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Intendant Christian Stückl im Innenhof des Münchner Volkstheaters. Hier soll eine Freiluftbühne entstehen.

Münchner Volkstheater trotzt Corona und stellt seine Pläne für die neue Spielzeit vor

Christian Stückl plant Sommertheater

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Das Münchner Volkstheater geht in die Sommerpause – und will am 24. Juli in die neue Spielzeit starten. Intendant Christian Stückl macht klar: „Wir wollen keine Kurzarbeit – wir wollen spielen.“

Nein, den Vorwurf, im Münchner Volkstheater herrsche Sendepause, will Christian Stückl nicht auf sich sitzen lassen. Und spätestens seit Mittwochvormittag ist klar, wie falsch diese Kritik ist. Der Intendant hat die Corona-Zwangspause genutzt, um mit seinem Team an einem Plan für die städtische Bühne zu arbeiten. Und dieser Plan lautet: „Wir wollen keine Kurzarbeit – wir wollen spielen. Also müssen wir ein Programm für diese Situation entwickeln.“

Das Volkstheater geht jetzt in die Spielzeitpause

Die Ideen seines Hauses hat der 58-Jährige nun vorgestellt – und die haben es in sich, denn sie sind kreativ, flexibel und nehmen Rücksicht auf die Gesundheit: Stückl macht Sommertheater. Dazu geht das Volkstheater bereits jetzt in die Spielzeitpause – und will am 24. Juli in die neue Saison starten, rund zwei Monate früher als üblich.

Die Pressekonferenz, auf der Ministerpräsident Markus Söder den entlarvenden Satz „Zur Kultur nur ganz wenig“ sprach, ist keine 24 Stunden her, da macht Stückl im Foyer seines Theaters an der Brienner Straße klar, dass es anders gehen muss: „Es ist ein furchtbarer Zustand zu warten, zu warten, zu warten. Ich habe es nicht mehr ausgehalten.“ Online weiter Programm zu machen, wie viele andere Häuser, ist nichts für ihn. „Ich finde spannend, was viele Kollegen im Internet machen. Aber meine Bühne ist das nicht.“ Also mussten andere Ideen her. Denn: „Wenn ich noch bis Herbst warten muss, brennt bei mir das Notaggregat durch.“

Fünf Corona-taugliche Inszenierungen werden vorbereitet

Zugleich will Stückl aber einen „Schnellschuss“ vermeiden. Bis 14. Juni bleibt das Volkstheater daher geschlossen; die Pause soll genutzt werden, um mit den Behörden das Hygiene- und Schutzkonzept für den Proben- und Vorstellungsbetrieb zu finalisieren. Am 15. Juni könnte dann wieder probiert werden. Fünf Produktionen sind für die neue Spielzeit geplant, die einen flexiblen Spielplan ermöglichen. Entwickelt werden diese „Corona-tauglichen“ Abende mit dem Ensemble; inszenieren werden Mirjam Loibl, Sapir Heller, Simon Solberg (er richtet etwa Josef Haders „Indien“ ein), Abdullah Kenan Karaca sowie der Hausherr selbst. Die beiden Regisseurinnen sollen als Erste Premiere feiern. Welche Stücke sie erarbeiten, wird derzeit diskutiert.

Die Spielzeit im Volkstheater soll am 24. Juli starten

Die Saison soll am 24. Juli starten. „Wenn alle Zeit haben, mit Beginn der Sommerferien, wollen wir zurück sein“, sagt Stückl. Das Besondere: Der Intendant wird in den Innenhof, der bislang teilweise vom Restaurant Meschugge als Freischankfläche genutzt wird, eine Bühne bauen. Bis zu 50 Menschen könnten hier unter Einhaltung der Abstandsregeln sitzen. Auch der große Saal, der bislang rund 600 Gäste fasst, wird für die neue Spielzeit umgebaut: Jede zweite Stuhlreihe wird entfernt, zwischen jedem Zuschauer bleiben drei freie Plätze. „Lieber spielen wir vor 100 Leuten, als dass wir gar nicht spielen.“

Geplant sind kurze Inszenierungen, 60 bis 90 Minuten lang, sodass sie ohne Pause über die Bühne gehen. Das verringert Kontaktmöglichkeiten innerhalb des Publikums – vielleicht sind dann sogar zwei Vorstellungen am Tag möglich. Zudem denken die Theaterleute über ein Kinderprogramm (etwa Zeichenkurse mit Karikaturisten) nach; der „Dämmerschoppen“ auf der Freiluftbühne soll Musiker unterstützen, die wie viele andere freie Künstler unter der derzeitigen Lage finanziell besonders leiden. Möglich ist all das, weil die Mitarbeiter des Volkstheaters mitziehen – ihnen dankt der Intendant an diesem Vormittag gleich mehrfach. Stückl redet aber auch seinen Intendantenkollegen ins Gewissen: „Wir in den Stadt- und Staatstheatern sind in einer sicheren Position. Das darf uns aber nicht dazu verleiten, nichts zu tun.“

„Ich will nicht totgeschwiegen werden“, sagt Christian Stückl

Noch sei alles nur eine Idee, räumt er ein. „Wir sind abhängig davon, dass uns die Politik spielen lässt.“ Einen hat er bereits überzeugt: Anton Biebl. „Wir wollen nicht länger auf Sicht fahren, sondern flexible Lösungen anbieten, wie ein Theaterangebot in diesen Zeiten aussehen kann“, sagt Münchens Kulturreferent und dankt ebenfalls den Beschäftigten, „die sich auf dieses Experiment einlassen“. Es ist auffallend, wie wenig dem politischen Betrieb derzeit zu Kunst und Kultur einfällt. Auch Christian Stückl ärgert das. „Ich will nicht totgeschwiegen werden. Das geht nicht. Vielleicht hat die Kultur nicht dieselbe Lobby wie der Fußball, die katholische oder evangelische Kirche. Aber ich lass mich nicht aufs Trockeneis legen. Ich will selber dampfen.“ Ein Glück. Denn das Potenzial dazu ist so was von da.

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