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Im Jahr 2020 könnten - wenn alles im Zeitplan bleibt - an Münchens Kulturzentrum die Bagger anrücken. Die vom Gasteig-Team favorisierte Umbauvariante würde 450 Millionen Euro kosten.

Umbau für 450 Millionen Euro

Beratung zur Gasteig-Sanierung: Es geht ums Ganze

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München - Mit der Generalsanierung des Gasteig befassen sich am heutigen Dienstag Ausschüsse des Münchner Stadtrats. Die vom Gasteig-Team favorisierte Variante würde 450 Millionen Euro kosten. Zugleich sind einige missverständliche bis falsche Informationen in Umlauf.

Diese Vorlage ist rekordverdächtig: 546 Seiten oder, wer sich’s am Computer herunterladen will, 35,46 Megabyte. Aber es geht schließlich ums Ganze – um die Renovierung des Münchner Gasteig, mit der sich heute mehrere Ausschüsse des Stadtrats in einer gemeinsamen Sitzung befassen, bevor am 5. April das Plenum darüber entscheidet. Auch wenn das Team um den neuen Gasteig-Chef Max Wagner eine Generalsanierung für 450 Millionen Euro empfiehlt, ist noch alles offen. Es wäre durchaus möglich, dass sich die Stadträte auf eine kleine Lösung verständigen, die nur die sicherheitstechnisch notwendigen Maßnahmen umfasst. Kostenpunkt hier: 235 bis 260 Millionen Euro.

Seitdem das Thema, auch aufgrund einer klugen PR-Taktik Max Wagners, in der Stadt kursiert, halten sich eine Menge Gerüchte. Zum Beispiel dieses, dass die Stadtkämmerei die große Lösung ablehnt. „Aus rein baulicher Sicht“ sei die 450-Millionen-Euro-Variante nicht notwendig, heißt es zwar in der Sitzungsvorlage. Vor dem Hintergrund einer „zukunftsfähigen Nutzung“ allerdings könne  man   durchaus  darüber reden. Kämmerer Ernst Wolowicz weist in der Stellungnahme seines Referats darauf hin, dass die Max-Wagner-Lösung mitnichten für 450 Millionen Euro zu haben sei. Da für die Gasteig-Nutzer wie Volkshochschule und Musikhochschule während der Umbauzeit zusätzliche Büroflächen angemietet werden müssten, sei eher von Kosten um die 550 Millionen Euro auszugehen. Abgesehen davon, so empfiehlt die Kämmerei, solle man die Bedarfsprogramme der Gasteig-Nutzer „deutlich reduzieren“.

Die Paketposthalle ist nicht aus dem Rennen

Ein weiterer heikler Punkt: Wo soll die Ausweichspielstätte für die Philharmonie platziert werden? Auch hier sind Falschinformationen im Umlauf. Angeblich, so heißt es, sei die Paketposthalle aus dem Rennen. Dem ist nicht so, wie unter anderem aus dem Gasteig bestätigt wird. Seitens der Post, deren Briefverteilzentrum dann verlegt werden müsste, formuliert man die Sache eher vorsichtig. „Wir fühlen uns am jetzigen Standort sehr wohl“, sagt Klaus-Dieter Nawrath von der Deutschen Post. Derzeit gebe es zwar keine Umsiedlungspläne. Aber: „Wenn uns ein Alternativstandort angeboten wird, müsste man das eben prüfen. Man soll nie etwas für alle Zeiten kategorisch ausschließen.“ Der Vorteil der Paketposthalle: Nicht nur eine Interims-Philharmonie könnte auf dem Gelände untergebracht werden, auch die anderen Gasteig-Nutzer könnten dort ihre Ersatzflächen bekommen. Außerdem ist der Standort relativ zentrumsnah. Mehrfach hatten Münchner Philharmoniker und Privatveranstalter deutlich gemacht, dass sie bei einer Ausweichspielstätte wie etwa in Riem Publikumseinbrüche befürchten. 37 Millionen Euro soll nach bisheriger Planung die hölzerne Ersatz-Philharmonie mit ihren 1800 Plätzen kosten. Das Gasteig-Team geht von zwölf Monaten Bauzeit aus, danach könnte – dafür gibt es europaweit mehrere Beispiele – das Gebäude weiterverkauft werden.

Trotz aller Bedenken gilt das weit außerhalb gelegene Grundstück an der Olof-Palme-Straße in Riem weiter als ein hoher Favorit. Das Areal gehört der Stadt, Verhandlungen mit anderen Eigentümern würden sich damit erübrigen. Als weitere Variante ist bekanntlich ein Grundstück an der Schönstraße unweit des Candidplatzes im Gespräch. Dieses befindet sich ebenfalls in kommunalem Eigentum. Doch dagegen regt sich Widerstand aus der Stadt. Das Referat für Stadtplanung und Bauordnung gibt in der Sitzungsvorlage zu bedenken, dass man dort einer Jugendfreizeitstätte und einer Kindertagesstätte ins Gehege käme.

Heftige Ablehnung aus dem Deutschen Museum

Einem Stich ins Wespennest kam der Vorschlag gleich, die Konzerte während des Gasteig-Umbaus könnten doch im reanimierten Kongresssaal auf der Museumsinsel untergebracht werden. Münchner Philharmoniker und Private halten das für die beste Lösung. Sowohl bei der Museumsleitung als auch bei den dortigen Gremien hat das heftige Gegenwehr provoziert. Nach jahrelangen Ankündigungen, denen bislang kaum Taten folgten, hat sich nun der Verwaltungsrat mit einem eigenen Nutzungskonzept für die Nordinsel beschäftigt. Eine Interimsspielstätte für den Gasteig wurde dort, so ist zu hören, auch mit den Stimmen des Freistaats und der Landeshauptstadt einstimmig abgelehnt. Am 8. Mai wird sich dann das Kuratorium des Deutschen Museums mit den Plänen befassen. Die Bauarbeiten im Nordteil der Insel sollen 2021 starten – auf das Finanzierungsmodell ist man nicht nur in der Staatsregierung gespannt.

Auch wenn das Deutsche Museum möglicherweise ausfällt als Interimslösung, so ist doch – im Gegensatz zu einigen Berichten – nicht ganz richtig, dass Riem, Candidplatz und Paketposthalle als alleinige Interims-Areale übrig bleiben. Im Gasteig gibt man sich weiterhin offen für andere Vorschläge. Sollte also heute der gemeinsame Ausschuss und Anfang April dann der Stadtrat einen Planungswettbewerb für die Gasteig-Sanierung beschließen, könnten immer noch andere Areale einbezogen werden.

Dies alles zeigt, dass der Gasteig-Umbau nicht nur ein kommunales Planungsthema ist. Informationen, die missverständlich eingeordnet, instrumentalisiert, als Neuheit verkauft oder verkürzt wiedergegeben werden: Die Generalsanierung ist auch ein aufschlussreiches Medienthema – wie übrigens die Debatte um den neuen Konzertsaal, die im Falle von manchen Veröffentlichungen die Schwelle zur Kampagne überschritt.

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