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Nicht einfach vorlesen – Laura Maire will in den Texten aufgehen.

„Sprache ist wacklige Brücke“

Münchnerin bekommt Deutschen Hörbuchpreis

München - Die Münchner Schauspielerin und Sprecherin Laura Maire wird in Köln mit dem Deutschen Hörbuchpreis geehrt. Schon mit sechs Jahren hat sie mit dem Synchronsprechen angefagen.

Sie hat etwas Eulenhaftes: Die walnussgroßen braunen Augen ruhen intensiv auf ihrem Gegenüber – Laura Maire scheint genau zu beobachten. Und wie das Tönen einer Eule hört man auch ihre Stimme oftmals, ohne ihr Gesicht dabei zu sehen. Die 34-jährige Münchnerin ist neben ihrem Schauspielberuf Synchron- und Hörbuchsprecherin und erhält am Mittwoch den Deutschen Hörbuchpreis für die Lesung des Thrillers „Schattengrund“. Das Preisgeld von 3333 Euro wird sie an die Klinikclowns spenden.

Laura Maire ist keine, die einfach vorliest, was ein anderer geschrieben hat. Sie möchte immer den Text nachempfinden, sich völlig in ihn hineinbegeben. Das macht sie schon seit der Grundschule so. Auch da hat sie gern vorgelesen – auch eigene Texte. „Reiseberichte zum Beispiel“, erzählt sie und muss ein bisschen lachen.

„Ja, das war das Erste, was ich in der Schule vorgelesen habe: über eine Reise mit meiner Familie nach Spanien. Über Córdoba und über den Stierkampf; über Hunde, die ich da aufgelesen habe und Zigeunerkinder, mit denen ich gespielt habe.“

Und wenn sie das so erzählt, diese zierliche Frau, im Caffè Ristretto, einem ihrer Lieblingscafés auf der Schwanthalerhöhe, klingt das wie ein Hörbuch, dem man am liebsten weiter lauschen mag. Auch jetzt liegt ein Buch vor ihr auf dem Tisch: Martin Suter: „Die Zeit, die Zeit“. Weil sie der erste Satz so gereizt hat, hat sie getan, was man nicht tun darf: Sie hat das Ende zuerst gelesen. „Ich weiß, ich weiß – das darf man nicht“, ruft sie lachend. „Aber der erste Satz war so schön, nach dem Satz habe ich mir überlegt, ob ich überhaupt weiterlesen soll, weil man da so schön weiterträumen kann.“

Mädchenhafte, aber auch sehr weibliche Stimme

Sie liest ihn vor, mit dieser ein bisschen mädchenhaften, gleichzeitig sehr weiblichen und dadurch ungemein reizvollen Stimme, die sie sowohl Disney-Animationsfiguren als auch verführerischen Damen in französischen Filmen geliehen hat: „Etwas war anders, aber er wusste nicht, was.“ Dieser Satz war es, der Maire so neugierig gemacht hat, dass sie gleich wissen wollte, was da noch vor sich geht.

Überhaupt will sie immer alles genau wissen. Unter anderem ein Grund, weshalb sie Schauspielerin werden wollte. Schon mit acht Jahren stand ihr Berufsziel fest: „Ich will wissen, wie sich das alles anfühlt. Also die verschiedenen menschlichen Gefühle, Verhaltensweisen“, sagt sie. „Ich hab manchmal das Gefühl, ich hab nicht so viel Zeit und ich will ganz schnell alles auskosten, was es hier so gibt auf der Welt. Das ist alles so wertvoll. Und als Schauspielerin und Sprecherin hat man dazu die Gelegenheit.“

Mit sechs Jahren fing sie mit dem Synchronsprechen an. Nach dem Abi ging es auf die Schauspielschule in Frankfurt, einen Abschluss machte sie dort jedoch nicht, weil ihr die Hauptrolle in der ARD-Vorabendserie „Verdammt verliebt“ angeboten wurde. Mit dem dort verdienten Geld nahm sie privaten Schauspielunterricht bei einer Münchner Lehrerin. Heute macht die Mutter eines achtjährigen Sohnes alles: Schauspielerei, Lesungen und Synchronsprechen.

Oberste Sprecherregel: Schwammig geht nicht. „Man kann nicht einfach mal so irgendetwas einlesen. Man muss schon einen sehr genauen Weg haben. Ich will, dass wirklich klar durchscheint, was die Intention des Autors ist“, betont sie. Auch außerhalb ihrer Arbeit beschäftigt sie sich mit der deutschen Sprache, schreibt selbst ein Theaterstück – immer auf der Suche nach dem passenden Ton: „Die Sprache ist eine wacklige, gefährliche Brücke. Man kann leicht missverstanden werden; Verstehen ist immer ein Versuch. Ich strebe danach, so nah dranzukommen, wie es geht.“ Oft merke sie, dass sie beim Reden haarscharf an dem vorbeischramme, was sie ausdrücken möchte. „Aber in den Texten, die ich dann vortrage, kann ich loslassen und wirklich meine Gefühle einfließen lassen – das ist für mich ein Ventil.“ Es gebe Sätze, da merke sie: „Das hat was mit dir zu tun. Da wird der Bauch irgendwie weich und warm oder das Herz fängt ganz stark zu klopfen an oder dir kommen Tränen in die Augen – und du spürst: Das ist es.“

Katja Kraft

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