn das Gesicht oder sonst was nicht passt? Cornelia Albrecht ist möglicherweise nicht "telegen" -eines der Erfordernis-Attribute für relevante Kulturarbeit laut Hartl in einer BR-TV-Talkrunde . . .</P><P>Aber die Theaterwissenschaftlerin hat mit ihrem Mann in den 80ern Merce Cunningam, Edouard Locks kanadische "Lalala", fast die gesamte Postmoderne in die Alabama-Halle geholt. Sie hat Dance 98 mit Mini-Budget gestemmt, ein interessantes Dance 2002. Kultur-Management, PR, Sponsoring: Albrechts praktische Erfahrungen. Lydia Hartl hat, gewiss, die Freiheit, ihre Vorstellungen umzusetzen. Nur erwartet man von ihr einen ihrem Kulturauftrag entsprechenden Umgangsstil - einen kultiviert menschlichen.<BR><BR></P>

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