Szene aus „It‘s Britney, Bitch!“ mit Schauspielerin Sina Martens aus dem Berliner Ensemble (BE).
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Der Überraschungshit aus dem Berliner Ensemble kommt nach München: „It’s Britney, Bitch!“ von Regisseurin Lena Brasch und Schauspielerin Sina Martens erzählt über das Leben des Popstars Britney Spears.

Nach der Corona-Zwangspause

Münchner Volkstheater: Festival „Radikal jung“ ist zurück

  • Michael Schleicher
    VonMichael Schleicher
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Nach zweijähriger Corona-Zwangspause ist „Radikal jung“ zurück am Münchner Volkstheater. Das „Festival für junge Regie“ startet am 24. Juni und zeigt elf Produktionen aus Kiew, Athen, Berlin, Düsseldorf, London, Mannheim, Oberhausen, Paris und München.

Meine Güte, es stimmt ja: Man muss sie suchen, die guten Nachrichten in diesen bescheidenen Tagen. Die hier zählt definitiv dazu: „Radikal jung“ ist zurück am Münchner Volkstheater. Corona hat das Festival für junge Regie in den vergangenen zwei Jahren zur Zwangspause verdonnert. Die ist vorbei – endlich. Um ganz sicher zu gehen, haben die Verantwortlichen den Reigen vom April in den Frühsommer verlegt: Vom 24. Juni bis zum 2. Juli 2022 können Interessierte anhand von elf nach München eingeladenen Produktionen einen Blick auf das Theater von Morgen werfen. Welche Themen, Fragen treiben junge Regisseurinnen und Regisseure um? Mit welchen Handschriften und Ästhetiken erzählen sie davon? Zudem ist „Radikal jung“ natürlich immer auch Festival im Wortsinn, eine Feier der Begegnung, des Miteinanders. Daran zu erinnern ist heute wichtiger denn je.

Die Festivalmacher um Volkstheater-Chef Christian Stückl (re.): Jens Hillje (Mi.) leitet erstmals die Jury, zu der auch Florian Fischer gehört.

Einiges ist allerdings neu: Da das Volkstheater inzwischen an die Tumblingerstraße umgezogen ist, kann diese Ausgabe auf drei Bühnen stattfinden. Die Jury, die rund 60 Produktionen gesichtet hat, versteht sich unter ihrem neuen Chef, Theatermacher Jens Hillje, als „kuratorisches Team“. Dessen Schwerpunkt liege verstärkt auf der „Betreuung“ der Regisseurinnen und Regisseure, nicht auf deren Beurteilung. Man wolle das „Publikumsfestival“, das „Radikal jung“ immer war, um den Aspekt des „Arbeitsfestivals“ ergänzen: Künstlerinnen und Künstler sollen einander begegnen, in den Austausch miteinander treten. So werden etwa die Publikumsgespräche ersetzt durch das Format „Künstler*innengespräche“. Neu ist auch die „Late Night“, mit dem Ziel, „aus dem Theater rauszugehen, um ins Theater zurückzukehren“, wie es Kurator Florian Fischer formuliert. Man wolle Theater als „kollegiale Disziplin des Nachtlebens“ vorstellen. Wie genau das geschehen wird, soll Anfang Juni verraten werden.

Aus der Ukraine kommt das Left Bank Theatre Kiew

Unter den elf Arbeiten, die Hillje, Fischer sowie die Theaterkritikerin Christine Wahl und ihr Kollege C. Bernd Sucher eingeladen haben, sind zehn Uraufführungen. Lediglich Ewelina Marciniak hat sich am Nationaltheater Mannheim mit klassischer Dramenliteratur beschäftigt. Sie kommt mit Schillers „Jungfrau von Orleans“.

Zum Auftakt von „Radikal jung“ ist das Left Bank Theatre aus Kiew mit „Bad Roads. Sechs Geschichten über das Leben und den Krieg“ zu Gast.

Der Auftakt steht ganz unter dem Eindruck des Weltgeschehens: Das Left Bank Theatre aus Kiew eröffnet „Radikal jung“ mit „Bad Roads“. Die „sechs Geschichten über das Leben und den Krieg“ basieren auf Recherchen im Donbass. Stark vertreten ist zudem die feministische Perspektive im Programm: Natürlich fällt Schillers Johanna darunter, aber auch „Civilisation“, eine Arbeit aus London von Jaz Woodcock-Stewart, die von einer Frau im Ausnahmezustand erzählt, – und „It’s Britney, Bitch!“ über die Aufs und Abs im Leben von Britney Spears. Das Solo, das Schauspielerin Sina Martens unter der Regie von Lena Brasch erarbeitet hat, ist ein Publikumsrenner am Berliner Ensemble. Aufgrund der Nachfrage dort wurde die Inszenierung, die eigentlich für den Werkraum konzipiert war, am Donnerstag, 28. April 2022, erstmals im Großen Haus gezeigt.

Britney-Spears-Abend aus dem Berliner Ensemble zu Gast

Diese Arbeit ist letztlich auch eine Feier des Eigensinns, der Widerstandsfähigkeit. Und das ist nicht der schlechteste Ansatz, wenn es um den Neustart eines Theaterfestivals geht. Gastgeber und Volkstheater-Intendant Christian Stückl erklärte jedenfalls, frei nach dem Hit „Oops! I did it again“ von Spears: „Ich bin total froh, dass wir es wieder machen. Auch wenn ich nicht weiß, was rauskommt.“ Das aber war schon immer die Stärke, der Reiz von „Radikal jung“. Bleibt uns nur, freudig zu rufen: „Baby, one more Time!“

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