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Oper in der Reithalle: „Da sitzen der Bauer und der Bäcker, der Arzt und der Notar“, so Intendant Ludwig Baumann.

Munition für Macbeth

Das Opernfestival Gut Immling stellte sein Programm vor – Intendant Baumann und Claus Hipp als gutes Team

Lady Macbeth wird diesen Sommer auf Gut Immling ihren Mann zum Königsmord treiben und sich selbst in den Wahnsinn. Giuseppe Verdis kühne, düstere Shakespeare-Vertonung „Macbeth“ macht am 26. Juni den Auftakt des Opernfestivals (21. Juni – 16. August), das Ludwig Baumann vor 13 Jahren auf einem grünen Hügel im Chiemgau ins Leben rief. Cornelia von Kerssenbrock übernimmt die musikalische Leitung, ihre Schwester Verena die szenische. Und Babykost-Unternehmer Claus Hipp, der die beiden Damen 2002 nach Immling „vermittelte“, sorgt mit Studenten seiner georgischen Bühnenbildklasse für das finstere Ambiente des Machtspiels.

Alle Chöre in der Umgebung singen bei den Opern mit

Hipp lehrt seit zehn Jahren als Professor an der Akademie in Tiflis gegenstandslose Malerei und freut sich, dass er in puncto Requisiten ganz auf Baumanns Welle schwimmt: Der behauptet keck: „Wir sind das einzige Recycling-Opernhaus der Welt.“ Claus Hipp steuert entsprechend alte Munitionskisten, in denen nach dem Krieg die Baby-Nahrung verschickt wurde, bei. Auch die Puppen, die zum Einsatz kommen, werden aus alter Hipp-Betriebskleidung gefertigt.

Baumann strahlt immer noch, wenn er berichtet, dass alle Kirchenchöre der Umgebung bei seinem Festival begeistert mitmachen, dass jeder Schreiner im Dorf mithämmert. Der früher selbst erfolgreiche Bariton Ludwig Baumann hat es geschafft: Er lockt jeden Sommer „normale“ Menschen und nicht nur Opernfreaks in seine Reithalle. „Da sitzen der Bauer und der Bäcker, der Arzt und der Notar, und die meisten Besucher sind in Sachen Oper völlig unverdorben.“

Auch wenn der Immling-Intendant seine Programmgestaltung noch an der Hitliste der Gattung orientiert und weder vor Highlight-Konzerten noch neapolitanischen Tenor-Nächten zurückschreckt, so setzt er doch bei der Regie auf kühne Konzepte. Neben Verena von Kerssenbrock, die „Macbeth“ als Kinder-Albtraum erzählen will, wagt Susanne Knapp einen entromantisierten Blick auf „La Bohème“.

Puccinis Oper ist heuer die zweite große Produktion in der Immlinger Reithalle. Die junge Regisseurin, Schülerin von Peter Konwitschny, will zeigen, wie Menschen aus dem Nichts etwas machen: Lebenskunst. Sie ist froh, dass ihre Mitstreiter (Bühne, Kostüme) bereits Erfahrung mit dem Raum und seinen speziellen Anforderungen haben.

Die Musiker haben sie auch, denn die Münchner Symphoniker gehören seit 1999 zum festen Stamm auf Gut Immling. Ihr Chef, Georg Schmöhe, der die „Bohème“ leitet, schätzt die Immlinger Urlaubsatmosphäre, die gepaart ist mit „sehr intensiver und konzentrierter Arbeit“.

Ums junge Publikum bemüht sich Ludwig Baumann persönlich. Heuer inszeniert er die Kinderoper „Rumpelstilzchen“. Darüber hinaus gibt es eine Kinder-Kulturwoche mit Abschlussaufführung. Besonders am Herzen liegt dem Chef die zum 11. Mal angebotene Vorstellung für Behinderte, die die Rothenfußer-Stiftung ermöglicht.

Da Ludwig Baumann sich offensichtlich auf seine Förderer, den Freistaat und viele Sponsoren, verlassen kann und 40 Prozent seines Etats selbst einspielt, wagt er den Blick in die Zukunft: 2010 wetteifern Richard Wagners „Fliegender Holländer“ und George Bizets „Carmen“ um die Gunst des Immlinger Publikums.

Gabriele Luster

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