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Traumwandlerisch in der „Metropolis“-Welt.

Tollwood-Auftakt

Tanztheater der Extraklasse: Cirque Éloize

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München - Das Münchner Winter-Tollwood wurde mit „Cirkopolis“ eröffnet

Auf zu „Cirkopolis“: Diese Show des Cirque Éloize aus Montreal ist Extraklasse. Schon vor Jahren begeisterte die Truppe hier im Deutschen Theater mit ihrem frischen grenzgängerischen Stil. Jetzt im Grand-Chapiteau-Zelt erleben wir ihre flirrende Akrobatik eingebettet in Tanztheater und fantastische Bildwelten, inspiriert von Fritz Langs „Metropolis“ und Terry Gilliams „Brazil“.

Atemberaubend, wie Videokünstler Robert Masicotte auf einer Breitwand riesige Zahnräder kreisen lässt, wie Wolkenkratzer auf uns zu fahren oder wir in triste graue Verwaltungsflure und Staatsarchive hineingezoomt werden. Die Bedrohlichkeit der beiden filmischen Anti-Utopien wird natürlich hier spielerisch aufgelöst. Mit einem Schuss Satire, was dem ehemaligen Monty-Python-Mitglied Gilliam behagen müsste.

Die zehn „Éloizes“, einheitlich in Anzug, Trench und Hut, sind die grauen Technokraten-Unterlinge – die bald aus dem Arbeitsdrill ausbrechen. Sie knallen ihrem Chef die Anträge stapelweise hin, setzen mit Salto und Radschlag über seinen Arbeitstisch. Er selbst, pflichtvergessen – hinreißend Asley Carr in dieser zarten clownesken Szene –, leistet sich eine Flirt-Pause mit einer Dame, die nur als Gewand an einer rollenden Kleiderstange existiert.

Ja, es gibt auch solche leisen lyrischen Szenen, wie das Traumwandeln einer Balance-sicheren Ballerina auf den Händen hochgestreckter Männerarme oder die hochtänzerisch schwingenden Körperfiguren in einem kreiselnden Reifen. Keine Disziplin des akrobatischen Zirkus, die diese Crew nicht drauf hat, und immer im technisch „allerletzten Schrei“. Beim Jonglieren mit zig Kegeln werden noch Pirouetten gedreht; im Rhönrad, an Senkrecht-Seil und -Stange agieren eher phänomenal biegsame Luft-Tänzer als Akrobaten.

Tanz ist tatsächlich durchgehend ein wesentliches Element. An der Seite von „Éloize“-Chef und Regisseur Jeannot Painchaud hat der renommierte Kanadier Dave Saint-Pierre, hierorts durch zwei Gastspiele bestens bekannt, die Zirkus-Nummern mit choreografischer Bewegung verwoben. Ein Damen-Duo hoch am Trapez wird da mit Revue-Gesten und -Schritten oder Jazz-Figuren des Ensembles untermalt. Auf den Punkt stimmig ist auch die musikalische Untermalung zwischen Rhythmusgeber, Chaos-Getöse und schmelzenden Songs.

Karten unter 089/54 81 81 81.

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