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Schwungvoll: Der Kinofilm „Der letzte schöne Herbsttag“ mit Julia Koschitz und Felix Hellmann startet morgen.

Schauspielerin Julia Koschitz: Alles, nur keinen Einheitsbrei

München - Ihr Leben ist zur Zeit ganz schön stressig. Gerade stand Julia Koschitz noch für eine deutsch-österreichische Krimiproduktion vor der Kamera. Dann fanden Voraufführungen von „Der letzte schöne Herbsttag" in Köln und Düsseldorf statt.

Dazwischen Interviews, übers Wochenende zusätzlich die Dreharbeiten für einen Kurzfilm, außerdem noch die Vorbereitung und die Kostümproben für einen Kinofilm, den sie ab 18. November in Argentinien drehen wird: Regisseurin Isabel Kleefeld hat Daniel Kehlmanns Bestseller „Ruhm“ adaptiert. Sehr gelungen, wie Julia Koschitz meint, die eine der Hauptrollen übernimmt. Ein paar Castings für kommende Projekte komplettieren den überfüllten Terminkalender.

Doch die sympathische Schauspielerin mit der markanten Stimme wirkt, als ob ihr das alles nichts ausmachen würde. „Es ist momentan schon ziemlich viel auf einmal“, gibt die 35-Jährige zu. „Aber ich arbeite gerne parallel an verschiedenen Projekten.“ Weil es ihr einen neuen Blick auf die jeweiligen Rollen verleiht: „Sich tief in einen Stoff hineinbegeben während der Vorbereitung, das macht man sowieso. Das Entscheidende ist, auch wieder die Sicht von außen gewinnen zu können. Daher finde ich einen Wechsel zwischen zwei Sachen manchmal ganz spannend.“

Sieht man sich die vollkommen unterschiedlichen Rollen an, die die in Brüssel geborene und heute in München lebende Österreicherin während ihrer noch kurzen Karriere gespielt hat, muss Koschitz das parallele Arbeiten seit ihrer Ausbildung am Wiener Franz-Schubert-Konservatorium trainiert haben: Auf der Bühne schlüpfte sie in Figuren wie die Marie in Büchners „Woyzeck“, die Hero in Shakespeares „Viel Lärm um Nichts“ oder die Annie in „Oberösterreich“ von Franz Xaver Kroetz. Sie spielte in griechischen Komödien wie Aristophanes’ „Lysistrata“, aber auch in modernen Dramen wie Yasmina Rezas „Gott des Gemetzels“. Bei den Bayerischen Theatertagen 2006 erhielt sie den Darstellerpreis als Titelheldin in Ibsens „Nora“.

Einem großen Publikum wurde Koschitz aber durch Fernsehserien wie „Doctor’s Diary“ oder „München 7“ bekannt. „Dass mich Franz Xaver Bogner für ‚München 7‘ engagiert hat, das war mein großes Glück. Denn ich hatte damals nur ein paar Hochschulfilme gedreht. Durch seine Rolle hat er mir, ohne Übertreibung, den Eintritt in die Fernsehbranche verschafft“, erklärt sie mit Nachdruck. Dabei war ihre erste Begegnung mit dem bayerischen Kultregisseur nicht sehr erfolgreich: „Ein halbes Jahr, bevor er mich wegen ‚München 7‘ anrief, wurde ich für eine Folge von ‚Café Meineid‘ zu ihm gebeten. Er wollte wissen, ob ich Bairisch spreche.“ Doch das kann Julia Koschitz nicht. „Das Höchste ist Süddeutsch und ansonsten ein leichtes Wienerisch“, gesteht sie. „Also habe ich die Rolle nicht bekommen und war ganz unglücklich.“

Trotzdem findet sie dieses Auswahlkriterium nach wie vor gut: „Ich finde es toll, dass der Franz in seinen bayerischen Geschichten wirklich nur Leute besetzt, die auch Bairisch sprechen. Das ist genau richtig so. Ich mag Filmemacher, die ihre Geschichten konsequent und auf ihre ganz eigene Art erzählen, die sich dabei selbst treu bleiben. Lieber damit spalten als einen angepassten Einheitsbrei fabrizieren.“

Das könnte ein Lebensmotto von Julia Koschitz sein. Sie will sich ausprobieren, gerne auch anecken und sich keinesfalls festlegen auf Theater, Fernsehen, Kino oder ein bestimmtes Genre. „Ich möchte mich nicht wiederholen, sondern einfach alles machen und finde es wunderbar, wenn die Leute das lieben - oder auch nicht.“

Eine Wiederholung gab’s aber doch in ihrem Leben: Mit Regisseur Ralf Westhoff, mit dem sie bereits dessen hochgelobtes Debüt „Shoppen“ drehte, hat sie zum zweiten Mal gearbeitet. „Der letzte schöne Herbsttag“ wird morgen in den Kinos starten. Wieder ist es eine intelligente Beziehungskomödie, und wieder, was der Schauspielerin wichtig ist, trotz des eingängigen Themas „absolut kein Mainstream“. Die weibliche Hauptrolle, Julia Koschitz’ Claire, ist kompliziert, hypochondrisch und fordernd. „Mit dem Wesen von Claire habe ich nicht sehr viel gemein. Aber mit ihrer Sehnsucht nach Intensität und Auseinandersetzung in ihrer Beziehung kann ich mich total identifizieren.“

Ulrike Frick

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