1. Startseite
  2. Kultur

Münchner Volkstheater: Emotionaler Ausnahmezustand

Erstellt:

Von: Michael Schleicher

Kommentare

„Civilisation“ war aus Großbritannien beim Festival „Radikal jung“ am Münchner Volkstheater zu Gast.
Gastspiel am Münchner Volkstheater bei „Radikal jung“: die Inszenierung „Civilisation“. © Alex Brenner/Münchner Volkstheater

Beim Festival „Radikal jung“ am Münchner Volkstheater war das Antler Theatre aus Großbritannien zu Gast: „Civilisation“ von Jaz Woodcock-Stewart und Morgann Runacre-Temple erzählt von einer Frau im Ausnahmezustand. Unsere Kritik:

Ihr T-Shirt lügt. „Too good to be true“ steht auf der ausgewaschenen Klamotte. Doch im Leben dieser namenlosen Frau, die uns am Donnerstagabend auf der Bühne 1 des Münchner Volkstheaters begegnet, ist gerade überhaupt nichts gut. Was genau vorgefallen ist, wissen wir nicht und werden es auch nicht im Lauf dieser intensiven 80 Minuten erfahren. Alles deutet darauf hin, dass sie ihren Liebsten beerdigen musste – nun ist sie allein und in einem emotionalen Ausnahmezustand.

Münchner Volkstheater: „Civilisation“ überzeugt

Mit „Civilisation“ ist die Regisseurin Jaz Woodcock-Stewart zu Gast beim Festival „Radikal jung“ am Münchner Volkstheater. Der Abend, den die Britin mit der Choreografin Morgann Runacre-Temple erarbeitet hat, ist rätselhaft, todtraurig, herrlich komisch – und, wenn man sich einlässt, von enormer Intensität. Zugleich fasziniert die Produktion durch einen munteren Mix der künstlerischen Darstellungsformen. Caroline Moroney braucht kaum Worte, um berührend vom Leben ihrer Figur zu erzählen. Alltagsgeräusche, vor allem aber Musik, treiben die Geschichte voran, die im Tanz kommentiert wird: Imogen Alvares, Stefania Pinato und ihr Kollege Brannon Yau beherrschen klassisches Ballett ebenso wie sie Modern Dance, Hip-Hop und Zitate aus Stummfilm- und Slapstickklassikern in die Choreografie einweben. „Too good to be true“.

Das gilt übrigens auch für den Eindruck, den das Team aus Großbritannien vom Volkstheater hat. Auf Instagram schrieben die Künstlerinnen zu einem Foto des Neubaus: „Deutschland baute dieses Theater während des Lockdowns, was haben die Konservativen in Großbritannien in dieser Zeit getan? Die Kunstförderung um 50 Prozent gekürzt und Kunst aus den Lehrplänen gestrichen.“ (Noch mehr zum Regiefestival „Radikal jung“? Lesen Sie hier unsere Kritik zu den „Stripperstories“.)

Weitere Informationen: Das Regiefestival „Radikal jung“ endet an Samstag, 2. Juli 2022, mit „It’s Britney, Bitch!“
(16 Uhr und 20 Uhr), „Die Jungfrau von Orleans“ (19.30 Uhr) und „Karadeniz“ (21 Uhr); danach steigt das Abschlussfest.

Auch interessant

Kommentare