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Vorhang auf für wunderbare Bilder: Mummenschanz benötigt weder Worte noch Klangkulisse.

Mummenschanz: Irrwitzige Sparsamkeit der Mittel

München - Magie und stummer Humor: Das Schweizer Figurentheater Mummenschanz begeistert im Fröttmaninger Zelt des Deutschen Theaters durch einen unerschöpflichen Fantasie-Pool.

Wo anfangen? Es sind so viele wunderbare Bilder, die „Mummenschanz“ auf die Bühne im Fröttmaninger Zelt des Münchner Deutschen Theaters blättert! Das Schweizer Figurentheater, 40 Jahre alt und kein bisschen midlifekriselig, zeigt aufs Schönste, dass die Spielfreude des Homo sapiens und die Sparsamkeit der Mittel ein unerschöpflicher Fantasie-Pool sind.

Weder Wort noch Musik oder Klangkulisse sind nötig. Hier erlebt man, wie abstrakte Objekte plötzlich zu sehr menschlichem Ausdruck erwachen. Da schwebt nur mal so ein Stück weißes Tuch herein – und faltet sich mit ein paar Kniffen zum sorgenvollen oder grimmigen Gesicht. Ein kopfloses raupenartiges, zunächst aufrechtes Röhrengebilde balanciert umhertrippelnd einen großen Luftballon. Und wenn es nach irrwitzigen Akrobatik-Verschlingungen seine Öffnung wie ein riesiges Auge ins Publikum richtet, heißt das ganz eindeutig „Gell, da guckt ihr“.

Stimmt genau. Und gebannt schauen wir zu, wie zwei durch mehrfache Gliederung „gelenkige“ schmale Latten auf dem Boden sich zu Stühlen aufrichten und zu immer neuen Formen verwachsen. Man ist erinnert an Bauhauskünstler Oskar Schlemmer, der auch seine Tänzer/Beweger hinter und in den Objekten und Kostümen verschwinden ließ. Und auf diese Weise eine Objekt-Magie und einen stummen Humor erzielte.

Es wird auch hier oft gelacht, staunend und heiter anteilnehmend wie beim Wettkampf zweier Machos, die (ohne Spiegel!) ihre Knet-Masken blitzschnell zu immer wilderen Formen umkneten, von Faun zu Affe, Hund und Stier. Oder bei der Werbung eines Klorollen-Mannes: wenn der Verliebte rechts und links von seinem Gesicht die weißen Bahnen lang zupft, sehen wir herzerweichende Tränenbäche fließen. Vom Boden aufgerafft wird das Nutzpapier flugs zum Sträußchen für die Klorollen-Angebetete. Kreativität, Ideen statt bombastisch teure Ausstattung – hier könnten sich Opernregisseure zwecks Sparstrategie was abschauen. Bravo für Floriana Frassetto, Raffaella Mattioli, Pietro Montandon und das neue Mitglied Philipp Egli.

Von Malve Gradinger

Weitere Vorstellungen bis Samstag;

Telefon 089/ 55 23 44 44.

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