Münchnerin stellt einzigen deutschen Beitrag beim Sundance-Festival

München - Die Münchnerin Fatima Abdollahyan hat eine einmalige Chance: Sie darf als einzige Deutsche einen Beitrag beim Sundance-Filmfestival, dem wichtigsten Festival in den USA, präsentieren.

Es klingt wie ein Märchen: Schöne Studentin macht an der Münchner Filmhochschule ihren Abschlussfilm und wird damit prompt zum Sundance-Filmfestival eingeladen, das in dieser Woche stattfindet.

Sundance, von Robert Redford gegründet und in Park City beheimatet, gilt als wichtigstes Festival der USA. Oscar-Preisträger wie Steven Soderbergh wurden dort entdeckt, und immer noch ist Sundance die bedeutendste Talentbörse der Kinobranche.

Mittendrin ist derzeit Fatima Abdollahyan, deren Dokumentation „Kick in Iran“ der einzige deutsche Beitrag im offiziellen Wettbewerb ist. „Das ist wie ein Traum“, sagt die Tochter persischer Eltern und nimmt die nächste Frage gleich vorweg: „Ich glaube nicht, dass ich gewinne, es laufen zu viele gute Filme hier. Aber gleich mit dem ersten Film seine Weltpremiere in Sundance feiern zu können ist für mich schon ein Hauptgewinn.“

Die Genugtuung, die da durchklingt, wird verständlich, wenn man weiß, dass die 32-Jährige insgesamt vier Jahre hartnäckig an ihrem Diplomfilm gearbeitet hat und dabei einige Rückschläge einstecken musste. Andere hätten vielleicht aufgegeben. Aber Abdollahyan ist eine zähe Kämpferin, auch wenn die zierliche junge Frau auf den ersten Blick nicht so wirken mag.

Ihr ursprünglicher Plan, verschiedene Sportlerinnen im Iran vorzustellen, wurde durchkreuzt, als ein deutsches Filmteam einige ihrer Protagonistinnen für eine andere Dokumentation befragte. Aus der Not machte Abdollahyan eine Tugend und konzentrierte sich auf eine junge Taek-Won-Do-Kämpferin, für die sich niemand interessierte. Und sie hatte Glück: Dieses Mädchen, Sara, sollte sich als erste Frau überhaupt in der Geschichte des Iran für die Olympischen Spiele qualifizieren.

Weil die Dreharbeiten im Iran und in China aufwändig waren und Abdollahyan sich Zeit nahm, um Sara und ihre resolute Trainerin kennenzulernen, zog sich die Produktion hin. Zu allem Überfluss misslang ohne Abdollahyans Verschulden die erste Schnittfassung, sie musste den Film komplett neu montieren – was wieder ein halbes Jahr Arbeit kostete.

Die Mühe hat sich gelohnt. „Kick in Iran“ ist ein gelungener Film geworden, der mehr erklärt als viele kluge Seminare. Fatima Abdollahyan führt in ihrer lakonischen Dokumentation die zwei Heldinnen nicht vor und benutzt den Iran nicht als Staffage für völkerkundliches Kasperletheater.

Ihr geht es nicht um Polemik oder billige Sensationshascherei. Ein bisschen Menschenrechts-Rhetorik und eine Prise feministischer Empörung, schon hätte man einen vermeintlich politischen Film – der natürlich nichts erklärt. „Kick in Iran“ verfolgt eine andere, viel intelligentere und substanziellere Strategie. Mit ebenso präzisem wie distanziertem Blick wird das Leben zweier Frauen verfolgt, die sich tagein, tagaus mit einem autoritären System arrangieren müssen, das sie sich nicht ausgesucht haben.

Es ist letztlich das Ringen um Normalität, um das sich alles dreht. Und das im Wortsinne. Wer setzt die Normen fest, die Frauen das Leben so schwer machen? Wer bestimmt, was die Norm ist und wer davon abweicht? Ein stilles und doch eindringliches Porträt zweier Kämpferinnen ist dies. Eine erprügelt sich innerhalb des Rings Selbstachtung, die andere versucht es auch außerhalb.

Seine Deutschland-Premiere hat der Film im Sommer beim Filmfest München, Ende 2010 wird er dann im Bayerischen Fernsehen ausgestrahlt. Und schon am 31. Januar wird sich entscheiden, ob „Kick in Iran“ nicht vielleicht doch den Wettbewerb von Sundance gewinnt.

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