„Münchnerische Kontinuität“: Lenbachhaus vor Wiedereröffnung

München - Museumschef Helmut Friedel deutet es im Gespräch mit dem Münchner Merkur schon an: Die Wiedereröffnung des Lenbachhauses bringt Vertrautes und überraschend Neues.

Von „Herzblut und Hirnschmalz“ spricht Museumschef Helmut Friedel bei der Jahrespressekonferenz der Städtischen Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München – und das ist eine ganz besondere Vorschau. Denn in vier Monaten wird das Haus bei den Propyläen endlich wieder zugänglich sein für die Besucher. Das denkmalgeschützte Künstlerdomizil von Malerfürst Franz von Lenbach erstrahlt in neu-altem Charme einer toskanischen Villa und der Anbau im Glanz der messingfarbenen Metall-Fassadenverkleidung und großzügigen Räumlichkeiten inklusive kulinarischer Streicheleinheiten.

„Herzblut und Hirnschmalz“ bezog Friedel auf die aktuelle Ausstellung im Kunstbau, „Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit“ (bis 10. Februar; unsere Zeitung ist Medienpartner), und auf die dortigen Kataloge aus all den Jahrzehnten Lenbachhaus-Wirken seit den 20ern. „Herzblut und Hirnschmalz“ trifft aber auch zu auf die vergangene und laufende Planung/Durchführung des Umzugs. Deswegen lobt er übern Schellenkönig sein Team und meint damit jeden: vom Techniker bis zum Restaurator. Eben die erwähnte Schau lässt uns Besucher an den Vorbereitungen teilhaben. Zurzeit etwa in den Kabinetten: Wie hängt man optimal die Lovis-Corinth-Gemälde?

Dieses Rundum-Engagement der Museumsmacher hat der Stadtrat gewürdigt. Nicht nur durch den Bau, sondern zusätzlich durch eine verbesserte Personalausstattung. Es gibt viereinhalb Stellen mehr, erklärte Kulturreferent Hans-Georg Küppers, der vor allem den nationalen und internationalen Status der Städtischen Galerie herausstreicht. Durch die Eröffnung im Mai wird jener betont und konnte zuvor durch die Tournee der „Blauen-Reiter“-Werke von Den Haag, Wien, Moskau bis zu japanischen Städten prunken und Werbung treiben – für ein München, das mehr ist als das Oktoberfest. Kein Wunder, dass Küppers „eine neue Epoche des Lenbachhauses“ ausruft. Dankbar erwähnt er zudem Sammler (und Verleger) Lothar Schirmer und die beiden Stiftungen, die mit ihren Schätzen die Bestände des Lenbachhauses ideal ergänzen. Schirmers Werke von Joseph Beuys machten zusammen mit denen aus eigenem Besitz das Münchner Haus „zu einem Beuys-Zentrum von europaweiter Geltung“, so Küppers.

Die Christoph-Heilmann-Stiftung bietet Malerei des 19. Jahrhunderts von der Dresdner Malerei bis zu der Schule von Barbizon in Frankreich ergänzend zur Münchner Schule; und die KiCo-Stiftung eröffnet ungeahnte Möglichkeiten beim Sammeln von zeitgenössischer Kunst. So konnte die Riesenarbeit „Never again“ von Monica Bonvicini erworben werden, wie Matthias Mühling, ab 2014 Leiter des Lenbachhauses, begeistert erzählte. Obendrein habe man Künstler wie Wolfgang Tillmans gewonnen, Museumsräume selbst zu gestalten. Zusammen mit Isa Genzken – auch von ihr besitzt das Haus einen beeindruckenden Werkkomplex – hat er ein optisches Duett ausgetüftelt.

Neben solch „überraschend Neuem“ gebe es jedoch „sehr viel Vertrautes“ im neuen Lenbachhaus zu erleben, erklärt Friedel: „Das ist münchnerische Kontinuität.“ Zu ihr gehört die Sonderausstellung im Herbst 2013. Man wird wieder den „Atlas“ des Mega-Stars Gerhard Richter zeigen. Die gigantische Materialsammlung des Könners, der bald seine künstlerische Tätigkeit einstellen möchte (so Friedel), besitzt die Galerie seit 2004. Sie ist mittlerweile von 400 Tafeln (mit mehreren Bildern) auf 800 angewachsen: ein großartiges, lebensprühendes Panorama seines Œuvres und seiner Arbeitsweise.

Natürlich kommt auch „Der Blaue Reiter“ nicht zu kurz. Bereits in Planung sind gleich drei Präsentationen, und zwar immer in Paarungen: August Macke und Franz Marc (ab Januar 2015), Klee und Kandinsky (ab September ’15); Münter und Kandinsky werden folgen. Stolz ist das Lenbachhaus-Ensemble freilich nicht allein auf seine Zukunftspläne. Freudig verweist Friedel auf Neuerwerbungen: Beuys’ großes Environment „vor dem Aufbruch aus Lager I“ (1970/1980) sowie Gabriele Münters letztes Großformat, ein lesendes Mädchen „Im Zimmer“ von 1913.

Simone Dattenberger

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