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Blick auf den Neubau des Lenbachhauses, das für 2017 allerhand Überraschungen parat hat. 

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Bildschön

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Die Pläne des Münchner Lenbachhauses für 2017 - Kassenknüller wird die riesige Ausstellung zu Gabriele Münter

Das Jahr 2017 läuft für das Münchner Lenbachhaus unweigerlich auf einen strahlenden Höhepunkt zu: eine allumfassende Ausstellung zum Schaffen von Gabriele Münter (die letzte war 1992). Aber auch die Erfolge des vergangenen Jahres bringt Münchens Kulturreferenten Hans-Georg Küppers zum Strahlen. Da ging’s zwar nicht um Kassenknüller, dafür brachten die Entdeckungen der Künstlerinnen Rochelle Feinstein und Lea Lublin allerhand internationale Preise ein. Was noch mehr zählt, ist jedoch die Publikumsbefragung über drei Jahre hinweg und in sechs Wellen. Der zufolge fühlen sich fast 100 Prozent der Betrachter willkommen in der Städtischen Galerie, werden wiederkommen und empfehlen sie weiter. Seit der Wiedereröffnung 2013 wurden 1,3 Millionen Besuche gezählt und 105 000 der sensationell günstigen Jahreskarten (20 Euro) verkauft.

Ende 2016 startete das Museum zwei Ausstellungen, die noch die ersten beiden Siebzehner-Monate markieren. Die Hommage an Friedrich Wilhelm Murnau (bis 26.2.) wird gerade jetzt von Vorführungen im Filmmuseum flankiert und am 24. Februar von einer Jazz-Improvisation zu „Nosferatu“(Foyer der Versicherungskammer). Thomas Bayrles Motoren singen außerdem bis 5. März ihr Lied; am 17. Januar gibt es ein Künstlergespräch mit ihm.

Noch verlockender klingt die Ankündigung der ersten neuen Präsentation. Was könnte „bildschön“ übertreffen? „Bildschön – Ansichten des 19. Jahrhunderts“(ab 21.2.) hebt nicht nur 40 nie gezeigte Gemälde aus dem Depot und verwandelt damit diese Museumsabteilung möglichst komplett – laut Direktor Matthias Mühling weg vom üblichen Kanon hin zur ganzen Vielfalt zwischen Klassizismus und aufkommender Moderne. Außerdem soll bewiesen werden, wie sehr die Kunst dieser 100 Jahre unser Bildgedächtnis geprägt hat. Da hat ein trauliches Almen-Gemälde von Heinrich Bürkel eben viel mit Ganghofers Roman „Der Jäger von Fall“ und dessen vielfachen Verfilmungen zu tun.

Der KiCo-Stiftung wird ab 6. Mai mit „Mentales Gelb. Sonnenhöchststand“ gehuldigt. KiCo macht seit den Neunzigern die Träume von Museumschefs und Kuratoren in München und Bonn wahr – und dafür schon mal zweistellige Millionensummen locker. Es werden immer Werkgruppen gekauft, nun etwa acht frühe Arbeiten von Arnulf Rainer. Eine extrem wichtige Stiftung für das Renommee des Lenbachhauses. Ähnlich gut funktioniert seit 2013 die Zusammenarbeit mit der Christoph-Heilmann-Stiftung, die eine Ölskizze (1822) von Paul Huet erwerben konnte. Und Lothar Schirmer brilliert ab 14. November mit seiner Zeichnungs-Sammlung „Joseph Beuys. Einwandfreie Bilder 1945-1985“.

Als topaktuell erweist sich die längst geplante Schau „After the Fact. Propaganda 2001-2017“ (ab 30.5.). Sie schildert, wie Künstler politische Werbestrategien analysieren, aufgeladene Topoi wie Heimaterde tatsächlich erden oder zeigen, dass Pegida-Logos unbewusst auf Bauhaus-Gestaltungen zurückgreifen. Hier gibt es auch eine Kooperation mit den Kammerspielen, während man sich für „Symphonie“ von Ari Benjamin Meyers mit den BR-Symphonikern zusammengetan hat. 80 Musiker sind dafür vier Stunden im Lenbachhaus im Einsatz (25.6.). Im Gegensatz dazu stellt sich der gute altePunk nicht klanglich vor, sondern als Super-8-Film der anderen Art (ab 18.9.). Da verbrüderten sich Deutschland und New York.

Bei „Gabriele Münter“ (ab 31.10.) werden dann ganz locker nur noch Superlative in die Vorankündigung geworfen. Die besten Bilder aus der ganzen Welt werde man zeigen, darunter viel noch nie Gesehenes, etwa Münters serielles Schaffen, angeregt durch den Bau der Olympiastraße von München nach Garmisch-Partenkirchen. Oder ihre Ausflüge ins Geheimnisvoll-Exotische. Natürlich gibt es einfach alles zu bewundern: von den Fotos aus Texas, bei denen sie laut Mühling 1900 die Modernität bewies, wie sie die Kollegen erst Jahrzehnte später „erfanden“, über Impressionistisches aus Tunis und Abstraktes während des „Blauen Reiters“ bis zu völlig Rätselhaftem.

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