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Ihrem Arbeitgeber aufs Dach gestiegen sind hier die Munich Opera Horns, allesamt Mitglieder des Bayerischen Staatsorchesters.

Portrait

Munich Opera Horns: Seitensprünge im Zehnerpack

München - Seit 2007 gibt es die Munich Opera Horns, nun haben sie mit Ex-Chef Kent Nagano eine CD eingespielt.

Nein, eine Schnapsidee war es nicht. Vielmehr eine, die von Johannes Dengler in der Sauna ausgebrütet und dann rasch zusammen mit seinen Kollegen in die Tat umgesetzt wurde. Am 4. August 2007 traten die Munich Opera Horns zum ersten Mal als eigenständiges Ensemble vors Publikum, in Tittmoning war das seinerzeit. Und heuer? Da eröffnen die zehn Hornisten des Bayerischen Staatsorchesters die Kammermusikreihe der Münchner Opernfestspiele. Am 24. Juni marschieren die drei Damen und die sieben Herren im Cuvilliéstheater auf und präsentieren mit Freunden wie der Sängerin Heike Grötzinger, dem Schlagzeuger Claudio Estay, dem Jazzer Tim Collins und dem Gitarristen Klaus Jäckle ein flottes Programm unter anderem mit Filmmusik („Vom Winde verweht“, „Planet der Affen“, „Frühstück bei Tiffany“).

Johannes Dengler hat schon seit 22 Jahren seinen Platz im Graben des Nationaltheaters. „Damals war ich der Jüngste, heute rangiere ich altersmäßig in der Mitte. Unsere jüngste Kollegin ist gerade mal 21 Jahre alt“, sagt der Solo-Hornist. Mittlerweile ist die Altersstruktur der Gruppe nicht mehr so einheitlich wie einst. „Wir haben erfahrene Kollegen, aber auch junge Musiker bis hin zu den Akademisten, und wir alle lernen voneinander“, meint Christian Loferer. Er fungiert als Manager der Munich Opera Horns und kümmert sich um Homepage und Facebook-Auftritt, aber auch um die Konzertplanung und die Noten. „Das ist der anstrengendste Teil“, sagt Dengler, und dann erklären die beiden Hornisten, wie ausgeklügelt der Noten-Verteil-Plan für ein Konzert ist, in dem die zehn Musiker permanent das Pult wechseln und sich fast für jedes Stück neu formieren.

Die Idee zum eigenen Kammermusik-Ensemble kam Dengler nach dem pensionsbedingten Umbruch in der Gruppe. „Wir haben im Staatsorchester eine große Tradition und unseren eigenen Stil. Beides müssen wir weiter pflegen und dabei neue Mitglieder in relativ kurzer Zeit einarbeiten, um unseren homogenen Klang zu behalten.“ Das war der Hauptgrund, diese Instrumentalisten als eigenständige Formation zu präsentieren. Zusammengesetzt ist sie, nachdem nun alle zehn Planstellen besetzt sind, international: „Es gibt einen bayerischen Kern, aber unsere drei Damen kommen zum Beispiel aus Australien und Frankreich“, berichtet Loferer.

Was die Mitglieder, die sich ja fast täglich im Operngraben oder auf Proben sehen, als Munich Opera Horns verbindet, ist auch der gemeinsame große Spaß. Als Kammermusiker können sie sich mit unterschiedlichsten Werken (nicht immer nur ernsten) auseinandersetzen. Natürlich funkt bei der Stückauswahl die Oper immer wieder dazwischen: Da gibt es etwa herrliche Arrangements des Karfreitagszaubers aus Wagners „Parsifal“ oder auch eine „Rosenkavalier“-Fantasie. Diese Nummern, in denen die zehn Hörner mit ihrem reichen Klangspektrum und ihrer Beweglichkeit locker ein ganzes Orchester ersetzen, wurden auch auf einer CD konserviert, die gerade erschienen ist. Am Pult stand Ex-Chefdirigent Kent Nagano. „Wir fanden es toll, dass er die Idee, die er vor Jahren in sein Projekt-Büchlein eintrug, auch nach seinem Weggang aus München noch mit uns realisiert hat“, freut sich Loferer.

Nagano brachte die Audi-Jugend-Chor-Akademie mit, und so entstand ein Programm, in dem neben den Opern-Arrangements von Franz Kanefzky wunderschöne Originalsätze zu hören sind. In den vier Gesängen für Frauenchor von Brahms vereinen sich die jungen Stimmen mit dem Klang von zwei Hörnern und einer Harfe. In den Jagdliedern von Schumann wird der vierstimmige Männerchor von vier Hörnern begleitet, ähnlich wie in Schuberts herrlichem „Nachtgesang im Walde“. Vier Hörner ertönen auch in den russischen Bauernliedern von Strawinsky. Raritäten, die selbst in Chorkonzerten heutzutage nicht oft zu hören sind. Schon vor dieser Silberscheibe brachten die Munich Opera Horns „Fan Faire“ auf den Markt. Der Name stammt vom gleichnamigen Werk, das Miroslav Srnka für die Verleihung des Siemens-Förderpreises 2009 komponierte und 2011 auf Anregung Denglers für die zehn Hörner umarbeitete. Diese zeitgenössische Herausforderung war der Beginn einer Freundschaft zwischen der Gruppe und Srnka. Gerade deshalb darf man gespannt sein, was der tschechische Komponist in seiner Oper „South Pole“ (Südpol), die als Auftragswerk der Bayerischen Staatsoper im Januar 2016 uraufgeführt wird, mit den Hörnern anstellen wird.

Noch bevor Munich Opera Horns & Friends im Juni in die Kintopp-Kiste greifen, widmen sie sich am 30. Mai in der Regensburger Dominikanerkirche sakraler Musik von Bach, Gabrieli und Bruckner. Am 1. August gastieren sie im Schloss Schleißheim mit einem Programm, das von Barock bis zu Piazzolla reicht. Und beflügelt werden sie – ob im Graben oder auf dem Konzertpodium – von der Begeisterung für ihr doch recht diffiziles Instrument. „Hornisten sind sehr kollegial“, meint Dengler. „Wir ‚leiden‘ ja alle unter den Eigenheiten des Waldhorns und wissen, dass jeder einmal eine offene Flanke haben kann.“ Eine Erkenntnis, die hörbar zusammenschweißt.

Munich Opera Horns: Werke von Brahms, Strawinsky, Schubert, Strauss, Wagner u.a.; Audi-Jugend-Chor-Akademie, Kent Nagano (Farao).

von Gabriele Luster

 

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